Was würde John Locke zu der Demokratie in der Türkei sagen?

6 Antworten

John Locke lebte von 1632 bis 1704 in England. Wer glaubt, dass die Demokratie in der Türkei heute schlechter sei als der Feudalismus in England im 17. JH, der sollte mal seine Geschichtskenntnisse auffüllen. Welche Schlüsse John Locke aus der Situation in der Türkei ziehen würde ist also reine Spekulation und nur vorgeschoben, um eigenen Ideen eine fremde Autorität zu geben. Lassen wir das also.

Die Besserwisserei einiger Idealisten ist mehr als nervig. Was ist über den Niedergang des Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan zur letzten Wahl nach den Unruhen in Istanbul nicht alles spekuliert worden! Und? Er wurde - mit Stimme des Volkes! - der große Wahlgewinner! Und er wird es wieder werden! Das Problem mancher Illusionisten hier im Westen ist, dass sie keine Ahnung haben, wie das türkische Volk tickt - nicht nur ein paar linke Intellektuelle in den Städten, sondern das einfache Volk und auch das auf dem breiten Land. Jedes mal werden unsere Besserwisser davon überrascht, wie das Volk abstimmt. In der Schweiz wird das Volk für dumm erklärt. Jetzt zur Europawahl in Frankreich und England. Immer, weil das Volk anders wählt, als sich das die linken Oberschlauheiten und -gutmenschen ausgemalt haben. Für diese Besserwisser gibt es nur ihr selbsterfundenes Volk. Das reale Volk ist für sie kein Volk, weil es anders wählt, als sie es sich erträumen. Ihr eingebildetes Ideal ist ihr Maßstab und nicht die Realität.

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Er wurde - mit Stimme des Volkes! - der große Wahlgewinner! Und er wird es wieder werden!

Das sehe ich anders. Die Wahlen wurden eindeutig manipuliert. Das Volk wird nicht informiert, da die AKP mindestens 7 Fernsehkanäle und 8 Tageszeitungen überprüft. Die Türkei liegt auf der weltweiten Liste der Pressefreiheit auf Platz 154. Außerdem sitzen in der Türkei die weltweit meisten Journalisten in Haft, erst kürzlich sind über 250 Angeklagte - Angehörige des Militärs, Journalisten, Anwälte, Akademiker - zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Öffentliche Kritik an Erdogan gibt es also nur sehr selten und beschränkt und das türkische Volk, das ja gerade auf den ländlichen Gebieten einen schlechten Bildungsstand hat, kauft Erdogan praktisch alles ab, was er ihnen erzählt. Die Wähler werden bestochen, in Anatolien beispielsweise leben viele Aleviten, die ja in der Regel Kemalisten sind - jedoch wurden ihnen sichere Arbeitsplätze versprochen, wenn sie die AKP wählen. Klar, für uns mag das seltsam klingen, aber für die Leute dort ist das so etwas wie eine Lebensgrundlage... So kam es sogar selbst in der Provinz Tunceli (die fast ausschließlich aus Aleviten besteht) erstmals zu einem deutlichen AKP-Sieg. Die Wahlen liefen also keineswegs sauber ab, wie man auch an den Wahlbeteiligungen von über 100% in einigen Provinzen sowie einem Stromausfall in Ankara und weiteren Städten während den Auszählungen (die dann im Kerzenlicht weitergeführt wurden) erkennen konnte. Oppositionsstimmen wurden verbrannt im Müll und in Toiletten aufgefunden.

Es steht längst nicht mehr der Großteil der Türken hinter Erdogan. Unter normalen Umständen hätte wohl die CHP die letzte Wahl gewonnen (übrigens gibt es in der Türkei ja auch keine Koalitionsfreiheit, die CHP hat also nicht die Möglichkeit, beispielsweise mit der kurdischen BDP zu koalieren, um so gegen die AKP anzukämpfen). Machen wir uns also nichts vor, in der Türkei herrscht eine lupenreine Autokratie. Natürlich besteht nicht das ganze Land aus aufgeschlossenen, gebildeten und westlich eingestellten Menschen, so wie es sich einige wünschen und klar hat Erdogan seine fanatischen Befürworter, da hast du schon völlig recht. Aber auch konservative Türken haben langsam die Schnauze voll von ihm, was ja auch kein Wunder ist, nach all dem, was er sich geleistet hat.

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@Locoloco77

Das heißt also, weil z.B. die CDU in Deutschland Wirtschaftserfolge zu verzeichnen hat (jedenfalls konnte sie das die meisten glauben machen), hat sie die Wähler bestochen und die Wahl manipuliert. Eigentlich hätte die Linke gewonnen! Die Wähler wurden ja nur durch eine einseitige Presse davon abgehalten. Wieviele "verdrehte" Darstellungen soll ich noch konstruieren? Ich bin kein Erdogan-Fan, ich finde es nur komisch, wenn Berluskoni in Italien gewinnt, sind die Wahlen manipuliert, gewinnt die Linke, sind die Wahlen endlich demokratisch. Da schaut doch die blinde Parteilichkeit aus allen Löschern!

