Was zeichnet einen Antisemiten aus?

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7 Antworten

Der Begriff ist ungenau. Eigentlich sind Araber genauso Semiten wie Israelis. Das erkennt man auch an der engen Verwandtschaft ihrer Sprachen.

Da aber hierzulande "Jude" und "Semit" zum Synonym geworden sind, versteht man unter "Antisemit" "Judenfeindlich".

(Das ist, als würde man Deutsche und Alemannen gleichsetzen, was z. B. Franzosen in ihrem Sprachgebrauch tun.)

Nachdem der Antisemitismus - aus geschichtlicher Erfahrung und zu Recht - extrem negativ belegt worden ist, versuchen israelische Regierungen und Vertreter jüdischer Organisationen, alle kritischen Äußerungen zu ihrem Reden und Handeln als "antisemitisch" darzustellen und zu diskreditieren.

Doch der Umstand, dass es einen Antisemitismus gegeben hat und auch heute gibt, bildet keine Rechtfertigung für einen Freibrief, den sich israelische Regierungen und jüdische Interessenvertreter sich wünschen. Ein ungerechtfertigter Gebrauch dieses Begriffs ist deswegen abzulehnen.

Antisemitismus ist, wenn man gegen Juden ist, weil sie Juden sind. Kein Antisemitismus ist, wenn man Äußerungen und Handlungen von Juden kritisiert, die zu kritisieren wären, auch wenn sie nicht von einem Juden kämen.




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Kommentar von Fallschirm88
30.11.2015, 15:11

Der Begriff stammt von den Antisemiten und war sozusagen ein Euphemismus für "Judenhass". Wie du richtig feststellst, waren die Juden damals (19. Jhdt) praktisch die einzigen Semiten in Europa, daher war der Begriff eindeutig, auch wenn "Semit" ein viel weiterer Begriff als nur "Jude" ist.

Da dieser Begriff aus dieser Zeit stammt und in dieser Zeit geprägt wurde, hat es keinen Sinn jetzt herumzukritteln, dass Araber auch Semiten sind (und deshalb keine Antisemiten sein können?)...

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schwer zu beantworten, weil man eigentlich erst mal klären müsste, was ein semit ist...

die nazis haben ja versucht, memschen unterschiedlicher herkunft nach "rassen" einzuteilen, semiten waren eine davon (wobei witzigerweise zu erwähnen wäre, dass araber da auch darunter fallen).
nun mag es ja gruppen geben, die sich physiologisch in gewisser weise  unterscheiden (durch die hautfarbe zb); nur dürfte eine solche einordnung ähnlich sinnvoll sein wie eine mögliche aufteilung der menschheit jeweils nach der schuhgrösse.

der begriff selbst wird natürlich benutzt, um vor allem das zu charakterisieren, was als judenfeindlichkeit (welt-)weit verbreitet zu sein scheint.

ansonsten ist alles, was das judentum angeht, hier in deutschland ein sehr heisses pflaster. das haben wir uns durch unsere geschichte durchaus verdient eingebrockt. und dass  man hierzulande vorsichtig sein sollte, mit ggf. unbedachten äusserungen, halte ich für richtig.

für nicht richtig halte ich, wenn dieses thema quasi als politisches minenfeld benutzt wird (irgendwas wird immer falsch sein können, an einer aussage), um leute loszuwerden, aus welchen gründen auch immer.

dazu ist unter einigen anderen themen gerade das thema antisemitismus aus den o.g. gründen bestens geeignet.
schade ist, dass so eine objektive diskussion kaum noch zustande kommt (weils zu gefährlich ist?) und man sich eigentlich nur noch auf stereotype "richtigsatze" beschränkt, um skandale zu vermeiden.
da dass mittlerweile auffällt, gibt es dann ewig gestrigen eine herrliche steilvorlage um irgendwelchen unsinn damit zu begründen.

anscheinend lernt die menschheit nur wenig dazu....

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Antisemit bedeutet, dass man gegen das Judentum und seine Ausübung eingestellt ist bzw. das Judentum öffentlich herabwürdigt.

Das Wort "Antisemitismus" wird gern als Schlagwort gegen Menschen verwendet, die sich gegen die Politik Israels aussprechen. Das hat allerdings gar nichts mit Antisemitismus zu tun.

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Kommentar von atzef
27.11.2015, 11:33
Das Wort "Antisemitismus" wird gern als Schlagwort gegen Menschen verwendet, die sich gegen die Politik Israels aussprechen. Das hat allerdings gar nichts mit Antisemitismus zu tun.

Du meinst, richtige Antisemiten würden sich niemals "kritisch" über die Politik Israels äußern...? :-)

Natürlich muss nicht jede Kritik der Politik Israels antisemitische Motive haben - das spricht aber beileibe nicht jede Kritik an der Politik Israels automatisch von Antisemitismus frei.

