Wechsel in private Krankenversicherung durch Jobwechsel

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4 Antworten

Hallo,

das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt nach § 6 Absatz 1 Nr. 1 SGB V wird errechnet, indem man den Monatsbruttoverdienst bei Beschäftigungsbeginn mit 12 multipliziert. Verheirateten- und Kinderzuschläge und steuerfreue Zulagen werden nicht berücksichtigt. Urlaubs- und Weihnachtsgeld, die in den nächsten 12 Monaten (hier: 1.9.2012-31.8.2013) sicher erwartet werden können, gehören mit zum regelmäßigen Jahresarbeitsentgelt.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__6.html -> Absatz 1 Nr. 1 und Absatz 4

Wenn die Einkommensgrenze von 58.850 Euro jährlich bei Beschäftigungsbeginn überschritten wird, kann man sofort mit Beschäftigungsbeginn in die PKV wechseln (wenn vorher Krankenversicherungspflicht bestanden hat).

Der Vergleich GKV - PKV ist aber grds. ein** lebenslanger** Vergleich. Das heißt, es ist erforderlich alle späteren möglichen Veränderungen mit in den Vergleich einzubeziehen, z.B. "Gründung/Vergrößerung der Familie" und Verringerung der Einnahmen.

Auch bei folgenden Änderungen bleibt man in der PKV:

Kurzarbeit, unbezahlter Urlaub/Sabbatjahr, späteres (Zweit-)Studium, Frührente wegen Erwerbsminderung, Altersrentner, Hausmann, Auszeit wegen Kindererziehung -> in diesen Fällen sind die PKV-Beiträge in unveränderter Höhe weiterzuzahlen.

Ggf. sind zusätzliche Beiträge für Kinder oder den nichtberufstätigen Ehegatten zu zahlen.

Die Beiträge für den nichtberufstätigen Ehegatten werden in der GKV nach der Elternzeit (manchmal auch in der Elternzeit) immer nach der Hälfte der Einnahmen des PKV-Ehegatten berechnet (§ 240 SGB V letzter Absatz). Wenn der Ehegatte chronisch krank ist, ist ein Beitritt zur PKV oft ausgeschlossen.

Auch Scheidung und ggf. erneute Heirat/Stiefkinder können gravierende Auswirkungen haben.

Für Kinder sind pro Kopf Beiträge zu zahlen. Die Leistungen für die Kinder sind dann oft auf die Tarife für die Eltern begrenzt. Hier sind unter dem Suchbegriff "PKV" viele Erfahrungen von Betroffenen vermerkt:

rehakids.de/phpBB2/forum21.html

Bei den Leistungen sollte man neben vielen anderen besonders auf folgende Punkte achten:

• Reha/Kur (z.B. nach Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Unfällen ...)

• Hilfsmittel: Katalog der GKV:

db1.rehadat.de/gkv2/Gkv.KHS

Hilfsmittel erreichen schnell 4- und teilweise 5-stellige Beträge.

• Psychotherapie (Anzahl und Erstattungshöhe) •kieferorthopädische Behandlung (Zahnspange

• Heilmittel (z.B. Krankengymnastik, Sprachtherapie, Ergotherapie), z.B. nach Schlaganfall

-> Heilmittelarten und Erstattungshöhe

• für Arbeitnehmer Krankentagegeld: Wenn die selbe Krankheit wiederholt auftritt, braucht der Arbeitgeber insgesamt nur 42 Tage Entgeltfortzahlung zu leisten. Wenn das Krankentagegeld immer erst ab dem 43. Tag gezahlt wird, entsteht ggf. eine längere finanzielle Lücke.

Man kann "PKV-Experten" auch eine Testfrage stellen: "Brauche ich als Arbeitnehmer eine Absicherung für Kur/Reha?". Wenn die Antwort lautet, dass das nicht erforderlich ist, da die Rentenversicherung für Arbeitnehmer die Kosten trägt, ist das nur die halbe Antwort. Als Rentner (auch Frührentner) besteht später dann keine Absicherung mehr. Die spätere PKV-Absicherung für Reha wird dann unmöglich bzw. (fast) unbezahlbar sein.

In der PKV werden notwendige Leistungen in angemessener Höhe erstattet. Was angemessen ist, prüft die Versicherung, wenn man Rechnungen einreicht. Der Leistungserbringer hat aber trotzdem einen Anspruch auf Vergütung. Im Übrigen werden nur schulmedizinisch anerkannte Methoden erstattet.

