We geht man mit der Bürokratie um wenn man sein eigenes Unternehmen hat?

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6 Antworten

We geht man mit der Bürokratie um wenn man sein eigenes Unternehmen hat?

Mache dir nicht so viele Sorgen. :)

Halte dich einfach nur an die Grundregeln:

  • Bezahle deine Steuern. (Du kannst jederzeit im Finanzamt oder bei Steuerberatern anklopfen. Die erklären dir alles, was du wissen musst, sehr geduldig.)
  • Bezahle deine Sozialabgaben. (Auch hier findest du IMMER Leute bei den Kassen und Einrichtungen, die dir das ausführlich erklären. Und wieder sind Steuerberater sehr hilfreich; gerade in der Anfangsphase.)

Diese Einrichtungen sind sehr aggressiv, wenn sie vermuten, dass du sie "bescheißen" willst (ganz egal, ob du es wirklich wolltest oder nicht). Doch ein Steuerberater kann all diese Sorgen für dich übernehmen.

Darüber hinaus mache anfangs einfach nichts, was du als "moralisch fragwürdig" empfinden würdest. Das schützt dich zwar nicht allumfassend; aber es hält eine ganze Menge Ärger von dir fern. Und wann immer dir etwas komisch vorkommt, informiere dich. Es gibt überall Unternehmensberater, Steuerberater, Finanzämter, Krankenkassen, Rentenkassen, und ... und ... und ... Und die meisten besitzen sehr viel Geduld und erklären es dir ausführlich --- oder helfen dir (meist gegen Geld).

Und wenn du Fragen zu deinem Produkt hast (gesetzliche Auflagen, etc.) informiere dich bei den entsprechenden Kammern. Sie werden dich immer unterstützen, die richtigen Leute fragen zu können.

Woher wissen Unternehmer das alles, ist es denn so leicht zu lernen?

Niemand weiß alles. Und die meisten Unternehmer wissen nur wenig mehr* als der "Durchschnitts-Michel". (* Meist ist es nicht einmal "mehr", sondern nur "anderes". Sie sind "Fach-Idioten geworden.)

Was sie unterscheidet: Sie rennen los und fragen rum. Sie besorgen sich die Antworten. (Denn sie lernen schnell: Tun sie das nicht, kostet's ihr Geld. Und sie sind ja zum "Geld verdienen" angetreten; nicht zum "Geld aus dem Fenster werfen, nur weil man zu faul war, sich zu informieren".)

Ich habe dir oben gezeigt, worauf es zentral ankommt (Steuern und Sozialabgaben). Das musst du IMMER im Kopf haben, denn im Zweifel rächt es sich. Nicht unbedingt "zuerst" aber meist sehr brutal. 

Alles weitere kannst du deutlich entspannter sehen: Du willst ein neues Produkt auf dem deutschen Markt zulassen? Wer könnte wohl dafür zuständig sein? ... Frag doch mal den TÜV! Einfach anrufen und sagen: "Leute, ich würde gern ein neues Produkt auf dem deutschen Markt zulassen lassen. Wer macht das und wie geht das?" Du wirst nicht immer gleich den passenden Ansprechpartner finden. Aber man wird dir immer mit Rat helfen. "Wenden Sie sich mal an den und den. Der weiß, wie das geht."

Was wenn man eine dieser Dinge nicht weiß, muss man dann befürchten strafrechtlich verfolgt zu werden, nur weil man ein Gesetz nicht kennt das auch 90% der Restbevölkerung nicht kennt?

Ja, Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Aber so schnell schießen die Preußen nicht.

Wenn dir etwas "nicht koscher" vorkommt, dann frage rum und informiere dich. Und halte dich an die einfache Faustregel, dass du (erst mal) nichts machst, was dir "moralisch fragwürdig" vorkommt. In solchen Fällen informiere dich zuerst, bevor du irgendwas machst. Notfalls frage einen Anwalt.

Außerdem wirst du sehr schnell zu einem Fach-Spezialisten. Weil du dich nur noch mit diesem einen Thema beschäftigst, wirst du in sehr kurzer Zeit sehr viel Wissen aufbauen. 

Und alles, was du nicht wissen willst oder musst, wirst (und solltest) du delegieren: Deine Steuererklärung macht der Steuerberater; damit bist du die zentralen Sorgen (Steuern & Abgaben) erst mal los. Das macht dir den Kopf noch freier für deine Ziele. 

