Was wollte die Sowjetunion genau?

8 Antworten

1) Die Sowjetunion war ein Produkt des Sieges der "Roten Arbeiter- und Bauernarmee" gegen die sogenannte "Weiße Armee" im Russischen Bürgerkrieg. Dabei gehörte die Weiße Armee dem Zaren, es handelte es sich um die reguläre Armee des Russischen Imperiums, welche von diversen anderen Ländern (USA...) unterstützt wurde und der auf sich allein gestellten Roten Armee gegenüberstand. Wladimir Lenin und der von ihm geführten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (später Kommunistische Partei der Sowjetunion, heute Kommunistische Partei der Russischen Föderation) gelang es, den Russen klar zu machen, dass sie nach Freiheit und Gleichheit streben mussten und kein Eigentum des Adels waren, sich die katastrophischen Verhältnisse und die Unterdrückung nicht länger gefallen lassen mussten. Die Hauptstadt Sankt Petersburg fiel und mit ihr das Imperium, die Große Sozialistische Oktoberrevolution begann, aus welcher der erste sozialistische Staat der Welt resultierte.

2) Von ihrer Gründung bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte die Sowjetunion immer mehr globale Macht, welche die Geschichte bis dahin noch nie gesehen hatte. 1980 lebte mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in sowjetischen Satellitenstaaten. Dies führte zu einer gewissen Paralyse der Macht, es ging nicht mehr darum, Menschen zu befreien, sondern Macht zu besitzen. Das ging auch an der Bevölkerung und selbst am Politbüro nicht vorbei. Als Michail Gorbatschow an die Macht kam, demokratisierte er die Sowjetunion, welche sich dadurch anschließend selbst abschaffte, wie es die DDR getan hatte. Die 15 ehemaligen Sowjetrepubliken wurden jeweils unabhängig.

3) Heute, über 25 Jahre später, ist offensichtlich geworden, dass keine der 14 anderen ehemaligen Sowjetrepubliken ohne Russland auch nur ansatzweise überlebensfähig ist, der Unionsvertrag hatte diese Länder daran gewöhnt, Russland regelrecht zu melken - Russland entwickelte sich weiter und alle Länder, die nach immer mehr Unabhängigkeit strebten, verarmten. Bis auf die baltischen Staaten, welche stalinistische Eroberungen waren und aktuell die Ukraine, werden in den ehemaligen Sowjetrepubliken daher die Reintegrationsrufe immer lauter. Auch andere Länder wollen zunehmen von dem Vorteil Gebrauch machen, sich mit Russland als militärischer Weltmacht zu integrieren. Die Krim ist der Anfang von einer unglaublichen Welle. China, Indien, Russland und diverse ehemalige Sowjetrepubliken wollen eine Währungsunion eingehen (=gleiche Währung), Russland bemüht sich, die Grenzen der Sowjetunion zunehmend wiederherzustellen, in Weißrussland und Kasachstan werden die Regierungen solidarisch gehalten, in der Ukraine, wo das nicht geht, greift die eigene Bevölkerung zur Waffe. Eurasien wird weiß-blau-rot - und das Ende ist offen!

Das kann dir keiner wirklich beantworten. Dieses Gebilde ist ja mit der Zeit entstanden, somit war deren Ziel wohl nichts bestimmtes, außer dem Machterhalt und die weitere Existenz der Sowjetunion.

Man muss sich gut damit befassen 

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Um es kurz zu machen: Die Ausbreitung und weltweite Durchsetzung des Sozialismus gegen den Kapitalismus. Lässt sich also mit der Welterrschaft vergleichen, allerdings war es nicht das Ziel, dass von Moskau aus die ganze Welt regiert würde.

Die Frage kann man wohl nur halbwegs anständig beantworten, wenn man sich verschiedene Ebenen anschaut:

Auf der ideellen Ebene war die Sowjetunion das supranationale - also überstaatliche Begleitwerk dessen, was nach der marxistischen Ideologie die "Weltrevolution" sein sollte, also der historische Prozess, in dem die Arbeiterklasse sich zur neuen herrschenden Klasse erheben und in der Folgezeit sämtliche Instrumente der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft (einschließlich des Nationalstaats) zugunsten einer neuen Gesellschaftsordnung überflüssig machen sollte: den Kommunismus.