§5 Absatz 2 und § 4 Absatz 6 PKV-Musterbedingungen:

pkv.de/recht/musterbedingungen/mbkk2009.pdf

Wenn man im Krankheitsfall Probleme mit einem PKV-Unternehmen hat, kann man praktisch nicht mehr wechseln. Jede andere Versicherung wird einen voraussichtlich wegen der Erkrankung ablehnen (oder gravierende Risikozuschläge erheben). In der GKV sind die anderen Krankenkasse verpflichtet, einen aufzunehmen, und man hat ab dem 1. Tag den vollen Leistungsanspruch (ohne Zuschläge).

Vielleicht interessant:

focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/tid-5429/krankenversicherung-zehn-irrtuemer-ueber-die-privatenaid52165.html

bundderversicherten.de/app/download/BdV-PKV-Broschuere.pdf

pkv-ombudsmann.de/

(unter Tätigkeitsberichte sind häufige Beschwerden von PKV-Versicherten aufgelistet)

Wenn die PKV günstiger als die GKV ist, profitiert der Arbeitgeber zur Hälfte von der Ersparnis. Wenn die PKV (früher oder später) teurer als die GKV ist, trägt man als Versicherter die Mehrkosten allein (Arbeitgeber oder Rentenversicherung beteiligen sich daran nicht): § 257 SGB V und § 106 SGB VI

Ähnlich ist es mit dem Steuerrecht. Wenn man niedrigere Beiträge zahlt, kann man steuerlich weniger absetzen. Das Finanzamt spart mit.

Die Gesundheitsfragen im PKV-Antrag sind immer 100% korrekt anzugeben: Gab es in den letzten Jahren irgendwann Rückenbeschwerden? Gab es Knieeinschränkungen? Oder Kopfschmerzen? Oder eine Erkältung mit Husten? Nicht angegebene Erkrankungen können auch nach Jahren zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

http://www.test.de/Formulare-der-Privaten-Krankenversicherer-Diagnose-unklar-1669604-0/

Die Kosten einer Versicherung bestehen immer aus den gezahlten Beiträgen und den nicht versicherten Leistungen.

Die Entscheidung hat vermutlich lebenslange Auswirkungen und sollte daher genauso gründlich wie z.B. ein Hauskauf angegangen werden.

Viel Erfolg bei der richtigen Entscheidung!

Gruß

RHW

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Wenn du JAHRES-Beitragsbemessungsgrenze nicht erreichst, bleibs du weiterhin pflichtversichert. Was dein Arbeitgeber da macht, ist nicht maßgeblich. Erst wenn du die Feigabe der gesetzlichen rankeversicherung bekommst, kannst du wechseln.

Du kannst in die PKV wechseln, wenn auf der Meldung zur Sozialversicherung (Du erhältst davon einen Durchschlag vom AG) im Feld Beitragsgruppe (auch oft nur BGR) die Ziffern 0110 stehen. Denn dann liegst Du über der Versicherungspflichtgrenze. Steht da allerdings 1111 so bist Du pflichtversichert, weil Du die Versicherungspflichtgrenze nicht überschreitest und kannst nicht zur PKV.

Bei Überschreitens der Versicherungspflichtgrenze: Für den Wechsel zur PKV hast Du ab Beschäftigungsbeginn 2 Wochen Zeit. Nutzt Du dieses Wahlrecht nicht aktiv, gilt Dein "Nichtwählen" als passives Wahlrecht und Du wirst in Deiner GKV freiwillig versichert. Du kannst dann nur zur PKV wechseln, wenn Du in der GKV kündigst- Kündigungsfrist: 2 Monate.

Hallo Kunterbunt,

meistens steht auf der Meldung zur Sozialversicherung in diesen Fällen als 1. Ziffer eine "9" = Firmenzahlung für freiwillige Beiträge.

Die Frist für den Wechsel in die PKV beträgt bei Beschäftigungsbeginn (Arbeitgeberwechsel!):

  • 3 Monate rückwirkend, wenn vorher Krankenversicherungspflicht bestanden hat

  • Ablauf der Kündigungsfrist (= 2 volle Kalendermonate), wenn vorher eine freiwillige Mitgliedschaft berstanden hat.

Schönes Wochenende!

RHW

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du hattest ja schon andere medizinische themen angesprochen. sind dir wirklich alle konsequenzen beim wechseln in die PKV bewusst?

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