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Mit anderen Worten: Du machst dir viel zu viele Sorgen. Das größte Problem, das Jung-Unternehmer haben, ist nicht die "Angst vor Strafen", sondern ihre Blauäugigkeit, an die Ammenmärchen von "freiem Markt" und "Jeder kann es schaffen, wenn er nur fleißig genug ist!" zu glauben. 

Denn sie finden sich immer wieder "völlig überrascht" in einem Haifisch-Becken wieder, in dem ihnen schon die kleinste Unaufmerksamkeit gegenüber der Konkurrenz das Genick bricht. Und auch die Verbraucher warten nur selten auf das eine, tolle Produkt; so dass die erhoffte Entwicklung des eigenen Unternehmens typischerweise astronomisch hinter den Erwartungen zurückhinkt (und sie auch meist gar nicht erreicht).

DAS sind viel größere Probleme, die dir VIEL MEHR SORGEN bereiten sollten... ;)

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Das kommt ganz darauf an, wie umfangreich Dein Geschäft ist. Bist Du ein kleiner Selbständiger oder kleiner Handwerker, reicht in der Regel
eine einfache Einnahmen-Überschuß-Buchführung. Grob gesagt: 1 Spalte für
die Einnahmen, 1 Spalte für die Ausgaben.

Alle Belege sammeln und möglichst chronologisch ordnen. Gewöhn Dir da von Anfang an an, die Belege in einem Ordner mit entsprechendem Register zu sammeln - bloß keine Lose-Blatt-Sammlung in einem Schuhkarton - da ist das Buchhaltungschaos vorprogrammiert. Sobald eine Rechnung oder ein
Ausgabe-Beleg vorliegt, gleich eintragen und abheften (wöchentliches /
monatliches Backup der Buchhaltung auf einem externen Datenträger nicht
vergessen!!!)

Die Einnahmen-Überschuß-Buchführung ist kein Hexenwerk. Es gibt Programme für diese Buchhaltung, die ich persönlich alle für entweder viel zu kompliziert oder total überteuert halte. Ich arbeite seit Jahren mit einer einfachen Excel-Tabelle, die vom Finanzamt unlängst als "vorbildlich" betitelt wurde. Da legst Du Dir einfach Deine Spalten für Einnahmen, Ausgaben wie Büromaterial, Wareneinkäufe, Verbrauchsartikel, Bewirtungskosten, PKW-Kosten etc, Vorsorgeaufwendungen usw. Günstig ist es, wenn die Ausgaben gleich nach den Vorgaben der Steuererklärung aufgeschlüssselt sind, dann hast Du es bei der Steuererklärung leichter.

Was die Umsatzsteuer-Voranmeldung betrifft, liest Du Dich einfach mal schlau, wie z.B. hier: http://www.buchhaltung-meierhoff.de/artikel/die-umsatzsteuervoranmeldung-monatlich-vierteljaehrlich-oder-jaehrlich/

Auch hier ein Tipp: Trifft auf Dich die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG nicht zu, so gewöhn Dir an, die eingenommene MwSt. sogleich auf ein separates Konto zu legen, welches Du nie (!) antastest. Ich habe jetzt schon einige Fälle bei Handwerkern erlebt, die bei Ihren Einnahmen die eingenommene MwSt. außer Acht ließen und dann in Teufels Küche kamen, weil bei Forderung durch das Finanzamt das Geld nicht da war, weil es ausgegeben worden ist.

Das Finanzamt fackelt da nicht lange und knallt Dir eine Pfändung rein,
d.h.: Konto wird dicht gemacht!!! Weist Dein Konto keine Deckung auf,
dann bleibt das Konto so lange dicht, bis die Steuerschuld beglichen
wurde. Das Finanzamt schert sich nicht darum, ob Du noch Deine
Rechnungen wie Miete, Krankenkasse usw. bezahlen kannst, Sprit fürs Auto
hast, damit Du überhaupt Deinen Job erledigen kannst oder noch was zu beißen im Brotkasten hast. Die sind da knallhart!

Dann eine Modalität auszuhandeln, daß Du nicht handlungsunfähig wirst, kostet Zeit und Mühe. Das kannst Du Dir ersparen, indem Du vernünftig und
vorausschauend wirtschaftest und die MwSt. gleich beiseite legst. Diese
Rücklage kannst Du natürlich durch die MwSt. mindern, die Du selber auf
Deine Ausgaben zahlst. Würde ich aber nicht tun, denn dann hast Du immer
ein kleines Reservepolster, wenn die Einkommens- oder Gewerbesteuer
fällig wird.

