Was weiß man überhaupt?

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7 Antworten

Zwei Betrachtungsweisen.

Betrachtungsweise 1. Aus Sicht der Logik. Die Äußerung ist

A :≣ W(ich,¬∃p.W(ich,p))

wobei der Quantor über Propositionen läuft. Es gibt (klassisch behandelt) zwei  Möglichkeiten.

Bezeichne zuerst

φ :≣ ¬∃p.W(ich,p)

Fall 1. A sei wahr. Dann gilt W(ich, φ). Nun, Wissen muss wahr sein (unter einer üblichen Definition von „Wissen“—im Gegensatz zu „Meinung/Überzeugung“). Darum ist φ wahr. Also gibt es keine Proposition, ψ, so dass W(ich,ψ). Aber dies ist ein Widerspruch zur Fallvoraussetzung. Darum ist dieser Fall unmöglich.

Fall 2. A sei nicht wahr. Dann ist es nicht der Fall, dass ich φ weiß. Nun, da ich in der Lage bin dieses Argumentes (das heißt, Fall 1+Fall 2) durchzuführen, weiß ich all das hier. Das heißt, ich weiß, dass es nicht der Fall ist, dass ich φ weiß. Darüber hinaus weiß ich dies, und ich weiß, dass ich dies weiß, usw. Darum gilt

W(ich,¬W(ich,¬∃p.W(ich,p)))
W(ich,W(ich,¬W(ich,¬∃p.W(ich,p))))
W(ich,W(ich,W(ich,¬W(ich,¬∃p.W(ich,p)))))
W(ich,W(ich,W(ich,W(ich,¬W(ich,¬∃p.W(ich,p))))))
.
.
.

Sprich, ich weiß eine unendliche Menge (nutzloser Informationen!).

Betrachtungsweise 2. Aus Sicht der Sprachwissenschaft. Der Begriff weiß wird hier zweifach verwendet. Erstens absolut, dann beschränkt.

Ich weiß (=überhaupt), dass
ich nichts (in einem bestimmten Gebiet) weiß.

Darüber hinaus ist mit nichts nicht absolut nichts gemeint, sondern „so gut wie nichts“ oder „kaum etwas“. Ich glaube, dem Kontext lässt sich erschließen, dass es darum geht, dass man, je mehr man über (sagen wir mal) Physik lernt, desto mehr gewinnt man den Eindruck, dass man eigentlich im Verhältnis zu dem ganzen Wissen, was es über dieses Gebiet gibt, kaum davon im Besitz ist.

Das sind Inferenzen und je nach Kontext kann man die Aussage anders interpretieren.

Man weiss, dass man nichts mit Sicherheit weiss.

Man weiss, dass unser "Wissen" bloss Erfahrungen und Annahmen zugrunde liegt, doch das ist zu wenig um sich drauf zu verlassen.

Beim Spruch "Ich weiß, dass ich nichts weiß" geht es eher um das in Relation zum gesamten Wissen sehr geringe Wissen eines Individuums.

Jake0000 hat die Frage schon richtig beantwortet.

Man weiß natürlich etwas, jeder Mensch weiß i-was. Ob das Wissen nützlich ist, sei dahin gestellt. Allerdings kann man auf der Welt so viel lernen und man kann schon allein für jedes Studienfach sein Leben lang lernen. Im Endeffekt ist so viel Wissen auf der Erde, dass ein Mensch das nicht alles wissen kann.

Diejenigen, die den Spruch sagen, sind sehr intelligent. Sie sagen nicht, dass sie intelligent sind, sondern bezeichnen sich fast schon als "dumm", weil sie nur einen Tropfen von dem ganzen Wissen auf der Erde kennen :) Ich mag den Spruch (und auch Einstein wie er auf deinem Profilbild ist).


Satiharu 07.10.2016, 07:15

Und woher weiss man? Durch Erfahrung? Durch Intuition? Kann ich wirklich etwas zu 100% wahrnehmen ausserhalb meiner Selbst?

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TheTrueSherlock 07.10.2016, 12:47
@Satiharu

Du lernst durch Erfahrungs, durchs Ausprobieren, durchs Beobachten, wenn es dir jemand beibringt ;)
Sich selbst richtig wahrzunehmen, sehe ich als größte Herausforderung an.

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Satiharu 07.10.2016, 19:54
@TheTrueSherlock

Das glaube ich nicht. Das ist eine Scheinwelt. Interpretiert durch unsere ungenauen Sinne und unserer Art sich schnell an etwas zu gewöhnen. Richtig wahrnehmen kann ich nur mich selbst. (:

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TheTrueSherlock 07.10.2016, 20:09
@Satiharu

Es gibt kein richtig oder falsch bei der Wahrnehmung. Manche Lebewesen sehen 3D, andere 2D. Blinde hören nur. Wir nehmen alle unterschiedlich die Welt wahr. Deshalb gibt es kein richtig oder falsch bei der Wahrnehmung.

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damit meint man das man weiss was man eben nicht weiss ich weis um beispiel das ich nicht weiss wer als nächster präsident in den u.s.a gewählt wird.

das ist ein Spruch von Sokrates... steht für geballtes Wissen, wenn man so0gar erkennt, dass man nichts weiß ;)

das ist ein Paradoxon

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