Was waren die Gründe aus der DDR zu flüchten (Vor dem Mauerbau)?

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8 Antworten

Vor dem 13. August 1961 waren es in erster Linie die fetteren Weiden im Westen, die die Leute gelockt hatten. Heute hätte man die Wirtschaftsflüchtlinge genannt. Dann gab es durch die offene Grenze die Möglichkeit, sich durch Flucht in den Westen der Strafverfolgung zu entziehen. Die Allerwenigsten sind aus politischen Gründen in den Westen gegangen.

Das wird natürlich kaum jemand erzählt haben, die Möglichkeit sich gleichzeitig als Opfer und standhafte Regimegegner zu präsentieren haben die meisten genutzt. Wer gibt schon zu, statt edler politischer Motive nur schnöde materielle Vorteile im Auge gehabt zu haben?

Nach 1961 änderten sich die Gründe ein wenig. Die potenziellen Wirtschaftsflüchtlinge, scheuten das Risiko und richteten sich in der DDR ein. Geflohen sind dann die, die kurz nach dem Mauerbau Torschlusspanik hatten und die, denen die DDR zu eng war und die sich im Westen mehr Möglichkeiten erhofften. Einige wenige sind tatsächlich aus politischen Gründen geflohen. Die meisten politischen Gegner verließen die DDR auf legalem Weg der Ausreise.

Hinzu kamen ein paar Irre, die sich obsessiv in ihren Fluchtwillen hineinsteigerten, sich Heißluftballons bauten und Tunnel gruben. Auch die waren dann im Westen natürlich Regimegegner. Echte politische Gegner der DDR waren die allerwenigsten.

Das kannst du gerne daran überprüfen, dass nach der Wende, wo es ja die DDR nicht mehr gab und damit auch kein politischer Grund mehr vorhanden war, Millionen von Ostdeutschen ihre Heimat trotzdem gen Westen verließen.

Das kann nur Jemand behaupten, der weder Zeitzeuge noch selbst die DDR der Anfangszeit erlebt hat.

Sicher der Volksaufstand 1953 begann mit einer Auseinandersetzung über Arbeitsnormen der Bauarbeiter in Berlin. Eigentlich ein normaler Arbeitskampf, der aber durch das System mit Hilfe der russischen Panzer blutig niedergeschlagen wurde. Erst dann wurden politische Forderungen laut.

Der Arbeiter- und Bauerstaat DDR hatte von Beginn die Politik zweier Menschenklassen favorisiert. Als Kind eines Beamten, Arztes oder Handwerksmeister wurde man benachteiligt wie es nur ging. Selbst der Berufswunsch wurde nicht nachgegeben, sondern vorgeschrieben. Daher sind gerade viele junge Menschen vor 1961 gegangen. Und im Westen floss keine "Milch und Honig".

Der Mensch in der DDR wurde geprägt durch die ständige Angst vor der Stasi und durch das Misstrauen selbst in der Familie. Als ich dann die DDR verlassen habe, wusste das Niemand, weder Freunde, Geschwistern oder Eltern. Wie gut das war erfuhr ich nach der Wende, meine Schwester und ein Cousin gehörten als IM dem Verein für  "Horch und Guck" an. So sind viele Familien zerrissen worden.

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@Karl37

Ach Karl, das ist wieder mal der kenntnislose Blödsinn, den du hier laufend zum Besten gibst. Deine letzten beiden Absätze sind soweit von der Realität entfernt, dass du dich damit als ahnungsloser Propagandist zu erkennen gibst.

Der Mensch in der DDR wurde geprägt durch die ständige Angst vor der Stasi und durch das Misstrauen selbst in der Familie. 

Mein Gott, das hat mit der Lebenswirklichkeit in der DDR nichts, aber auch gar nichts zu tun. Das ist Kalter Krieg der Adenauer-Ära, von dem du dich nie gelöst hast.

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@Karl37

Das kann nur Jemand behaupten, der weder Zeitzeuge noch selbst die DDR der Anfangszeit erlebt hat

@Karl37..ich z. B. kann das mit Fug und Recht von mir behaupten und...das was du zum Besten gibst kann ich auf keinen Fall unterstreichen. Sicher hatte der Eine oder Andere darunter zu leiden, aber nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Wenn du Repressalien ausgesetzt warst, kannst du es nicht auf alle übertragen.

Deine Flucht..ok..daß deine Angehörigen deinen Teil mitzutragen hatten, das mag ich dir gern glauben!

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@amdros

Ich finde diese Diskussionen immer sehr spannend. Da ich geborener Wessi bin, kann ich keine eigene Erfahrungen beitragen.

Ich war Ende 1989 zum ersten mal in der DDR.

Interessanter Weise habe ich später von Leuten aus der DDR/neuen Bundesländern, sowohl die Eine wie die andere Meinung gehört. Und jeweils wurde die andere Ansicht vehement bestritten.

Es muss also wohl völlig unterschiedliche Lebensläufe und Erlebnisbereiche gegeben haben.