Soweit kam es aber nie. Dafür gibt es allerdings unzählige Gründe, von denen ich hier nur ein paar aufzählen und nur im Ansatz erläutern kann:

1. Die Proletarier sind keine "revolutionären Subjekte". Und das haben sie im Laufe des 20. Jahrhunderts unzählige Male unter Beweis gestellt. Damit ist ein Kommunismus, wie ihn sich Marx und Engels vorgestellt haben, jeglicher Basis beraubt.

2. Alle Staaten, die versucht haben, den Weg zum Kommunismus zu beschreiten, sind solche gewesen, die nach Marx nicht dazu bereit gewesen sind: der dachte nämlich an voll entwickelte Industriestaaten (vor allem an Deutschland) und keine semi- oder garnicht industrialisierten Staaten wie Russland, China oder Vietnam.

3. Eine wesentliche Losung des Sozialismus/Kommunismus lautet: Die Arbeiter haben kein Vaterland. Allerdings haben alle sozialistischen Bewegungen - und nicht zuletzt die der Sowjets - trotz aller Lippenbekenntnisse zum proletarischen Internationalismus - immer extrem auf den Nationalismus der entsprechenden Gruppen gesetzt. Mit solch einer reaktionären Ideologie lässt sich nun mal keine Weltrevolution machen.

4. Spätestens seit Stalin hat man geglaubt, die Weltrevolution oder der Kommunismus ließen sich - ich hatte es oben schon angedeutet - im Rahmen von Staaten vollziehen, die Instrumente der bürgerlichen Gesellschaft sind. Spätestens dann, als man die Revolution im eigenen Land für beendet erklärt hatte, war Sowjetrussland - und damit alle von ihm abhängigen Satellitstaaten nichts anderes, als gewöhnliche totalitäre Staaten, die die von ihnen ausgehende Barbarei unter dem Deckmantel einer Ideologie betrieben, mit der sie nur dem Namen nach etwas gemein hatten.

Spätestens der zweite Weltkrieg und die Shoah haben gezeigt, dass - bevor man sich irgendwelchen idealistischen Heilsversprechen zuwenden kann - es vor allem darum sich zu kümmern gilt, dass der Rückfall in die Barbarei unmöglich wird.

in 2-3 Sätzen vllt mal die Fragestellung lesen

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@LukDill02

Es gibt Dinge, die lassen sich nicht in 2-3 Sätzen erklären, ohne dass man sie so vereinfacht, dass sie einfach nicht mehr stimmen.

Selbst was ich geschrieben habe, berührt nur wenige Punkte - und das auch nur zum Teil.

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1.Dem ist nicht so. Revolutionäre Subjekte sind nicht Voraussetzung für den Kommunismus. Die technologische Entwicklung, die den totalen Überfluss ermöglicht und die Erziehung eines selbstlosen Menschen sind Voraussetzungen. Offensichtlich ist das erstere schwer erreichbar bei der explodierenden Überbevölkerung. Das zweitere wird ja nicht nur nicht gefördert sondern von den Mächtigen im jetzigen System regelrecht bekämpft.

2.Auch wieder falsch. Die Sowjetunion hat in kürzester Zeit die Wirtschaftsentwicklung durchgemacht, die sie durchaus zu einem nach Marx würdigen Kandidaten machten. Das war also auch definitiv nicht der springende Punkt.

3.Und wieder nicht richtig. Nationalismus gb es nicht nur in den meisten sozialistischen Ländern sondern er wurde auch sehr effektiv bekämoft. Das waren keine Lippenbekenntnisse. Solche Sonderfälle wie Vietnam kann man aussenvor lassen.

4.Du hast kaum eine Vorstellung von Stalins Vorstellungen über Kommunismus.

 als gewöhnliche totalitäre Staaten, die die von ihnen ausgehende Barbarei unter dem Deckmantel einer Ideologie betrieben, mit der sie nur dem Namen nach etwas gemein hatten.