Auch die Krankenkassen fackeln mit Kontopfändungen nicht lange, so bald Du da in den Rückstand gerätst.

Natürlich haftest Du für die Dinge, die Du herstellst und die Arbeit, die Du leistest. Entweder müssen entsprechende DIN-Normen, VDE- oder anderen Vorschriften eingehalten werden und es obliegt Deiner Verantwortung hier auf dem Laufenden zu bleiben. Unwissenheit schützt bekanntlich nicht vor Strafe!

Für Auskünfte gibt es die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer, die natürlich auch bei Dir Geld abzocken kommt.

Es kommen ohnehin viel mehr Ausgaben und Pflichten auf Dich zu, als Du
jetzt glaubst oder auch nur ahnst. Wer sich in der heutigen Zeit selbständig machen will, sollte sich das gut überlegen. Die Zeiten, wo ein kleiner Handwerker seine Familie ernähren, ein kleines Häuschen bauen und noch 2 Wochen in den Urlaub fahren konnte, sind schon lange vorbei.

Ich mache jetzt seit Jahren für einige kleine Handwerker-Meister (ohne Angestellte) die Buchhaltung. Die krebsen allesamt seit der DM-Euro-Umstellung auf Hartz IV-Niveau rum. Die entlohnen mich mit kleinen Gegengefälligkeiten, weil die noch nicht einmal das Geld mehr haben, monatlich auch nur 50 Euro für eine Buchhaltungskraft zu zahlen. Der eine belastet jetzt sein schuldenfrei ererbtes Häuschen, damit der überhaupt noch mit seiner Familie über die Runden kommt.

Wenn Du nicht von Anfang an soviel Geld unterm Strich übrig hast, daß Du Dir einen Steuerberater locker leisten kannst, dann mach die Buchhaltung selbst, denn Steuerberater sind nicht billig! Machen die Fehler, haftest Du trotzdem!

Wenn Du nicht wirklich eine Super-Idee und Eigenkapital hast, laß' die Finger von der Selbständigkeit, vor allem dann, wenn Du noch Kredite für Produktionsmaschinen, Material, Werkzeug, Werkstatt, Halle usw. aufnehmen mußt. Der Mittelstand ist in Deutschland (planmäßig) fast hinweggefegt. Die meisten Banken sind Verbrecher, die sich nur bereichern wollen. Die geben Dir bei gutem Wetter einen Regenschirm, den sie Dir sofort wieder wegnehmen, sobald die ersten Tropfen fallen (oft genug hautnah miterlebt).

Zukunft haben handwerklich gut ausgebildete Deutsche in Lateinamerika.
Dort sind die deutschen Tugenden noch gefragt.

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Um Deine letzten Fragen zu beantworten: Ja. Wer unwissend ist, den schützt es nicht vor Strafe. Ist nun mal so. Aber da Du weißt, dass das einiges auf Dich an Lernarbeit zukommt, bist Du ja nicht ganz unwissend. Es gibt bei der VHS Kurse, die eines all so was lehren - da mach Dich mal schlau, wann ein solcher Kurs anfängt und was der kostet. Buchhaltung ist in Deutschland sehr wichtig! Und da kannst du dann alle Deine Fragen stellen. Wenn Du schon überlegst, Dich selbständig zu machen, schadet ein solcher Kurs auf keinen Fall, auch, wenn Du Dich dann gegen eine Selbständigkeit entscheiden solltest.

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Woher wissen Unternehmer das alles, ist es denn so leicht zu lernen?

Easy:

  • Im Vorfeld machst du dich schlau zu dem Markt in den du gehen willst, was für Regeln es dort im Bezug auf Gesetze und Dienstleistungen gibt, was für Umsätze du erwarten kannst, etc.
  • Dann gehst du zum Rechtsanwalt und klärst rechtliche Thematiken ab.
  • Buchhaltung/-führung lagerst du aus an den Steuerberater
  • Dann konaktierst du einen Versicherungsmakler zwecks betrieblich notwendiger oder sinnvoller Absicherung.
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Wer Unternehmer sein will muss dieses Wissen haben, oder einen haben, der das Wissen hat.

Wer sich in der Branche selbständig macht, in der er bis dahin gearbeitet hat, wird das meiste Wissen. Für das Andere muss er entweder dazu lernen, oder aber auf Berater, oder Mitarbeiter zurück greifen.

Insbesondere für die Buchhaltung ist es doch einfach, man übergibt es dem Steuerberater.

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Entweder man studiert vorher BWL oder man hat Geld für entsprechend geschultes Personal.

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