Was war die Idde von Katharina der 2.(Russland) zum aufgeklärten Absolutismus?

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1 Antwort

Weitgehend stimmt dies. Die Aussage zum Volk sollte allerdings besser als von Katharina beanspruchte Zustimmung der Bevölkerung zu ihrer Thronbesteigung gedeutet werden. Einen Grundsatz der Volkssouveränität hat sie nicht eingeführt. Am traditionellen Gottesgnadentum hat Katharina II. („die Große“) bei ihrer Krönung festgehalten.

Neben der Aufklärung kann die Erfahrung eines „wohlgeordneten“ patriarchalisch-protestantischen Kleinstaates (Fürstentum Anhalt-Zerbst) mit Pietismus als verbreitete Einstellung zu den Einflüssen auf Katharina gezählt werden.

Einen Vorschlag des obersten Ministers Nikita Panin, einen kaiserlichen Rat (von ihr ernannter Personen, die sie jedoch nicht entlassen konnte) als oberste gesetzgebende Instanz einzuberufen, der ihre Erlasse hätte gegenzeichnen müssen, hat sie letztlich nicht durchgeführt. Vertraute reiten ihr ab und sie legte den von ihr schon unterzeichneten Entwurf zu den Akten.

Katharina II. hatte den Gedanken einer absoluten (uneingeschränkten) Monarchie, in der gewisse „Grundgesetze“ geachtet wurden. Als erstrebenswert galt für sie ein rationale, gesetzlich geregelte Ordnung. In ihrem Selbstverständnis war sie als Herrscherin an die Aufgabe, Rechtssicherheit herzustellen, und eine Sorge um das Allgemeinwohl (mit Wohlfahrt, Glück und Freiheit) gebunden.

Freiheit: Recht, alles zu tun, was die Gesetze zulassen

Gleichheit: alle Bürger sind den gleichen Gesetzen unterworfen, standesgleiche Gerichte

Katharina II. begründete die absolute Monarchie als für Russland richtige Herrschaftsform mit der großen Ausdehnung und dem Bedarf an Schnelligkeit und Wirksamkeit von Entscheidungen. Sie lehnte sich an Gedanken an, die Montesquieu in seinem einem Werk „De L'Esprit des Lois“ („Vom Geist der Gesetze“) geäußert hatte.

Katharina II. stellte sich gerne als treusorgende Landesmutter und aufgeklärte Herrscherin dar.

Katharina II. hat 1767 eine Versammlung für ein Gesetzgebungswerk einberufen, aber 1768 vertagt (Unterausschüsse arbeiteten noch einige Zeit weiter, dann verlief sich die Sache).

Die Idee Katharinas zum aufgeklärten Absolutismus zeigte 1767 ihre Große Instruktion (Nakaz) für die Kommission zur Aufstellung eines Projekts für ein neues Gesetzbuch, Artikel 9:

„Die Länder des russischen Reiches erstrecken sich auf der Erdhalbkugel bis 32 Grad in der Breite und 165 Grad in die Länge. Der Beherrscher desselben ist unumschränkt (Autokrator): denn keine andere als eine nur in dessen Person vereinte Macht kann auf eine der Weitläufigkeit eines so großen Reichs gemäße Weise wirken. Ein weitläufiges Reich setzt eine unumschränkte Gewalt in derjenigen Person voraus, die solches regiert. Die Geschwindigkeit in der Entscheidung der Sachen, die aus fernen Orten einlaufen, muss die Langsamkeit ersetzen, die aus dieser weiten Entfernung entsteht. Jede andere Regierungsform würde für Russland nicht nur schädlich sein, sondern zuletzt die Ursache seiner gänzlichen Zerstörung werden. Eine andere Ursache ist diese, weil es besser ist, den Gesetzen unter einem Herrn zu gehorchen, als sich nach dem Willen vieler zu bequemen.

Was ist aber der Endzweck einer unumschränkten Regierung? Nicht, die Menschen ihrer natürlichen Freiheit zu berauben, sondern ihre Handlungen zur Erlangung der höchsten Glückseligkeit anzuleiten. Folglich ist eine Regierungsform, die mehr als andere die natürliche Freiheit einschränkt, diejenige, die den Absichten, die man bei vernünftigen Geschöpfen voraussetzt, am besten entspricht, und dem Zwecke, auf den man bei Einrichtung bürgerlicher Gesellschaften von jeher gesehen, am gemäßesten.

Das Augenmerk und der Endzweck unumschränkter Regierung ist der Ruhm der Bürger, des Staates und des Beherrschers. Aus diesem Ruhm aber quillt bei einem Volke, das unter einer monarchischen Regierung steht, der Geist der Freiheit, welcher sich in solchen Staaten in eben so große Taten ergießen und das Glück der Untertanen in eben dem Maße befördern kann wie die Freiheit selbst. Die mittleren, untergeordneten und von oben abhängigen Mächte machen das Wesen der Regierung aus. Ich habe gesagt: die mittleren, untergeordneten und von den oberen abhängigen Mächte. In der Tat ist aber der Beherrscher die Quelle aller Reichs- und bürgerlichen Macht.”

Durchgeführt wurden Einzelmaßnahmen:

1773 Toleranzedikt, das Duldung aller religiösen Bekenntnisse zusagte (mit gewissen Einschränkungen für Juden)

1775 Gouvernementreform, um die Wirksamkeit der Provinzverwaltung zu erhöhen

1785 Prügelstrafe zumindest für Klerus, Adel und Bürger beseitigt

1785 Statuten zur Volksbildung (die Praxis blieb allerdings deutlich hinter den verkündeten Absichten zurück)

Grundsätze der Wirtschaftspolitik waren: Handelsfreiheit, Förderung von Manufakturen, Peuplierung (Ansiedlung von Einwanderern in wenig bewohnten Gebieten). Weitere Ziele waren Verbesserungen im Erziehungs- und Gesundheitswesen.

In Büchern gibt es etwas zum Thema zu lesen, z. B.:

Heinz Duchhardt, Barock und Aufklärung. 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. München : Oldenbourg, 2007 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte ; Band 11), S. 146 – 148

Christoph Schmidt, Russische Geschichte 1547 – 1917- 2. Auflage. München : Oldenbourg, 2009 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte ; Band 33), S. 44 – 53, S. 132 und S. 156

Isabel de Madariaga, Katharina die Große : das Leben der russischen Kaiserin. Aus dem Englischen von Karl A. Klewer. Kreuzlingen ; München : Hugendubel, 2006, S. 87 – 102 und S. 130 - 146

Reinhold Neumann-Hoditz, Katharina II. die Große : mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt. 7. Auflage. Reinbek bei Hamburg : Rowohlt, 2000 (Rowohlts Monographien ; 50392), S. 69 -82

Detlef Jena, Die Zarinnen Russlands : (1547 - 1918). Regensburg : Pustet; Graz ; Wien ; Köln : Styria, 1999, S- 199 - 202

Erich Donnert, Autokratie, Absolutismus und aufgeklärter Absolutismus in Russland : das Zarenreich in vor- und frühmoderner Zeit. In: Helmut Reinalter/Harm Klueting (Hg.), Der aufgeklärte Absolutismus im europäischen Vergleich. Wien ; Köln ; Weimar : Böhlau, 2002, S. 181 – 206 (zu Katharina vor allem S. 200 – 206)

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