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@wfwbinder

@wfwbinder..was mich an den Diskussionen vehement stört..die unrealistische Beleuchtung einiger, die tatsächlich angeeckt sind. Dann ist dem sicher aber auch so einiges vorangegangen.

Ich, bzw. meine Familie, wir haben die Staatshand auch zu spüren bekommen! Mein Mann und ich waren bei der Binnenreederei beschäftigt und mußten auch Überprüfungen über uns ergehen lassen. Als mein Mann dann ins kapit. Ausland eingesetzt werden sollte..denkste..und weshalb nicht. Sein Bruder war bei der Stasi hochrangig angesiedelt, was wir natürlich nicht wußten, schon war der Traum ausgeträumt. Lange Zeit später haben wir dann erst davon erfahren.

Aber so, wie ich es hier geschrieben habe, so friedlich ist das ganze für uns auch nicht abgelaufen. Aber es lohnt sich nicht in die Tiefe zu gehen. Wir haben es überlebt und sind daran auch nicht zugrunde gegangen. Man sollte nicht alles dramatisieren!!

Ich kann mich so einigen Antworten hier auch absolut nicht anschließen!

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@wfwbinder

Es muss also wohl völlig unterschiedliche Lebensläufe und Erlebnisbereiche gegeben haben.

Es HAT völlig unterschiedliche Lebensläufe gegeben, wfwbinder.

Genauso, wie es heute geschieht: 

Ein "Pegidist" wird dir über seine "Ausländer-Wirklichkeit im eigenen Stadtviertel" völlig anders zu berichten wissen, als sein Wohnungsnachbar, der eine andere politische Weltsicht hat.

Die allermeisten der 16 Millionen DDR-Bürger lebten einfach ihr Leben. So mancher bemerkte sein Leben lang nicht, dass es überhaupt eine Stasi gab. 

Die meisten wussten davon, kamen aber genauso sehr damit in Berührung, wie du heute mit dem Verfassungsschutz oder irgendeinem anderen "Staatsschutz"-Dienst: Du weißt, dass es sie gibt. Du hast eine blasse Ahnung davon, dass - beispielsweise durch die NSA - alle deine Emails mitgelesen werden. Aber es berührt dein tägliches Leben nicht wirklich.

Trotzdem werden dir beispielsweise Teilnehmer an gewalttätigen Demonstrationen, auf denen Steine fliegen und Tränengas versprüht wird, von "alltäglicher übelster Staatsgewalt" und "getarnten Zivilbeamten, die wahllos Leute zu Boden zerren" zu berichten wissen...

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Es muss also wohl völlig unterschiedliche Lebensläufe und Erlebnisbereiche gegeben haben.

Darüber hinaus gab (und gibt) es auch die Selbstdarstellung, aus der man Profit zu schlagen versucht.

Ossis - einschließlich seiner "theologischen Kollegen" in der Kirche -, die Gauck noch von früher kennen, können im Angesicht dessen, wozu Gauck im Westen gemacht wurde, nur entsetzt den Kopf schütteln: Für die wirklichen "Oppositionellen der DDR" ist das ein offener Schlag ins Gesicht.

Wikipedia schreibt's dann auch völlig richtig, vorausgesetzt, man liest es aufmerksam genug:

Als der Bürgerprotest gegen die DDR-Obrigkeit in der zweiten Oktoberhälfte 1989 auch im Norden des Landes zur Massenbewegung wurde, hielt Gauck am 19. Oktober in Rostock eine Predigt ... (Quelle: Wikipedia)

"Als der Bürgerprotest ... auch im Norden zur Massenbewegung wurde, hielt Gauck ... eine Predigt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Gauck#B.C3.BCrgerrechtler_beim_Mauerfall_.281989.29

Klingt das nach "Protest"? Oder nach "Bürgerrechtler"?

Gauck war zu DDR-Zeiten NIE ein "Oppositioneller". NIE. Stattdessen war er ein Mensch, der - aus der Sicht eines DDR-Bürgers - ausgesprochen krasse Privilegien genoss. Er durfte unbegrenzt oft in den Westen reisen (und tat das auch häufig). Er durfte sogar seine Familie mitnehmen, was nur höchsten Vertrauenspersonen von Stasi und SED gestattet war. Er durfte unbegrenzt Westgeld als Spenden annehmen. ... Er bekam Zugeständnisse, die üblicherweise nur wirklich wichtige und überaus "zuverlässige" SED-Mitglieder und Stasi-Vertraute erhielten. 

Statt sich also wenigstens ansatzweise als "Oppositioneller" zu betätigen, kroch er im Zuge der Wende, als sich bereits klar abzeichnete, dass die DDR-Führung sich nicht wehren würde, urplötzlich unter einem Stein hervor, riss hier und dort das Mikrofon an sich und hielt "Freiheits-Reden". Zunächst vorsichtig und zurückhaltend; später immer drängender.

Seine Fähigkeit? Er kann reden. Er ist rhetorisch begabt. ... Doch damit endet es schon.

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Und so verkaufte er sich dann im Westen, der sehnlichst auf "Oppositionelle aus der DDR" wartete, dann auch: "Seht her, ich bin Bürgerrechtler!" ... und dieser Glaube hält - aus dem Westen oktroyiert! - bis heute an. Denn man ist gar nicht gewillt, sich der tatsächlichen Fakten anzunehmen, weil diese der Propaganda diametral widersprechen.

