Was wurde früher über Räuber im verhältnis zwischen taten und dem was man über sie erzählt hat, erzählt?

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3 Antworten

Räuber wurden und werden idealisiert.
Damit dies passieren kann, müssen m.M.n. mehrere Dinge zusammentreffen:

Ein gewisser zeitlicher Abstand: Erst wenn kein lebender Augenzeuge mehr widersprechen kann, taugt ein solcher Gewaltverbrecher zur Idealisierung, also zu einer Verkehrung seiner eigennützigen Motive zu einer schon fast humanistischen Haltung.
Das siehst Du an Gestalten wie Störtebeker und dem Schinderhannes, beide wurden erst längere Zeit nach ihrem Ableben verklärt zu "edlen Wilden" der Gesellschaft, zu Rebellen gegen eine als ungerecht empfundene Ordnung.

Gefühlte eigene Ohnmacht gegen eine übermächtige herrschende Ordnung:
Ein Robin Hood erhält den Status des königstreuen Rebellen, der allein aus seiner Liebe für den "gerechten" Löwenherz zu einem Guerilla-Kämpfer mit Unterhaltungsfaktor stilisiert wird.
Ein Schinderhannes, der aus nackter Not heraus unglaubliche Brutalitäten gegen ganz normale Dorfbewohner beging, wird im Nachhinein zum Widerstandskämpfer gegen die verhasste französische Besatzungsmacht.
Ein Störtebeker wird vom Piratenanführer zu einem menschlichen Gegenmodell der gesichtlosen Hanse, zu einem liebevollen "Vater" seiner Mannschaft, der noch im Augenblick des Todes auch ohne Kopf nichts weiter will, als ihre Leben retten.

Ich habe die Gerichtsakten des Prozesses gegen den Schinderhannes als Protokoll gelesen und kann Dir sagen: Dieser Mann war weder ein Held, noch ein Humanist. Im Gegenteil.
Aus den Zeugenaussagen geht klar hervor, dass er zwar aus Not, Hunger und Existenzangst zunächst zu einem Gelegenheitsdieb, dann zu einem Teilzeiträuber und später zu einem hauptberuflichen Gewaltverbrecher wurde, aber niemals auch nur das Geringste seiner Beute wohltätig verteilt hätte.
Einem Müller ließ er z.B. die Haare anzünden, um an dessen Geld zu kommen. Ein anderes männliches Opfer musste auf einen Stuhl gefesselt der Gruppenvergewaltigung seiner Frau zusehen. Ein weibliches Opfer haben seine Leute so lange an den Haaren die Treppe hinauf und hinunter gerissen, bis sie das Geldversteck im Haus verriet.
SO war der Schinderhannes, sein Rufname war Programm!

Erst, nachdem genügend Zeit verstrichen ist, eignen sich solche Gestalten als Projektionsfläche eigener Wünsche und Sehnsüchte. Mit der historischen Wirklichkeit hat aber eine so veränderte und überhöhte Darstellung meistens wenig bis nichts zu tun.

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Das "Früher" umfaßt eine große Zeitspanne, also Wann bitte sehr?

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Es geht vorallem um das, wofür solche Räuber stehen: 

Freiheit.

Das tun zu können (und auch zu tun) was sie wollen und sich nicht um (einschränkente) Gesetze zu scherren. 

Einfach das Leben leben und genießen.

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Pudelcolada 11.05.2016, 12:53

Und schon das erste Beispiel für eine Idealisierung!
Du vergisst dabei, dass Räuber ihre Freiheit mit Raub erkaufen.
Und das heißt, sie zwingen andere Menschen durch Gewalt oder Gewaltandrohung zur Herausgabe ihres Eigentums.
Tolle Freiheit, so edel, naturverbunden und genügsam...

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Maryondo 11.05.2016, 13:37
@Pudelcolada

Ich hab das nicht vergessen ;-)
Ich habe nur die Frage beantwortet. Und die bezog sich auf die Sicht der "Bewunderer".

Aber du hast recht. Die "Nebenwirkungen / Nebenerscheinungen" hätte ich trotzdem erwähnen können.

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