Was waren die Gründe (nicht der Auslöser) der Perserkriege?

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2 Antworten

Mit den Perserkriegen sind Kämpfe zwischen dem Perserreich und Griechen von 500 v. Chr. bis etwa Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. gemeint, in einem engeren Sinn die Auseinandersetzungen mit den Angriffen der persischen Großkönige Dareios I. (altpersisch: Dārayava(h)uš) und Xerxes I. (altpersisch: Hšayāŗšā oder Xšayāršā).

Das Perserreich hatte in einem siegreichen Krieg gegen das Reich der Lyder (König Kroisos unterlag in der Auseinandersetzung mit Kyros II. [altpersisch: Kūruš]) seine Herrschaft bis in den Westen Kleinasiens ausgedehnt. Damit gehörten zum Perserreich auch griechische Städte, die vorher unter Oberhoheit der Lyder gestanden hatten.

Die Perserkriege umfassen mehrere kriegerische Unternehmungen (Ionischer Aufstand 500 – 494 v. Chr; von Dareios angeordnete Unternehmungen 492 v. Chr. und 490 v. Chr; große Invasion von Xerxes 480 v. Chr. und dadurch herbeigeführte Kämpfe) und die Kriegsgründe sind nicht für alle Abschnitte und für alle Beteiligten genau gleich gewesen. Teils ging es darum, von der Perserherrschaft loszukommen, teils darum, eine Perserherrschaft zu verhindern.

Es gab eine Vielzahl griechischer Staaten und gegen die Armee des Perserreiches unter Xerxes kämpften nicht alle Griechen. Ein Bündnis (Hellenenbund) zur Abwehr schlossen 31 griechische Staaten. Zu den Staaten, die sich dem Persereich unterwarfen, gehörten z. B. Makedonien, Thessalien und Theben.

Besonders für den Anfang sind die Ursachen schwierig anzugeben, weil in den Quellen von persönlichen Gründen (vor allem bei dem persischen Admiral Megabates [altpersisch: Bagapāta] und Aristagoras, dem Tyrannen von Milet) erzählt wird, die nicht immer gut nachvollziehbar und plausibel sind. Ob es einen steigernden Steuerdruck/erhöhteTribute gegeben hat, ist nicht belegt. Unsicher ist auch, ob es Einschränkungen des Handels gegeben hat (die persischen Kriegszüge nach Thrakien/zum Schwarzen Meer und nach Ägypten haben wohl kaum lang andauernde Störungen bewirkt).

Ursachen, die in Frage kommen:

  • Unzufriedenheit vieler ionischer Griechen mit den von der Perserherrschaft gestützen politischen Machtverhältnissen, nämlich der Herrschaft eines Tyrannen oder weniger Oligarchen in den griechischen Städten unter Verweigerung jeder politischer Mitsprache und Mitbestimmung für einen größeren Teil der einheimschen freien Männer
  • Unmut ionischer Griechen über Zwang zur Heeresfolge (Truppen für die persische Besatzungsmacht zu stellen)
  • vielleicht hohe Tribute, die ionischen und aiolischen Städten aufbringen mußten (Herodot 3, 90), allerdings scheinen die Tribute längere Zeit keinen Widerstand hervorgebracht zu haben und nach dem Aufstand wurde die Höhe nicht verändert, während das Perserreich keine Tyarnnenherrschaft in den griechischen Städten mehr stützte
  • Streben des persischen Großkönigs nach Aufrechterhaltung seiner Herrschaft auch über die Griechen in Kleinasien
  • Wunsch des persischen Großkönigs nach Rache/Strafe für Unterstützung des ionischen Aufstandes (Eretria auf der Insel Euboia hate 5 Schiffe geschickt, Athen 20 Schiffe)
  • Wunsch nach Kontrolle über die Ägäis
  • Streben des Perserreiches, das eine erfolgreiche Großreichsbildung vollzogen hatte, nach Expansion (Ausdehnung) weiter nach Westen in den Mittelmerraum, also Absicht einer Unterwerfung Griechenlands
  • persische Weltanschauung, der Perserkönig sei vom Schöpfergott Ahuramazda eingesetzt, die ganzen Welt zu ordnen, ihr Wohlergehen und Frieden zu geben und sie unter glückbringender Herrschaft zu einen, während Widerstand gegen die gottgewollte Herschaft (König ist göttlicher Gnade teilhaftig) Frevel ist, damit Tradition und gewisser Druck, göttliche Gnade und Gefähigung zum Herrscheramt durch Mehrung des Peiches zu beweisen (persische Reichs- und Königsideologie)
  • Bereitschaft von Griechen zur Verteidigung ihrer Heimat und Lebensweise, mit Freiheit und Autonomie, gegen despotische Herrschaft
  • Furcht griechischer Staaten vor Verschlechterung ihrer außenpolitischen Stellung (z. B. die Athens in der Ägäis und die spartanische Vorherrschaft auf der Peloponnes) und Einmischung in innere Angelegenheiten mit Veränderungen darin, wer herrscht (in Athen drohende Wiedereinsetzung des Tyrannen Hippias; Rückkehr des ehemaligen Lakedaimonierkönigs Damaratos, abgesetzt und aus Sparta nach Persien geflohen)


In Bibliotheken gibt es Bücher mit Darstellungen zum Thema, z. B.:

Josef Fischer, Die Perserkriege. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2013. ISBN 978-3-534-23973-3

Sebastian Schmidt-Hofner, Das klassische Griechenland : der Krieg und die Freiheit. Originalausgabe. 1. Auflage. München : C.H. Beck, 2016 (C.H. Beck Geschichte der Antike: C.H. Beck Geschichte der Antike), S. 15 – 89

Raimund Schulz, Kleine Geschichte des antiken Griechenland. Stuttgart : Reclam, 2010 (Reclams Universal-Bibliothek ; Nr. 18777), S. 111 - 142

Karl-Wilhelm Welwei, Griechische Geschichte : von den Anfängen bis zum Beginn des Hellenismus. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2011, S. 173 – 208

Josef Wiesehöfer, Das frühe Persien : Geschichte eines antiken Weltreichs. Originalausgabe. 5. aktualisierte Auflage. München : Beck, 2015 (C.H.Beck Wissen ; 2107), S. 22 - 39

Wolfgang Will, Die Perserkriege. Originalausgabe. München : Beck, 2010 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2705). ISBN 978-3-406-60696-0

Die Gründe waren Uneinigkeit/Unzufriedenheit der Griechen/Macedonen mit der Herrschaft der Perser.

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