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@berkersheim
Das heißt also, weil z.B. die CDU in Deutschland Wirtschaftserfolge zu verzeichnen hat (jedenfalls konnte sie das die meisten glauben machen), hat sie die Wähler bestochen und die Wahl manipuliert. Eigentlich hätte die Linke gewonnen! Die Wähler wurden ja nur durch eine einseitige Presse davon abgehalten. Wieviele "verdrehte" Darstellungen soll ich noch konstruieren?

Nein, man kann die Türkei ja eben nicht mit Deutschland vergleichen. Wie ich schon schrieb, sind die Bedingungen da schon echt extrem, das was wir hier als "manipulierende Medien" bezeichnen ist ein Pups gegen die Zensur, die es in der Türkei gibt. Und die Bestechungen sind schon wirklich konkret, so in Kreml-Manier.

Ich kann deinen Standpunkt schon auf jeden Fall verstehen, es gibt genug von diesen Menschen, die sich ihre Wahrheit so drehen wie sie sie gerne hätten und ihr westliches Weltbild für universell richtig halten und jeder der das nicht findet, zurückgeblieben und dumm ist. Aber du kannst mir schon glauben, ich habe engen Kontakt über Familie und Freundeskreis in die Türkei, Erdogan betreibt eine Autokratie und seinen Machterhalt hat er nicht durch demokratische Wahlen.

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@Locoloco77

Zustimmung und gut, dass wir über all das gesprochen haben. Es zeigt sich, wie irreführend ein sich die Wirklichkeit auf ein Wunschideal hin zurechtbiegen sein kann. Eine "ideale Demokratie" gibt es doch nirgends, nicht mal in den USA, wo mächtige Spender viel Einfluss haben, auch nicht in Deutschland, wo schwammige moralische Kriterien die Meinungen beugen und es braucht die Wachsamkeit der Bürger, wohin die labile demokratische Bewegung abzugleiten droht. Siehe jetzt die Europa-Wahl: Eine Farce! Auf die momentan wirksamsten mächtigsten Institutionen EZB und ESM haben die Bürger überhaupt keinen Einfluss und auf die Eurobürokratie mit ihren unsinnigen Reglementierungen (gerade Bananen, damit ALDI mehr in die Kisten bekommt!) auch nicht. Und von den scheinbar zur Wahl stehenden Kandidaten kommt schlussendlich im Kompromiss der Regierungschefs evtl. keiner zum Zuge. Und was hat sich dazu unsere "freie" Presse so aufgeblasen und alle als "rechts" in die Ecke gestellt, die das zu hinterfragen wagten. Demokratie ist eine labile Kiste.

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Er würde es eindeutig nich einsehen , da die demokratie in der türkei im moment eine absolute katastrophe durch den ministerpräsident ist.. pressefreiheit ist auf keinem fall vorhanden da youtube oder twitter u.ä in diesem land nicht mehr erlaubt sind.. außerdem werden menschen getötet die gegen die demokratie in diesem land sind. Und dann heißt es natürlich anders.. man darf keine kinder abtreibem auch wenn du z.b vergewaltigt wurdest.. das alles ist keine freiheit . Außerddm darf man nach 10 uhr abends kein alkohol trinken

John Locke besteht auf die Freiheit und Gleichheit jedes einzelnen Menschen

Wobei Locke mit "Mensch" dann wohl etwas anderes meint als wir heute. Er war zwar seiner Zeit darin voraus, dass er interreligiöse Toleranz und die Gleichheit von Mann und Frau forderte. Allerdings unternahm er auch Versuche, Sklaverei zu legitimieren, wollte Atheisten die von dir genannten Rechte verweigern und trat meines Wissens nach auch nicht als Gegner der Kolonisation auf.

Insofern kann man sagen, dass "Mensch" bei ihm etwas anderes bedeutet als bei uns. Wenn wir "Mensch" sagen, meinen wir einen Angehörigen der Art homo sapiens. Wenn Locke "Mensch" sagte bzw. schrieb, meinte er damit eher einen gläubigen Weißen, der kein Sklave war.

Insofern hätte Locke wahrscheinlich auf die Türkei weniger geschockt reagiert als wir. Gestört hätte ihn aber trotzdem vieles dort, z.B. die mangelnde Toleranz gegenüber nicht-muslimischen Gläubigen, die Diskriminierung von Frauen und Minderheiten, die Einschränkung der Pressefreiheit.

Und er hätte sich wohl auch am Vorgehen gegen Atheisten gestört: Locke hätte ein radikaleres gefordert.

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die deutsche presse oder besser gesagt ganz europa versucht seid jahren die türkei schlecht zu machen. un das mit der diskrimminierung der frauen und minderheiten stimmt überhaupt nicht. das deutsche fernsehen versucht allen eine gehirnwäsche zu verpassen und so zu tun als ob die türkei schlecht wäre. damit will man nur den islam negativ darstellen.

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