Was waren Gründe für die Leute damals Adenauer zu wählen?

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Mein Vater war glühender Adenauer-Verehrer. Warum? "Er ist ein schlauer Fuchs, erfahren und in diesem Alter (immerhin mit 73 Jahren zum ersten Mal gewählt und 14 Jahre Kanzler gewesen!) äußerst leistungsfähig. Keiner kann ihm das Wasser reichen." sagte er immer. Wenn in vorhergehenden Antworten betont wurde, dass der Bundestag und nicht das Volk den Kanzler wähle, so muss dazu gesagt werden, dass die CDU ohne Adenauer niemals so viele Stimmen bekommen hätte wie das mit ihm und durch ihn der Fall war. 1953 erhielt sie sogar 45% der abgegebenen Stimmen und hatte dadurch im Parlament 244 der 487 Mandate, also die absolute Mehrheit. Die außerordentliche Beliebtheit dieses Mannes zeigte sich nicht nur im Innern bei Leuten wie meinem Vater, sondern auch im Ausland. Unzählige Doktorhüte von Universitäten, vor allem in den USA, wurden ihm verliehen. Auch das strahlte zurück auf die hohe Meinung, die man von ihm hatte und steigerte diese noch. Die unzähligen Erfolge, die er errungen hat, seien nur kurz erwähnt. Du kannst dazu ja bei Wikipedia oder in einer Adenauer-Biografie nachlesen: - schon vor seiner Zeit als Kanzler schaffte er es, die vielen Gruppierungen innerhalb der verschiedenen CDU- Verbände der einzelnen Zonen zusammen zu bringen, was vielerlei Kämpfe hinter den Kulissen, aber auch in der Öffentlichkeit bedurfte. - Präsident des Parlamentarischen Rates. Als solcher war er maßgeblich an der Schaffung des Grundgesetzes beteiligt. Welche Leistung allein das war, sehen wir bis heute, wenn "unsere Werte des Grundgesetzes" immer wieder betont werden. - Sein erster politischer Triumph nach seiner Wahl zum Kanhzler: das Petersberger Abkommen. Adenauer stellt sich den Alliierten, die der Bundesrepublik jede außenpolitische Betätigung zunächst untersagt hatten, entgegen und trotzt ihnen eine Demontagestopp ab. Das war für die westdeutsche Industrie enorm wichtig und damit auch für die Arbeitsplätze. Außerdem erhielt die Bundesrepublik das Recht, konsularische Auslandsvertretungen einzurichten. - Die Schritte im Hinblick auf Europa und die Aussöhnung mit Frankreich, die mit der Montanunion beginnen, die EWG und die deutsch-französische Freundschaft hervorgebracht haben. - Die Staatsbesuche in Rom, England und USA, die zeigten, dass Deutschland wieder geachtet wird. Adenauer konnte dann in Personalunion das Amt des Außenministers zum Kanzleramt zusätzlich führen und 1955 mit den Pariser Verträgen die volle Souveränität der Bundesrepublik erreichen. Dass eine Internationalisierung des Saarlandes der Preis dafür war, wurde durch eine Volksabstimmung im Saarland schnell vergessen gemacht. Die Saarländer entschieden sich für die Bundesrepublik und die Alliierten akzeptierten dieses Ergebnis.( Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag. Diesmal war es meine Mutter, die begeistert sang: "Deutsch ist die Saar..") - Nicht zu vergessen: Die Verhandlungen mit der Sowjetunion 1955, die zur Heimkehr der letzten russischen Kriegsgefangenen führten. Den Leuten war klar: Das haben wir Adenauer zu verdanken. Logisch, dass man ihn dann immer wieder wählte! - Innen- und wirtschaftspolitisch gab's auch eine ganze Reihe Fortschritte: Lastenausgleich für Kriegsverluste, Rentenerhöhungen, Kriegsopferversorgung, Integration der zahlreichen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, Vollbeschäftigung, Wirtschaftswunder... - Gegenüber der "Bedrohung aus dem Osten" fühlte man sich durch die Westbindung sicherer und war sogar bereit, aufzurüsten und die Bundeswehr zu gründen. Wobei hier Adenauer mit erheblichem Widerstand zu kämpfen hatte. Aber eine Kämpfernatur war er eben immer, und das imponierte. Ab 1958 ging's dann allerdings rapide bergab mit Adenauer, aber das ist dann eine andere Frage. Du siehst: Wer als Grund für die häufige Wiederwahl Adenauers nur zu sagen weiß, dass die Nazis rehabilitiert worden seien, der greift viel zu kurz. Vor allem darf man nie vergessen, dass Adenauer selbst ein Opfer der Nazis war und als OB von Köln sich geweigert hatte, Hitler zu empfangen und NS-Fahnen abhängen ließ. Er wurde seines Amtes enthoben und versteckte sich vor den Nazis im Kloster Maria Laach. Allerdings gehörte er nicht zum Verschwörerkreis des 20. Juli 1944. Trotzdem wurde er im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler ins Gefängnis geworfen. Seine Frau wurde (Sippenhaft!) im selben Gefängnis eingesperrt wie er, und so saßen sie am Tage ihrer Silberhochzeit unter einem Dach, ohne von einander zu wissen. Eine Anekdote aus jener Zeit muss ich noch los werden: Der Gefängniswärter bat Adenauer, sich trotz seines Alters (69!) nicht aufzuhängen, auch, wenn er nichts mehr vom Leben zu erwarten habe. "Warum sollte ich das nicht tun?", fragte Adenauer und erhielt zur Antwort, dass dies in letzter Zeit häufiger vorgekommen sei und ihm (dem Wärter) enorme Schwierigkeiten eingebracht habe. Zum Schluss möchte ich nochmals auf meinen Vater zurückkommen: Als Adenauer starb, wollte mein Vater unbedingt die Trauerfeierlichkeiten am Fernseher verfolgen. Da wir aber keinen hatte, musste schnell einer her, und ich begleitete meinen Vater zum Elektriker. Unterwegs sagte ich: "Muss der arme Adenauer sterben, damit wir endlich einen Fernseher bekommen." Damit aber Schluss. Nur noch eine Bemerkung: Ich habe mich später viel mit Adenauer beschäftigt, und die Haltung meines Vaters hat offensichtliich auf mich abgefärbt. Vielleicht geht Dir's auch so, wenn Du Dich intensiv mit dieser großen Persönlichkeit unserer Geschichte beschäftigst. Ich finde, wie immer man zu ihm steht, Adenauer fasziniert und lässt einen nicht so schnell los.Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen weiteren Recherchen.

