Was waren die sozialistischen Ideen von Marx und Engels?

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2 Antworten

Marx und Engels hatten keine "Ideen" - Ideen sind vollkommen willkürliche, beliebig austauschbare Vorstellungen, die genauso gut in einem Vakuum existieren könnten. Das trifft auf den Kommunismus nicht zu und erst recht nicht auf den Marxismus. Die politische Ideologie von Marx und Engels hatte eine sehr praktische Bedeutung - zwar auch wie jede andere Ideologie, aber der Kommunismus spricht es offen aus und betont es nochmal. Das heißt, auch Ideen verfolgen genau genommen einen Zweck, aber oft nicht den, den sie anstreben. Zum Beispiel kann man den Anarchokapitalismus oder den Wunsch nach Laissez-Faire-Märkten als Idee bezeichnen. Um kurz des Teufels Advokat zu spielen, selbst unter der Voraussetzung, dass komplett freie Märkte Effizienz und Wohlstand perfektionieren würden, bliebe die Verteidigung dieser genau das - eine Verteidigung. Wir haben nicht aus rein ideologischen Gründen keinen Laissez-Faire-Kapitalismus, sondern da spielen historische und gesellschaftliche Faktoren eine maßgebliche Rolle. Wer also für den Anarchokapitalismus eintritt, stellt positive Forderungen auf, die von der realen, weltlichen Dimension getrennt sind. Das bewirkt nicht etwa schrittweise die "Einführung" einer anarchokapitalistischen Ordnung, sondern das hat eher negative Folgen: Es versucht alle Bestrebungen zu delegitimieren, bei denen eine staatliche Instanz eine aktive Rolle spielt. Also obwohl der Anarchokapitalist eine Idee im Vakuum hat, nimmt er dadurch eine politische Position in der wirklichen Gesellschaft ein und diese Position spielt eine ganz bestimmte Rolle in den gesellschaftlichen Zusammenhängen.

Kommunisten unterscheiden sich insofern davon, als sie sich ihrer Rolle bewusst sind. Der Kommunismus lässt sich nicht auf die Forderung nach einer klassenlosen Gesellschaft reduzieren. Der Kommunismus entspricht genau der Beschreibung von Marx und Engels: Eine Bewegung, welche den Kapitalismus aufhebt. Und das funktioniert nicht durch Herbeireden einer besseren Gesellschaftsordnung, sondern durch Konflikte in der Derzeitigen, durch rücksichtslose Kritik alles Bestehenden. Würde man sagen, Kommunisten wollen den Kapitalismus durch etwas anderes ersetzen, statt ihm etwas anderes einführen, dann ist das nicht ganz richtig. Es geht darum, den Kapitalismus zu negieren.

Der Begriff "wissenschaftlicher Sozialismus" wurde von Marx und Engels verwendet, um sich von den sogenannten "utopischen Sozialisten" zu distanzieren. Sie kritisierten an diesen, dass sie bloß moralische Kritik am Kapitalismus übten und daher den Sozialismus überhaupt nicht artikulieren konnten. Der Kommunismus war zwar schon eine Bewegung, da die kapitalistische Gesellschaft diese notwendigerweise mit sich bringt, aber er war keine selbstbewusste Bewegung, hat seine gesellschaftliche und historische Bedeutung noch nicht begriffen. Erst mit der Entwicklung des "wissenschaftlichen Sozialismus" oder des Marxismus wurde eine eigene Wissenschaft unzertrennlicher Teil der kommunistischen Ideologie. Der Marxismus lässt sich nicht in wenigen Worten zusammenfassen. Grundsätzlich geht es um eine kritische Analyse der jetzigen Zustände - in welche Klassen spaltet sich die Gesellschaft? Welche Konflikte ergeben sich daraus und wohin führen sie uns (kommunistische Gesellschaft)? Welche Funktion hat der Staat dabei? Mit solchen Fragen haben sich Marx und Engels auseinandergesetzt und zahlreiche Bücher und Schriften dazu verfasst. Das bekannteste und vielleicht sogar anspruchsvollste Werk von Marx, leider unvollendet, ist "Das Kapital", in welchem er die kapitalistische Produktionsweise unter die Lupe nimmt. Die theoretischen Grundlagen des Marxismus sind in Engels "Anti-Dühring" zu finden.

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Nein, das kann man leider ganz schlecht mit "einigen Worten" erklären. Es ist aber schonmal wichtig zu verstehen, dass Marx sich nicht als Philosoph verstanden hat, sondern als Wissenschaftler. Marx hat nicht "den Sozialismus" oder "den Kommunismus" beschrieben, sondern Marx hat den Kapitalismus analysiert.

Zwar ist Marx für den Kommunismus, die herrscher- und klassenlose Gesellschaft, eingetreten, weil sie seiner Auffassung nach die logische Konsequenz aus einer Analyse der kapitalistischen Gesellschaft war - das war aber nicht sein Hauptanliegen und auch nicht der Kern des "Kapital".

Es ging Marx darum, zu verstehen, wie eine kapitalistische Gesellschaft funktioniert, welchen (mathematischen und wirtschaftlichen) Gesetzmäßigkeiten sie folgt und welche Probleme einer solchen Gesellschaft innewohnen.

Das war der Anspruch des "wissenschaftlichen Sozialismus" - keine moralische Bewertung, sondern eine nüchterne wissenschaftliche Analyse. Nicht: "Der Kapitalismus ist böse und muss abgeschafft werden", sondern "der Kapitalismus gehorcht diesen und jenen Gesetzen, und das führt zu XYZ".

Das klingt nach Haarspalterei, ist aber ganz wichtig: Es ging Marx um gesellschaftliche Verhältnisse. Bei Marx ist auch der Kapitalist kein böser Mensch, sondern er unterliegt den Zwängen der kapitalistischen Ordnung und kann innerhalb einer solchen Ordnung nur so handeln, wie er handelt. Er hat keine andere Wahl. Nicht der Kapitalist muss beseitigt werden, sondern die gesellschaftliche Ordnung, die ihn zu seinem Handeln zwingt.

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