We spricht man gehobener und hört sich "schlauer" an?

7 Antworten

Sprache hat verschiedene Register, die beim Kommunizieren gezogen werden können. Nur wenn das Register zum Kontext passt und nur wenn das Register in sich stimmig ist, wird es nicht lächerlich.

"Sich schlau anhören" und "intellektuell klingen" deutet für mich darauf hin, dass jemand ein bestimmtes Register selbst nicht gewohnt ist. "Geschwollen daherreden" zeigt, dass die sprechende Person das Register überstrapaziert, es also zwar kennt, aber es zu sehr auf die Spitze treibt, wobei dann Inhalt verlorengeht. (Manchmal soll das Register wohl auch den dürftigen Inhalt überdecken 🤭)

Alle drei Eindrücke beziehen sich meist auf einen Sprachgebrauch, der sich durch Präzision auszeichnet, auf den Punkt kommt, den Kern trifft.

Er ist geprägt von einer gewissen Unpersönlichkeit, die bspw. durch Passivkonstruktionen und Nominalisierungen erreicht wird.

Jedes Wort ist wichtig, keines ist einfach so da, dann könnte man es nämlich auch einfach so weglassen.

  • Mein Tipp: Überflüssiges weglassen.

Der Text ist kohärent (= inhaltlich logisch).

  • Mein Tipp: einen roten Faden knüpfen, dem Text einen strukturellen Aufbau geben, damit er sich entwickelt und nicht nur auflistet. Dafür muss natürlich die inhaltliche Grundlage gegeben sein. Aus Spaghettis kann man kein Gerüst bauen.

Der Text ist kohäsiv (= sprachlogisch).

  • Meine Tipps: (1) Konnektoren bewusster einsetzen. In den Texten, die auf gf zur Korrektur eingestellt werden, werden Konnektoren zum einen inflationär eingesetzt, zum anderen falsch, weil der Konnektor (der für Kohäsion sorgen soll) inhaltlich nicht passt. "Somit" und "demnach" bspw. werden häufig eingesetzt, passen aber meist nicht, weil inhaltlich gar keine Konsequenz vorliegt. (2) sich eine Zeit lang intensiv und exzessiv mit der Thema-Rhema-Progression auseinandersetzen. Als ich das in extremer Form machen musste (über Wochen!), hat mich das wirklich genervt: Jeder Satz musste einen Bezug zum vorigen Satz haben, und zwar in Form eines Wortes/Ausdrucks, nicht nur gedacht/mental ergänzt. Rückblickend ist das für mich jedoch eine Schlüsselaufgabe gewesen, weil ich ein Gespür für den inneren sprachlichen Zusammenhang von Texten bekommen habe.

Zuletzt: Sprachrichtigkeit. Das Register stimmt in sich nur, wenn die Regeln zur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung berücksichtigt werden. Es kommt übrigens ausdrücklich nicht auf Schachtelsätze an; die gehen für mich dann leicht in die Überstrapazierung.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Gute Antworten sind nicht selbstverständlich. Gern geschehen

Achtung! Der Gebrauch von Fremdwörtern und/oder "schlauklingenden" Wörtern - ist oft ein Schuss, der nach hinten losgeht. Denn häufig wirkt das wie gewollt aber nicht gekonnt.

Ein schönes Beispiel - für das mein Dank hier an andreasolar geht:

"Als Kanzler Erhard einmal nicht sonderlich gehaltvoll gesprochen hatte, antwortete Erler süffisant: "Die Rede des Herrn Bundeskanzlers war sehr reziplikativ - Sie werden vielleicht fragen, was das heißt. Es heißt gar nichts, aber es spricht sich so schön."

http://www.zeit.de/reden/portrait/200109_staatsmann_ohne

Vielleicht solltest du eher an der Erweiterung deines Wortschatzes und an deiner Stilverbesserung arbeiten. Dazu könntest du:

- Wortfamilien bilden: Themen; Gegenteil; Nomen mit passendem Verb und Adjektiv; etc.

- Synonyme lernen: verschiedene Wörter für wachsen (größer werden, ansteigen, klettern, sich ausdehnen usw.)

- Redewendungen lernen

- (Fremd) Wörter im Wörterbuch nachschlagen und dabei gleich ein wenig weiter schmökern

- lesen: auch mal anspruchsvollere Bücher der Weltliteratur und anspruchsvollere Zeitungen oder das Feuilleton und den Wirtschaftsteil einer guten Tageszeitung

- ins Theater gehen

- Lesungen besuchen

- dich einem Lese- oder Literaturkreis anschließen

- spielen: z.B. Tabu: (ein vorgegebener Begriff soll erklärt werden, dabei dürfen 4 oder 5 Wörter nicht verwendet werden), Welches Wort passt nicht in die Reihe oder Gruppe? oder Kreuzworträtsel

Ganz davon ab ist es mit einem umfangreichen und erlesenen Wortschatz nicht getan. Da eine Sprache nicht nur eine Aneinanderreihung von Wörtern ist, braucht es die Grammatik, um die Wörter auch zu sinnvollen Sätzen zu verbinden. Ein guter Wortschatz ohne korrekte Grammatik bringt daher herzlich wenig.

:-) AstridDerPu

Von Experte AstridDerPu bestätigt

Man versucht es gar nicht erst. Weil das fast immer in die Hose geht.

Überzeugen kann man mit INHALTEN, die in "normalem" Deutsch übermittelt werden.

Darf ich dir den letzten Satz mal in geschwollenem Dummdeutsch präsentieren?

Also dann: "Wenn der Proband intendiert, die Methode der Persuasion zu elektieren, dann möge er oder sie doch die Diktion des elaborierten Codes tunlichst vermeiden, sofern sich diese noch jenseits seiner Possibilitäten befindet, und zwar behufs der Vermeidung von Ridikulität".

Na, überzeugt?

Gruß, earnest

Will man Schlaue ansprechen hört man sich nur schlau an, wenn man Schlaues sagt.

Will man Dumme ansprechen, hört man sich auch schon schlau an, wenn man seltene Fachwörter benutzt oder etwas simples komplexer darstellt, als es eigentlich ist.

Das geht nur, wenn man tatsächlich dieses bestimmte Level an Intelligenz hat, sonst wird es halt immer komisch rüberkommen.

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