Lach! Was hast du denn zu der Barberei der westlichen Wertestaaten zu sagen, die unter den noch dreckigeren Deckmantel ihrer Ideologie Raub und Mord auf der Welt betreiben?

Stalin hat sehr wohl die Weltrevolutionäre eingesperrt. Aber Barberei ist sehr zutreffend für das was diese Leute vorhatten.

dass der Rückfall in die Barbarei unmöglich wird.

Du lebst in der Barberei und bist nie rausgekommen. Das zu akzeptieren wäre wohl die allererste Voraussetzung um isich überhaupt damit auseinanderzusetzen was die Gesellschaft ist und wohin es mit ihr gehen kann.

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@JBEZorg

1. Der Kommunismus selber nicht. Der braucht im weitesten Sinne aufgeklärte Subjekte. Aber eine Revolution braucht revolutionäre
Subjekte. Und wenn man den Kommunismus per Revolution „eingeführt“ sehen will, dann wird aus dem ohne revolutionäre Subjekte nichts.


2. Das hab ich mir nicht ausgedacht, sondern das ist die Prämisse
von Marx und Engels. Ich bin grade nicht zu Hause und kann das leider nicht gegenchecken, aber in einer Ausgabe des Manifests der
Kommunistischen Partei sagt Marx auch explizit, dass Russland da noch nicht soweit gewesen sei. Grundsätzlich braucht eine proletarische Revolution nach Marx eben auch ein Proletariat, das ein voll ausgebildetes Klassenbewusstsein hat – ein Staat der zu einem so großen Teil landwirtschaftlich geprägt war, wie das zaristische
Russland, dem fehlte die wesentliche Grundlage für eine Proletarische Revolution. Und eine Industrialisierung im
Schnellverfahren und vor allem durch eine sozialistische
Administration - durchzuführen, wie es in Russland (und später noch
verkorkster in China), entzieht dem Kommunismus nach Marx jede
Grundlage.


3. Du magst das anders sehen, aber ich halte den Kampf gegen den
Nationalismus – besonders in der Sowjetunion – für ein
Lippenbekenntnis. Nicht nur hat man versucht, sozialistisch verbrämte Versionen des Nationalgeistes, für die eigene Sache dienstbar zu machen und hat damit erlaubt reaktionäres Gedankengut einziehen zu lassen – man hat auch versucht „nicht sozialistische“ Versionen des Internationalismus als „Kosmopolitismus“ ab zu tun und ihn nur an solchen Stellen als Instrument bürgerlicher Ideologie kritisiert.


4. Frag dazu mal Lenin. Ich würde nie abstreiten, dass sich im
Rahmen der westlichen Staaten keine barbarische Politik und
Gesellschaftsverhältnisse etabliert haben können. Aber wenn man den Anspruch hat, eine emanzipatorische Ideologie zu sein (und diesen Anspruch sollte der Kommunismus haben), reicht es halt nicht wenn „die anderen das auch so machen.“


Ich sprach bei der Barbarei nach der im Sinne der Kritischen Theorie. Mir vorzuwerfen, ich würde in dieser Barbarei leben, finde ich ganz schon frech. Natürlich ist mir bewusst, dass ich in einer Welt/einer Gesellschaft lebe, in der der Rückfall jederzeit möglich sein kann, weil die objektiven (heißt) gesellschaftlichen Umstände, die diesen Rückfall zeitigten, keinesfalls behoben sind.


Worum es beim „Rückfall in die Barbarei“ geht, ist der Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus, dessen Wiederholung es

zu verhindern gilt. Im Sinne von Adornos kategorischen Imperativ ist
die Welt als eine einzurichten, dass sie ein Mindestmaß an Zivilisation erreicht hat – eines, das mit allen Mitteln zu verteidigen ist.

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Sie wollte die Weltherrschaft, alle Menschen sollten gleich sein, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen sollte abgeschafft werden. Die geistige Vorarbeit hatten Karl Marx und Friedrich Engels geleistet.

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