Was wollen die Evolutionstheorie und die Schöpfungstheologie jeweils erreichen - und was nicht?

14 Antworten

Hallo thegolden,

ich finde, dieser Text, den der Biologe Peter Hess zur Evolution geschrieben hat, beantwortet Deine Frage sehr gut:

http://ncse.com/religion/god-evolution

"In fact, the "creation or evolution" dichotomy is needless and false, based upon a category mistake. (...) Like color and shape, "creation" and "evolution" do not occupy competing categories, but are complementary ways of looking at the universe. "Creation" is a philosophical concept: it is the belief that the universe depends for its existence upon something or some being outside itself. As a philosophical term, "creation" is an empirically untestable belief that makes no claims about how or when the world came to be, or even whether creation was a determinate "act" or an event in time.

By contrast, "evolution" is in the scientific category. It is a statement about physical reality, not a metaphysical claim. Evolution, in its most general sense, is the inference that the universe has changed over time - that stars and galaxies and planets and living things on Earth are different now than they were in the past. In biology, evolution is the principle that all life is related through descent with modification from common ancestors. Science is the process of explaining phenomena by testing explanations against the natural world. The important element is testing, rather than accepting an explanation based on authority or personal preference."

Ich übersetze das mal:

"Tatsächlich ist der Zwiespalt "Schöpfung oder Evolution" unnötig und falsch, denn er entsteht erst durch einen Kategorienfehler. (...): Wie Farbe und Form stammen "Schöpfung" und "Evolution" nicht aus konkurrierenden Vostellungen, sondern sind sich ergänzende Wege, das Universum zu betrachten. "Schöpfung" ist ein philosophisches Konzept. Es ist die Überzeugung, dass das Universum seine Existenz etwas oder jemandem zu verdanken hat, das nicht Teil des Universums ist. Als philosophischer Begriff kann "Schöpfung" nicht experimentell überprüft werden und macht auch keinerlei Aussagen darüber, wie oder wann die Welt entstand, ja nicht einmal darüber, ob die "Schöpfung" ein konkreter Akt oder ein zeitliches Ereignis war.

Im Gegensatz dazu, ist "Evolution" ein naturwissenschaftlicher Begriff. Es ist also eine Aussage über die physische Realität, nicht eine metaphysische Vorstellung. Evolution ist im Allgemeinen die Schlussfolgerung, dass das Universum sich mit der Zeit verändert hat - dass Sterne, Galaxien und Planeten und auch die Lebewesen auf der Erde heute anders sind als in der Vergangenheit. In der Biologie ist Evolution das Prinzip, dass alles Leben miteinander verwandt ist und über einen Prozess der Modifikation von gemeinsamen Vorfahren abstammt. Naturwissenschaft ist der Prozess, beobachtete Phänomene zu erklären, indem man Erklärungen degen die Natur testet. Das wichtige Element hierbei ist das Testen, das den Vorzug bekommt gegenüber Erklärungen, die allein auf Autorität oder persönlichen Vorlieben beruhen."

Oder um es noch einmal anders zu formulieren:

Eine religiöse Aussage ist immer eine Deutung der Welt aus der Sicht der persönlichen Glaubensüberzeugung heraus. Eine religiöse Aussage fragt also nicht nach den in der Natur tatsächlich ablaufenden Prozessen, sondern sie deutet die Welt aus dem Blickwinkel der religiösen Überzeugung heraus.

Der Naturwissenschaftler dagegen fragt tatsächlich nach den in der Welt ablaufenden Prozessen. Er fragt danach, was passiert und wie die Ereignisse kausal zusammenhängen. Er überprüft seine Aussagen im Experiment - und kann entsprechend auch keine Aussagen machen über nicht gesetzmäßig ablaufende Prozesse oder Transzendentes.

Der Naturwissenschaftler wird also sagen, dass die Welt nicht so entstanden ist, wie wörtlich in der Bibel (oder anderen religiösen Büchern) wörtlich beschrieben. Doch im religiösen Sinne geht es eben auch gar nicht um das "wie". Es geht um das philosophische Konzept, das Dasein als gottgewollt zu deuten.

Naturwissenschaft fragt ganz allgemein nicht nach der Existenz Gottes. Ebensowenig beantwortet Naturwissenschaft die Fragen nach dem Sinn der Natur. Naturwissenschaft beschreibt und erklärt.  Sie schließt Transzendentes nicht aus, geht aber davon aus, dass wir die Natur ohne Rückgriffe auf Übernatürliches erklären können.

Und das ganz allgemein, nicht nur beim Thema Evolution. Das ist bei der Newtonschen Mechanik nicht anders. Vor Newton dachte man auch, dass es Engel wären, die die Planeten auf ihrer Sphäre bewegen würden. Dass diese Vorstellung heute verschwunden ist, das regt nicht einmal mehr Kreationisten auf.

Grüße

Die angeführte Person soll doch Peter M.J.Hess sein oder ?.

Diese Person ist kein Biologe sondern hat seinen Abschluß in Philosphie und Theologie. Ich würde ihn als Vertreter  von ID bezeichnen.

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@arevo

Uuups. Danke für die Korrektur mit dem Abschluss.

Aber nein, ID ist er sicher nicht. Das ncse ist eine wissenschaftliche Quelle

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Wenn man die Natur betrachtet, staunt man darüber, wie enorm vielfältig sie ist. Dafür sucht der Mensch, das ist seine Eigenart, eine Erklärung.

In der Antike ist den Menschen als einzige Erklärung das Wirken von Göttern eingefallen, irgend eine andere Erklärung hatten sie nicht. Dass diese Erklärung etwas mit der Realität zu tun haben soll, konnte bislang aber kein einziges Mal belegt oder bewiesen werden. Daher ist das ein menschliches Fantasieprodukt ohne weiteren Wert.

In der Moderne wurden die Naturwissenschaften geschaffen, die zuerst die Natur beobachten und erst dann daraus Theorien entwickeln. Anschließend müssen naturwissenschaftliche Theorien durch Messungen oder Beobachtungen beweisen, dass sie die Realität korrekt wiedergeben. Genau das ist mit der ET schon tausende Male geschehen und alle Überprüfungen haben sie bisher bestätigt. Eine der ET widersprechende Beobachtung wurde bislang nicht gemacht.

Das ist wieder mal eine von den Fragen, die Diskussionen in Gang setzt, welche unweigerlich im Giftspucken enden.

Es gibt viele solcher Reizthemen, wie z.B. Windows contra Apple, Einzelhaltung bei Katzen contra zwei Katzen, positive Einstellung gegenüber Flüchtlingen contra dumpfem Gebrüll von Neonazis incl. Mitläufern, kritische contra unkritische Einstellung gegenüber übertriebenem Genderwahnsinn, Akzeptanz von Homosexualität als einer von vielen Lebensgemeinschaftsformen contra Homophobie, Schulmedizin contra Bachblüten, Kügelchen, Rosenquarz und ähnlichem Hokuspokus usw.

Solche Themen locken unwiderstehlich alle die Antwortgeber an, die glauben, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein. Die Lektüre der Beiträge bringt einen deshalb in den seltensten Fällen weiter, weil es oft garnicht um Fakten geht sondern nur um Selbstbehauptung.

Ich bin jedoch überzeugt, dass es für die Evolutionstheorie mittlerweile so zahlreiche Beweise gibt, dass jemand nicht unbedingt ein Rechthaber sein muss, um in diesem Fall zu wissen, wie er sich zu entscheiden hat.

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