Was war in Deutschland früher tatsächlich besser?

21 Antworten

Also ich bin ja ein alter Knacker und kann aus Erfahrung von der Zeit Mitte der 50er Jahre (noch Saarländer und nicht deutsch! - Saarland ist erst 57 angeschlossen worden) bis heute meine Eindrücke wiedergeben. Natürlich neigt man zu allen Zeiten als Senior dazu, dass früher alles besser war - war es auch, war ja schließlich meine Jugend und da ist immer alles schöner und natürlich auch verklärt. Die kleinen Buichläden in Saarbrücken, in denen ich gerne stöberte und aus denen der Großteil meines Literaturbestandes stammt, gibt es nicht mehr, verdrängt von den Großvertreibern mit den standardisierten Programmen. Aber Wirtschaft und Gesellschaft ist Wandel, immer. Es gibt keinen Stillstand. Und ich bin auch deswegen hier bei GuteFrage, weil ich hier u.a. mitbekomme, dass die Jungen heute anders ticken und die Zustände anders beurteilen, schon weil sie die früheren gar nicht zum Vergleich haben.

Ich selbst danke Gott, (als Agnostiker!) auf Knien, dass ich in meine Zeit geboren wurde. Es war in der Tat eine gute Zeit mit Chancen auch für Arbeiterkinder. Wenn wir Alten - noch übrig Gebliebenen - uns treffen, es ist aus fast allen was geworden. Zwei waren schon immer komisch und einer davon hat sich mit Alkohol sein Leben ruiniert. Sonst haben alle, wie im Saarland unter Bergleuten und Hüttenarbeitern üblich, ihr Häuschen und ein gutes Auskommen. Das ist heute schon etwas schwieriger mit den Karrieren, ganz einfach, weil der Topf voll ist und die Auswahl härter. Doch im großen historischen Vergleich waren auf dem Gebiet Deutschlands noch nie solange kein Krieg, noch nie soviel Freiheit und Möglichkeiten der Lebensentfaltung. Offensichtlich enthält die Fülle der Angebote auch eine größere Gefahr des Scheiterns, vor allem für Unentschlossene. Man spricht von Informations- und Wissenszeitalter: Also ich meine, wir sind noch nie so perfekt belogen und beschissen worden und selten waren so viele Leute so halb- bis gar nicht informiert. Die neuen Medien haben nicht nur Vorteile. Für nicht gefestigte Persönlichkeiten sind sie eine große Gefahr der Entfremdung und Fernsteuererung. Als Hobbyfilmer bin ich höchst erstaunt bis entsetzt, wie perfekt man heute filmische Lügen inszenieren kann, bis in die TV-Nachrichten. Damit müssen die Jüngeren halt jetzt umgehen in dieser mediengesteuerten Massengesellschaft.

  • Deine Frage ist prinzipiell sehr gut und ich glaube, je mehr Leute darüber nachdenke, desto mehr werden auch erkennen, dass es uns heute keineswegs schlecht geht. Wir jammern auf sehr hohem Niveau und haben eher ein Zufriedenheits- als ein Lebensqualitätsproblem. Auch das Fordern von Fakten oder Beweisen ist durchaus ein zielführender Ansatz. Gleichwohl denke ich, dass es eben auch viel auf subjektive und emotionale Werte ankommt, also darauf, wie man sich fühlt. Das ist einfach eine persönliche Aussage und unterliegt keiner Beweisführung. Ein "Fühle ich mich wohl?" muss schon gefragt werden dürfen.
  • Ich denke, wenn wir 2016 mit 1996 vergleichen, sind die Unterschiede nicht so relevant. Wenn wir jedoch mit 1966 vergleichen, dann gibt es doch schon etliche relevante Entwicklungen.
  • Sicherheit und Kriminalität: Die Anzahl der Einbrüche stieg z.B. in den letzten 50 Jahren signifikant an. Es gibt unstrittig etliche Gebiete, in denen der Rechtsstaat nicht mehr regiert und selbst Polizisten nicht mehr alleine unterwegs sein mögen. Gegen neuartige Verbrecher wie Mietnomaden schafft der Gesetzgeber keine befriedigenden Lösungen.
  • Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit: (a) Die Lohnnebenkosten sind seit den 1950er Jahren von etwa 24% auf ca. 40% angestiegen, wir arbeiten alle erheblich mehr für den Staat mit. Zahlreiche Unternehmen lassen im Ausland produzieren, weil die Arbeitskosten in Deutschland zu hoch sind. (b) Berufliche Flexibilität und Mobilität kann man positiv finden (meine Auslandsaufenthalte, Sprachen, Karriere), aber kann man auch negativ empfinden, denn z.B. werden Familienverbände und Freundschaftsstrukturen dadurch oft zerstört. ich glaube, dass die Menschen insgesamt dadurch weniger glücklich sind.
  • Familie: Scheidungsquote drastisch höher als in den 1960er Jahren, viel Patchwork, viele Scheidungskinder, viele zerrüttete Familien. Ich bin der festen Überzeugung, dass das eine negative Entwicklung ist und Menschen dadurch im Laufe ihre Lebens öfter unglücklich und insgesamt seltener und weniger glücklich sind als früher. 
  • Wie gesagt, vieles hat aber eben auch mit Gefühl oder persönlichen Bedürfnissen zu tun: (a) Finde ich Multikulti gut oder eher schlecht? Genieße ich die Diversität oder leide ich eher unter der Vielzahl von Kompromissen und Einschränkungen? (b) Die 70-80er Jahre waren bezüglich Sexualität und Nacktheit erheblich unverklemmter und weniger prüde. Ich fand das positiv. Ich finde es schade, dass die Tendenz eher gegenläufig ist. (c) Wird politische Korrektheit eher als ein Instrument für Denkverbote und Zensur empfunden oder als positive Entwicklung?

