Was würde passieren wenn jemand beichtet, dass er ins Weihwasser uriniert?

7 Antworten

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Es gibt zwei Möglichkeiten:

FALL 1

Der Pönitent beichtet ohne Reue, dann fragt sich, wozu er das überhaupt beichten soll. Ohne Reue gibt es keine Vergebung. Und der Pfarrer ärgert sich auch nicht mehr oder weniger, zumal er dann ja noch nicht mal wissen kann, ob der Pönitent in der Beichte die Wahrheit gesagt hat oder sich nur wichtig machen oder gar den Verdacht von einem anderen auf sich lenken wollte.

Und selbst, wenn der Pfarrer dem Täter auf der Spur und kurz vor dessen Entlarvung wäre, darf er das Beichtgeheimnis dafür nicht brechen.

Andererseits darf sich der Pfarrer (wie z.B. Don Camillo) weiterhin detektivisch betätigen und nach Indizien suchen, und wenn er dann etwas beweisen kann, wird eine Anzeige nicht dadurch verhindert, dass der Pönitent kurz vorher, wenn der Priester eh schon alles wusste, dasselbe formal im Beichtstuhl angegeben hat.

FALL 2

Der Pönitent beichtet mit Reue, dann ist er gleichzeitig bereit, mit der empfangenen Vergebung auch den materiellen Schaden wieder gutzumachen. In dem Fall können alle glücklich sein, weil man nicht mehr weiter nach Indizien suchen muss und auch die Anzeige wieder zurücknehmen kann.

Was soll denn über dieses mit viel Phantasie entworfene Szenario in Erfahrung gebracht werden?

Geht es um das Beichtgeheimnis oder darum, was nach einer Kirchenschändung geschieht, oder möchten Sie einfach wissen, wie die Feier der Versöhnung in der Katholischen Kirche abläuft?

Und was ist denn mit dem Schmierfink? Was sind seine Absichten bezüglich der Beichte? Ist er Wiederholungstäter nach der Beichte, weil er sich in Sicherheit wiegt? Ist er selbst Katholik? Weiß er, um die Voraussetzungen zur Feier der Versöhnung? Bevorzugt er Burger King oder McDonald's? Hat er seinen Impfpass dabei? Hatte er eine Komparsenrolle im Film "Troll 2"? Gibt es im entsprechenden Bistum eine Urinklausel im partikularen Recht? Ist Ihr Benutzername eine persönliche Offenbarung an alle, die Englisch können? 

Ist das alles nicht geklärt, lässt sich das Verhalten des Pfarrers kaum einschätzen.  

gute Frage

ich glaube, der entscheidene Punkt ist, ob derjenige bereut

wenn er nämlich bereut, würde er die Gebetbücher ersetzen, das Grafitti weg machen und das Weihwasser austauschen.... also irgendwie alles wieder gut machen

wenn er nicht bereut, kann der Priester auch die Beichte nicht abnehmen, damit besteht kein Beichtgeheimnis und die Anzeige wegen Sachbeschädigung ist fällig

Dem würde ich nur bedingt zustimmen. Das Beichtgeheimnis gilt gem. cc. 983f. nicht erst, wenn die Feier des Bußsakramentes mit der Absolution des Pönitenten äußerlich abgeschlossen ist.

Scheitert dieser Abschluss z.B. daran, dass der Pönitent nicht recht disponiert ist, ist das Beichtgeheimnis dennoch unverletzlich und dessen Verletzung ein Straftatbestand (c. 1388). Es geht ja primär darum, die Person zu schützen, die im Rahmen der sakramentalen Beichte persönliche Dinge offenbart. Wenn z.B. ein Ungetaufter beichtet, weil er sich erhofft, durch diese Form seelische Unterstützung zu erfahren, dies aber offenbar wird und des beim Gespräch bleibt, muss das Beichtgeheimnis unverletzlich bleiben. Analog bei einem Katholiken, der sich tatsächlich mit Gott und der Kirche versöhnen möchte, aber aus persönlichen Gründen keine Reue erwecken oder Wiedergutmachung leisten kann (obwohl hier die Frage wäre, ob die Absicht bereits ausreicht).

Hier würde ich auch ansetzen: Das Beichtgeheimnis ist immer unverletzlich. Der Gesetzgeber scheint aber vorauszusetzen, dass derjenige, den dieses Beichtgeheimnis schützen soll, von der Form der sakramentalen Beichte ihrem Sinn entsprechend (Wunsch nach Versöhnung, Gewissenserleichterung, lebenskundliche, geistliche oder psychologische Unterstützung) und nicht missbräuchlich Gebrauch macht. Dabei ist es dann irrelevant, ob es zur gültigen Feier des Bußsakramentes kommt.

Aber was ist denn mit missbräuchlichem Gebrauch, wie er in der Frage intendiert ist (böswillige "Verarsche" des Pfarrers unter Ausnutzung der Rechtsnorm)? Lässt sich, wenn völlig klar ist, dass die Form der Beichte böswillig missbräuchlich bzw. in schädlicher Absicht gebraucht wird, ein entsprechender Rechtsanspruch geltend machen, der die Unverletzlichkeit des Beichtgeheimnisses überhaupt erst begründet? Ich glaube kaum. 

PaulPeter44, was halten Sie von diesem Gedanken? Ich fände es sehr interessant, das einmal klären zu lassen, zumal die entsprechenden Vorschriften im CIC scheinbar noch keiner authentischen Kommentierung seitens des Heiligen Stuhls bedurften, obwohl das Thema in der Seelsorgepraxis sicher nicht irrelevant ist.

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@ruhrpott91

ich habe mal einen Diakon gefragt, und anscheinend beginnt das Beichtgeheimnis mit dem Beginn der Beichte, also mit Beginn der Gebete. d.h. in diesem Fall würde auf jeden Fall das Beichtgeheimnis gelten. Ich glaube, solche und auch andere Situationen sind für einen Priester sehr schwierig.

aber wenn der Beichtende bereut, würde er seine Schandtaten korrigieren wollen bzw. das könnte der Priester als Buße angeben.

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