Adenauer war ein erfahrener Politiker der katholischen Zentrumspartei und Oberbürgermeister von Köln. Er wurde von den Nazis seines Amtes enthoben und inhaftiert.

Beides machten ihn nach dem Krieg zu einem idealen Kanzler, erfahren und kein Nazi. Zudem schaffte er mit der Gründung der CDU als christliche, nicht nur katholische Partei auch die evangelischen Christen zu gewinnen.

Seine Politik der Aussöhnung mit Frankreich und die Bindung an den Westen war der Bevölkerung lieber als gesamtdeutsche Experimente oder sozialistische Planwirtschaft. Die wirtschaftlichen Erfolge der jungen Bundesrepublik sicherten seine Wiederwahlen.

Gegen ihn hatte die SPD unter Führung von Ollenhauer keine Chance. Ich erinnere mich an zwei Wahlplakate der CDU:

1) Mit Planwirtschaft von Ollenhauer wird Milch bereits im Euter sauer.

2) Alle Wege des Sozialismus (damit war die SPD gemeint) führen nach Moskau.

Eines noch: Es gelang ihm die deutschen Kriegsgefangenen aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zu befreien. Da war für die deutsche Bevölkerung enorm wichtig, bei den Betroffenen lebensnotwendig.

der bundeskanzler wird in deutschland vom bundestag und nicht von der Bevölkerung gewählt, jedenfalls nicht nmittelbar. Die bürger wählen parteien.

innenpolitisch stad Adenauer für eine Politik des Vergessens und des "schwamm drübers" bezüglich der Vertrickungen vieler deutscher in die naziherrschaft. Das fanden viele Mitläufer vermutlich angenehm..

Außenpolitisch stand er für strammen Antikommunismus nd eine enge Anbindung der bundesrepublik an den Westen und die USA sowie für die Aussöhnung mit frankreich und die etablierung europas als heimstätte des friedens und einer nichtmilitärischen konfliktregulation...

Die SPD z.B. hatte den Wahlspruch "Nie wieder Krieg". Aber der war ja vorbei. Die CDU "Wohlstand für alle". Das kam nach den bittern Kriegsjahren natürlich an. Das ist zwar sehr verkürzt, aber Adenauer hatte schon vor der BILD-Zeitung erkannt, dass mit Schlagworten und Versprechungen die einfachen Leute am besten zu ködern sind. - "Brot und Spiele", bei den nächsten Wahlen noch das Versprechen "Sicherheit" dazu, so gewinnt man Wahlen.

Er war ein Symbol für Stabilität und Beständigkeit.

Das war den Menschen damals wichtig.

Und seine rheinländische Heiterkeit kam sicherlich auch gut an.

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