Eine sehr gute Antwort.

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Welches "früher" meinst du dabei überhaupt? Sagen wir mal die 1980iger Jahre gelten im Allgemeinen als erfolgreiche Zeit für die deutsche Wirtschaft, mit kontinuierlichem Wirtschaftswachstum von ca. 1,8% und einer geringen Arbeitslosenquote von ca. 2 Mio., die aber auch stagnierte.

Wie sieht es heute aus?

Wirtschaftswachstum = 1,8%, Arbeitslosenquote = 2,5 Mio.

Ist das so viel schlechter?

Hatte Deutschland vllt. höhere Steuereinnahme um sich ein teueres Sozialsystem listen zu können? Wenn man die Zahlen vergleicht, mit den Daten von Bundesfinanzministerium, sieht man das es nicht so ist. https://de.wikipedia.org/wiki/Steueraufkommen_(Deutschland)

Die Steuereinnahmen haben sich im Vergleich zu 1980 bis heute nahezu verdreifacht.

War das durchschnittliche verfügbare Einkommen/Kopf vielleicht höher?

1980 lag es bei durchschnittlich 11.000 EUR (umgerechnet), und lag 2015 bei durchschnittlich 21.000 EUR.

Wie haben sich die Einwohnerzahlen im Verhältnis geändert?

1980 ca, 78,4 Mio. Einwohner, 2015 ca. 82,2 Mio Einwohner.

War Deutschland und die Welt früher ein sicherer Ort als heute?

Der Kalte Krieg wurde erst 1990 als beendet erklärt, mit dem Zerfall der UdSSR. Davor gab es sehr viel weltweite Spionage und ein atomares Wettrüsten der USA und UdSSR... Deutschland mittendrin.

Deine Argumentation: "nur beweisbare Fakten / keine Meinung / nur Deutschland betrachten", ist daher nicht möglich, weil die Äußerung darüber, dass "früher" alles besser war, schon eine subjektive Meinungsäußerung darstellt und Deutschland als Teil dieser Welt nunmal nicht von globalen Veränderungen abgeschottet ist.

Gefühlt war die Welt früher vllt. besser, weil sie einem evtl. weniger komplex vorkam. Es gab weniger Informationen und eindeutige Feindbilder: West und Ost, Kapitalisten und Kommunisten, Faschismus und Demokratie, usw...

Heute verschwimmen diese Grenzen und wir bewegen uns in Grauzonen und "der Terror" ist nicht klar zu bennen, sondern sorgt für eine diffuse Verunsicherung.

Bei den Steuereinnahmen sollte man auch bedenken, dass die Einkünfte und Umsatze deutlich gestiegen sind.

Ein Vergleich "Steueranteil am BIP" ist da viel aufschlussreicher und da zeigen sich fast konstante Zahlen.

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@schmerberg

Was du meinst ist die "Steuerquote", Verhältnis von Steuern zum BIP und Gott sei dank ist die in Deutschland stabil geblieben :)

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