Was war die englische Aufklärung?

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Bei Wikipedia gibt es einen großen Beitrag zur Aufklärung. Da befasst sich der Punkt 2.3.3 Naturwissenschaften und moderne Erkenntnistheorie mit der englischen Aufklärung. Meiner Meinung nach sind Begriffe wie "Aufklärung" der Versuch, einen kontinuierlichen Prozess im Nachhinein zu gliedern. Viele lassen die Aufklärung mit den englichen Empirikern Locke und Hume beginnen. Dabei wird ein ganz wichtiger Wegbereiter, der Franzose Pierre Gassendi (1592 - 1655) übersehen, der als erster die empirische Philosophie Epikurs ausführlich dargestellt hat. Denn die empirische Philosophie von Locke und Hume basiert in grundsätzlichen Annahmen auf der Philosophie Epikurs. Auf diesem Feld bewegt sich dann auch der große Naturwissenschaftler Isaac Newton, der übrigens verlautbart haben soll, dass er den Anstoß zur Gravitationstheorie von Epikur habe. Typisch für die englische empirische Philosophie ist, dass sie wie Epikur die Welt aus sich heraus erklärt, auch die Entwicklung von Gesellschaften und menschlichen Maßstäben wie Gerechtigkeit oder Freiheit und Glück. Darauf basiert dann auch ihre moderne, menschenbezogene Gesellschafts- und Staats- wie Wirtschaftstheorie. So war ja der erste große engliche Wirtschaftstheoretiker Adam Smith ein enger Freund von David Hume. Im Gegensatz zur englischen Aufklärung hat die deutsche Aufklärung eine gewisse Bindung an den "Geistesidealismus" nie verloren. Kant, der von Hume angeregt war, hat sich dann letztlich für eine Dominanz der Vernunft entschieden während die englische Aufklärung ihren Weg weiterging mit Evolutionstheorie des Charles Darwin.

Englische Aufklärung ist eine Bezeichnung für die Aufklärung in England. Das englische Wort heißt enlightenment (damals selten verwendet und in der heutigen Bedeutung eine Nachbildung des deutschen Wortes).

Ebenso wie „Aufklärung“ enthält es eine Lichtmetaphorik (sozusagen das Licht der Vernunft leuchten lassen, die Verhältnisse erhellen und klarer erfassen). Aufklärung ist in der Philosophie ein inhaltliches Programm mit einer bestimmten Bestrebung des Denkens (mit klarem Denken das erhellende Licht der Vernunft zu verbreiten und ein daran ausgerichtetes Handeln fördern), eine geistige Bewegung als Träger dieses Programms und (auch allgemeingeschichtlich) eine Bezeichnung für ein Zeitalter (das 17. und 18. Jahrhundert in Europa und Nordamerika). Aufklärung ist auch eine Bezeichnung für eine Epoche der Literatur, die von den Inhalten und Zielen geprägt ist.

Der Verstand/die Vernunft ist höchster Grundsatz und oberster Maßstab. Rationale Klarheit über die Zusammenhänge der Wirklichkeit ist ein Ziel. Eine Ausdehnung der Handlungsspielräume für die Menschen wird angestrebt (Emanzipation) Autoritäten wird nicht ohne Prüfung nachvollziehbare Gründe gefolgt. Der absolutistische Staat und die Religion, vor allem in ihre Organisierung durch die Kirche, können Gegenstand von Kritik werden. Religiöser Dogmatismus und Aberglauben werden abgelehnt. Eine Befreiung von Abhängigkeiten wird anstrebt, weil Mündigkeit eigenständiges Denken erfordert.

Ein Fortschrittsglaube ist stark, durch vernünftige Einsicht in sich selbst und die Gesellschaft und richtige Erfassung der Natur zunehmend bessere Verhältnisse zu erreichen. Erziehung wird dafür große Bedeutung gegeben.

Die Aufklärung hat sich in verschiedenen Ländern entsprechend den dortigen Verhältnissen etwas unterschiedlich ausgeformt.