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Einen Antisemiten zeichnet nichts aus, Antisemit zu sein ist eine verabscheuungswürdige Gesinnung.

Wie erkennt man einen Antisemiten? Er selbst definiert sich als jemand, der Juden nicht mag, weil sie Juden sind... 

Da aber Antisemit sein heute im Gegensatz zu früher nicht salonfähig ist, verstecken sich die Antisemit oft unter anderen Adjektiven, z.B. Judentums-kritisch... kritisch darf man doch sein, oder? Aber in Wirklichkeit ist das oft ein Tarnname, ein modernerer Name für Antisemit, so wie "Antisemit" im 19. Jahrhundert ein modernerer Name für Iudenfeind war...

Was ist antisemtisch? Wenn du jemandem eine Wohnung nicht vermietest, weil er einen jüdischen Namen hat, oder eine Stelle nicht gibts, weil er jüdisch ist, oder wenn du einem x-beliebigen Juden vorwirfst, dass er Jesus umgebracht hat (kam bis in die 50er Jahre noch häufig vor)...

Unsensibel ist es, wenn man (insbesondere als Deutscher) Sprüche führt wie "Was Israel macht ist genauso schlimm wie (oder noch schlimmer als) das, was die Nazis gemacht haben". Das ist einfach faktisch falsch. Vor allem aber sollte man bevor man solche Sprüche führt überlegen, ob man nicht lieber erst vor der eigenen Türe kehren soll (besonders wenn man in dem Land lebt, das den Holocaust begangen hat). Was ebenfalls daneben ist, ist wenn man sagt "Hach, warum behandeln die bösen Israelis die armen Palästinenser so schlecht, sie sollten doch wegen des Holocaust wissen, dass das nicht angenehm ist", denn dann legitimiert man den Holocaust als moralische Besserungsanstalt.

Insgesamt kann man sagen, dass die Desinformation über die Situation in Israel sehr gross ist, und es fällt auf, dass z.B. Israel kritisiert wird, aber dass es gleichzeitig niemanden stört, dass in den Palästinensischen Autonomiegebieten auf Landverkauf an Juden die Todesstrafe steht. Hochoffiziell. Oder in Gaza auf Homosexualität unter Männern. Oder auf Häresie...

Da wird oft mit zweiterlei Mass gemessen.

Ebenfalls mit zweierlei Mass gemessen wird, wenn man zum Boykott gegen Israel aufruft, aber seelenruhig Benzin aus Saudi-Arabien kauft, (wo Menschenrechte nicht beachtet werden), oder Teppiche aus Iran (Iran ruft zur Vernichtung von Israel auf), etc...

So einen Menschen würde ich nicht unbedingt als Antisemit bezeichnen, sehr wohl aber als Heuchler.

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Kommentar von LoparkaLisa
26.11.2015, 17:47

Hallo , danke für deine Ausführliche Antwort. 

Manches leuchtet mir ein , manches nicht .

Du hast sehr viel verschiedenes gesagt, deshalb gehe ich auf einige Punkte direkt ein .

"Wie erkennt man einen Antisemiten? Er selbst definiert sich als jemand, der Juden nicht mag, weil sie Juden sind... "

Mag manch einer sagen , ich habe auch anderes gehört . Mir stellt sich hier die Frage, was gibt es an Juden zu hassen? Ist das Wort selbst manchen Menschen so unsympathisch? Und wenn ein Grund genannt wird, warum steht es einem Menschen nicht frei einen bestimmten Punkt an Juden nicht zu schätzen, und das auch öffentlich zu betonen?

"Da aber Antisemit sein heute im Gegensatz zu früher nicht salonfähig ist, verstecken sich die Antisemit oft unter anderen Adjektiven, z.B. Judentums-kritisch... kritisch darf man doch sein, oder? Aber in Wirklichkeit ist das oft ein Tarnname, ein modernerer Name für Antisemit, so wie "Antisemit" im 19. Jahrhundert ein modernerer Name für Iudenfeind war..."

..sie verstecken sich oft unter anderen Adjektiven ... oft ist das ein Tarnname. Du selbst sagst oft . Mich interessieren die , die ehrliche Kritik üben möchten( muss es folglich ja geben..oder? ) . Sprechen wir bitte über diese Menschen.

"Was ist antisemtisch? Wenn du jemandem eine Wohnung nicht vermietest, weil er einen jüdischen Namen hat, oder eine Stelle nicht gibts, weil er jüdisch ist, oder wenn du einem x-beliebigen Juden vorwirfst, dass er Jesus umgebracht hat (kam bis in die 50er Jahre noch häufig vor)..."

..solche sachen sagen und tun irrationale Menschen , auch diese Interessieren mich wenig . 