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Besonders plakativ kannst du es an den Lebensläufen der uns als "Bürgerrechtler" verkauften sogenannten "Oppositionellen" aus der DDR sehen: Es dürfte wohl außer Frage stehen, dass es auch in der Bundesrepublik reichlich Problemfelder gibt, in denen sich Bürgerrechtler betätigen können. Trotzdem sind sie ALLE heute still. Nichts mehr von "Bürgerrechtler". Gar nichts. Absolute Totenstille.

Waren es also wirklich "Bürgerrechtler", wie man sie sich im Allgemeinen vorstellt? Oder hatten sie doch eher Motivationen, die mit den westlichen Vorstellungen kaum in Einklang zu bringen sind?

Fragt man jedenfalls die tatsächlichen Bürgerrechtler, also Leute, die, im Gegensatz zu Gauck, tatsächlich auf die Straßen gingen und Demonstrationen organisierten, hört man oft Erstaunliches: "Wir wollten die DDR reformieren. Auf die Idee, uns der Bundesrepublik anzuschließen, sind wir nie gekommen, wollten wir auch nicht. Davon wurden wir völlig überfahren.", sagte beispielsweise Frau Seidel, eine Mitbegründerin des Neuen Forums, das Gauck einfach benutzte, um sich selbst auf Kosten der tatsächlichen Bürgerrechtler - nun auch im kommenden System - in bessere Positionen zu bringen...

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Der Westen verkaufte den Ossis also einen Ultra-Opportunisten, der sich im Osten UND Westen komplett anzupassen und davon zu profitieren wusste, als "Bürgerrechtler".

Das ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die wirklich etwas erreichen wollten.

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Danke für den Stern!

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Man durfte nicht seine eigene Meinung sagen, es war keine wirkliche Demokratie, sondern sozusagen eine Partei-Diktatur, man wurde immer überwacht, man konnte sein Leben nur sehr eingeschränkt selbst gestalten ... 

Es gibt sehr viele Gründe dafür. Frag doch einfach mal Leute aus der Zeit, darüber können dir noch sehr viele Menschen in Deutschland berichten.

Aber es heisst doch Deutsche Demokratische Republik ,,Demokratie''

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@pingexe1

Ja, in sozialistisch steckt auch sozial... Das war nur Augenwischerei. Das ganze System war eigentlich nur eine einzige Manipulation und Verblendung von Menschen. Es wurden ja auch Wahlen abgehalten, die gefälscht wurden. Man hat ja auch gesagt, dass man mit der Mauer niemanden einsperren wolle, sondern nur die Bürger vor dem Westen beschützen wolle.

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Politische Gefangenheit  drohte zum Beispiel bei kritischen Äußerungen gegenüber dem Regime.

Man war gefangen und durfte nur in Ausnahmefällen  ins westliche Ausland reisen. 

Es wurde sogar vom Staat  bestimmt, welche Ausbildung  man zu absolvieren hatte. Dein Leben War von Anfang bis Ende fremdbestimmt. 

Da stellst du wohl eine Gewissenfrage!?

Ob dir ein jeder, der geflüchtet ist, auch die Wahrheit erzählen würde möchte ich mal dahingestellt lassen.

Die unterschiedlichsten Gründe werden den einen oder anderen dazu veranlaßt haben..zum einen politische Gründe bis hin zu wirtschaftlichen Gründen.

Um ehrlich zu sein..darüber zermartere ich mir nicht mehr den Kopf weil es m. E. müßig ist, darüber noch nachzudenken!

Vor dem Mauerbau waren es Zukunftssorgen die die Menschen zur Flucht veranlassten.
Die Chancen standen im Westen besser.
Man darf nicht völlig ausblenden das Wirken des NKWD (Russen) und später der Stasi, Stichwort 17.Juni 1953.

Die innere Grenze war bereits errichtet, die letzte Lücke war noch Berlin.
Als die Hoffnung auf ein einiges Deutschland dahinschwanden stimmten die Menschen mit den Füßen ab.

Man floh vor der Diktatur.

Man wollte frei reisen können, frei die Meinung sagen können und man wollte den Konsum des Westens haben.

Tja, die meisten waren wohl Wirtschaftsflüchtlinge, etwas was man den Flüchtlingen heute so ankreidet.


Tja, die meisten waren wohl Wirtschaftsflüchtlinge, etwas was man den Flüchtlingen heute so ankreidet.

Die überwiegende Mehrheit der heutigen Flüchtlinge flieht vor dem Krieg, falls dir das entgangen sein sollte, an dem der Westen einen großen Teil Schuld mit trägt.

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Aus exakt den gleichen Gründen wie die heutigen Wirtschaftsflüchtlinge auch, gegen die die Faschos in Dresden etc. dauernd demonstrieren.

Der Kommunismus. Im Osten war Kommunismus und Im Westen Demokratie.Viele waren gegen Kommunismus und flüchteten deshalb.

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