In England kam es nach heftigen religiösen und politischen Auseinandersetzungen zu Kompromissen und einer konstitutionellen Monarchie (aufgrund der glorreichen Revolution 1689). England war eine führende Handels- und Kolonialmacht und hier begann die industrielle Revolution.

In der englischen Aufklärung war der Empirismus als erkenntnistheoretischer Standpunkt verbreitet. Er wurde Grundlage einer auf Beobachtung und Experimenten beruhenden Naturwissenschaft.

Im Bereich der Religion war in der englischen Aufklärung ein Deismus verbreitet, der das Dasein Gottes annahm und ihn für ein transzendentes und personales Wesen hielt, aber nicht an ein übernatürliches Eingreifen Gottes in die Welt glaubte. Der Deismus ist eine natürliche Vernunftreligion. Ein früher Vertreter war Herbert von Cherbury (1583 – 1684). John Toland (1670 - 1722), Anthony Collins (1767 – 1729) und Matthew Tindal (1653 – 1733) haben beispielsweise einen deistischen Standpunkt in Schriften veröffentlicht.

Eine praktische Ausrichtung mit Bezug auf die handelnden Menschen war verbreitet. In der praktischen Philosophie war wie in Frankreich und Deutschland die Einheit von Tugend, Glück und Nutzen zentral, aber die psychologsicher Behandlungsweise weicht überwiegend von der mehr normativen Erörterung des Themas auf dem Kontinent ab. In der Ethik wurde ein Ansatz des moral sense vertreten, eine Gefühlsmoral (Empfindungen als wahrnehmender Sinn, bilden die Grundlage, so z. B. bei Anthony Ashton Cooper, dritter Earl of Shaftesbury (1671 – 1713) und (aus Irland stammend und in Glasgow tätig) Francis Hutchinson (1694 – 1746). Eine Verbesserung des menschlichen Umgangs wurde angestrebt, zunächst mit einem Selbstverständnis als genteleman philospher, dann von einem common sense (Gemeinsinn/allgemeiner bzw. gesunder Menschenverstand).

Politisch war die Lehre vom Gesellschaftsvertrag wichtig. Bei Thomas Hobbes (1588 – 1679) ist er ein Unterwerfungsvertrag unter einen Souverän. Dagegen richten sich dann aber Ansätze mit einer naturrechtlich begründeten Einschränkung der Herrschaftsgewalt. John Locke (1632 - 1704) ist hier wie auf anderen Gebieten ein besonders bedeutender Vertreter der englischen Aufklärung.

Jeremy Bentham (1748 - 1832) begründete Ende des 18. Jahrhunderts den Utilitarismus als Ansatz im Bereich der Ethik.

Teilweise ist was, was englische Aufklärung genannt wird, genaugenommen eine britische Aufklärung. Es gibt auch die Bezeichnung schottische Aufklärung. Zu Ihre gehören z. B. David Hume (1711–1776), Adam Smith (1723- 1790) und Adam Ferguson (1723–1816).

Literatur und Philosophie blieben in England deutlich getrennt, auch wenn sie auf weite Strecken im Geist der Aufklärung übereinstimmten.

Es entstand ein bürgerlicher Roman (einige Schriftsteller: Daniel Defoe, Samuel Richardson, Henry Fielding, Laurence Sterne), der empfindsam oder satirisch-parodistisch sein konnte.

einführende Informationen enthalten z. B.:
Helmut Holzhey, Aufklärung. In: Enzyklopädie Philosophie. Unter Mitwirkung von Detlev Pätzold, Arnim Regenbogen und Pirmin Stekeler-Weithofer herausgegeben von Hans Jörg Sandkühler. Band 1: A - N. Hamburg : Meiner,1999, S. 99 - 104

Werner Schneiders, Das Zeitalter der Aufklärung. Originalausgabe, 4. Auflage. München : Beck, 2008 (Beck'sche Reihe : C. H. Beck Wissen ; 2058), S. 7 - 51

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