"Unsensibel ist es, wenn man (insbesondere als Deutscher) Sprüche führt wie "Was Israel macht ist genauso schlimm wie (oder noch schlimmer als) das, was die Nazis gemacht haben". Das ist einfach faktisch falsch. Vor allem aber sollte man bevor man solche Sprüche führt überlegen, ob man nicht lieber erst vor der eigenen Türe kehren soll (besonders wenn man in dem Land lebt, das den Holocaust begangen hat). Was ebenfalls daneben ist, ist wenn man sagt "Hach, warum behandeln die bösen Israelis die armen Palästinenser so schlecht, sie sollten doch wegen des Holocaust wissen, dass das nicht angenehm ist", denn dann legitimiert man den Holocaust als moralische Besserungsanstalt."

..auch hier liegt ein unnötiger Vergleich vor . Etwas muss ja nicht so schlimm wie etwas anderes , um schlimm zu sein . Israel mit den Naziverbrechen vergleichen . ...wenn einem so langweilig ist..

also hier die zwischenfrage: jemand sagt " Was Israel tut ist schlimm" (Punkt)  .. Ist das deiner Meinung nach antisemitisch?

..vor der eigenen Türe kehren.. das hat ja wieder nichts mit Objektivität zutun . Du gehst von einem kritikunfähigen Menschen aus. Reden wir wie gesagt bitte von Kritikfähigen Personen(sofern diese deiner Meinung nach existieren)

Und mit deiner letzten Aussage(dieses Absatzes) widerlegst du dich selbst . Wenn du sagst als deutscher sollte man sich besonders zurückhalten, dann legitimierst du den Holocaust als moralische Besserungsanstalt . (die Deutschen wurden sogar zwei Mal erwähnt)

das ist ,um dich zu zitieren : "..mit zweiterlei Mass gemessen."

"Insgesamt kann man sagen, dass die Desinformation über die Situation in Israel sehr gross ist, und es fällt auf, dass z.B. Israel kritisiert wird, aber dass es gleichzeitig niemanden stört, dass in den Palästinensischen Autonomiegebieten auf Landverkauf an Juden die Todesstrafe steht. Hochoffiziell. Oder in Gaza auf Homosexualität unter Männern. Oder auf Häresie..."

..auch hier gehst du von einem nicht objektiven, nicht Informierten Menschen aus . Wie gesagt , gehen wir bitte von Kritikfähigkeit aus, und verküpfen das Grundthema nicht mit unbedachter Meinung.( wir sind uns nämlich absolut einig, dass Desinformation keine fundierte Meinung bringt)

"Da wird oft mit zweiterlei Mass gemessen.Ebenfalls mit zweierlei Mass gemessen wird, wenn man zum Boykott gegen Israel aufruft, aber seelenruhig Benzin aus Saudi-Arabien kauft, (wo Menschenrechte nicht beachtet werden), oder Teppiche aus Iran (Iran ruft zur Vernichtung von Israel auf), etc..."

...abermals wird von einem speziellen Typ Mensch gesprochen, welcher keine Verhältnisse zu kennen scheint. Wie gesagt, bitte damit nicht aufhalten.

"So einen Menschen würde ich nicht unbedingt als Antisemit bezeichnen, sehr wohl aber als Heuchler."

..und wie bezeichnet man die , die keine Heuchler sind und "normale" Kritik an Israel und/oder Juden üben?

Wie gesagt danke, hoffentlich gehst du auch auf meine Antwort so ausführlich ein .

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Millionen von Menschen verurteilen was Israel in einigen fällen der Geschichte getan hat , deshalb ist man doch kein Antisemit.

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Kommentar von LoparkaLisa
25.11.2015, 15:30

Man wird aber eben als einer bezeichnet (in vielen Fällen) wenn man das tut.

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Kurz hat es Uschi Bollag, der sich so kleidet, dass er als Jude zu erkennen ist, so auf den Punkt gebracht: Wenn sich ein anderer Autofahrer über mich aufregt und sagt "Du SAuhund", dann ist er kein Antisemit. Wenn er sagt "Du Saujude", dann ist er ein Antisemit.

Wenn du einen Menschen - Jude oder nicht - als Menschen kritisierst, weil er etwas Falsches macht, dann ist es OK. Wenn du deine Kritik aber ohne Grund in Zusammenhang mit der Tatsache bringst, dass dieser Mensch jüdisch ist, dann bist du ein Antisemit.

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Kommentar von LoparkaLisa
27.11.2015, 13:26

Gibt es also am Judentum nichts was zu kritisieren wäre ?

Deine Aussagen gehen immer davon aus, dass das Judentum überhauptkeinen Einfluss auf einen Menschen hat.

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Bezieht sich nur auf Judenhass.

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