Was war bevor es das Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung gab?

...komplette Frage anzeigen

7 Antworten

In der Tat ging man bis zu dieser Änderung von einem elterlichen Züchtigungsrecht aus, welches als Rechtfertigungsgrund für die tatbestandlich gegebenen Körperverletzungen am Kind galt.

Das Schlagen des Kindes war damals zwar immer noch eine Körperverletzung, jedoch rechtlich eben durch dieses Züchtigungsrecht gerechtfertigt (genau so wie das Vorliegen von Notwehr Körperverletzungen am Angreifer rechtfertigt).

Stan82 04.06.2010, 16:07

Es war wohl doch schon seit 1998 so, als der § 1631 II BGB in einer der aktuellen ähnlichen Fassung eingeführt wurde. Dort findet sich seitdem nämlich das entsprechende Verbot, dieses wurde zwischenzeitlich nochmal etwas deutlicher gefasst.

0

Vor 2000 war eine so genannte "wohl erwogene" Tracht Prügel als erzieherische Maßnahme durchaus erlaubt. Wie weit das gehen und nicht gehen durfte, entschied die laufende Rechtsprechung. 1979 wurde bezeichenderweise der Begriff "elterliche Gewalt" im BGB durch "elterliche Sorge" ersetzt. Noch verwickelter ist die Zurückdrängung der Prügelstrafe in der Schule: Da war sie viele Jahrzehnte lang ein absolut gängiges Mittel, nämlich seit 1794 (preußisches allgemeines Landrecht) als körperliche Züchtigung gesetzlich verankert. Erste Zweifel meldeten Pädagogen in den 20er Jahren an, bei den Nazis war die Prügelstrafe wieder ok, direkt nach dem 2. Weltkrieg wurde sie von den Alliierten im Westen verboten, aber schon um 1950 herum wieder von der deutschen Verwaltung in Schulen zugelassen und dann wiederum so ab den 70er Jahren allmählich in den Bundesländern zurückgedrängt (denn was auf dem Papier steht und was tatsächlich passiert, ist ja noch mal zweierlei). Die Bundestagsdebatte zum § 1631 war übrigens durchaus heftig und die damalige CDU-/CSU-Opposition war dagegen mit dem Argument, man wolle doch jetzt nicht Tausende von Eltern kriminalisieren, d.h. man ging davon aus, dass Kinder eben geschlagen werden. Wenn du dich da genauer durchbeißen willst, so gibt es eine Doktorarbeit dazu: http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=96927596x&dokvar=d1&dokext=pdf&filename=96927596x.pdf

Gibt immer noch welche, die einen wie folgt belehren: "Geb Deinem Kind mal ein paar hinter die Löffel, das schadet nicht!" So was gehört sich aber nicht!! Ich hab Mitte der 60er von einer Lehrerin immer wieder mal mit einem Bambusstock Schläge auf die Finger bekommen, obwohl offiziell die Prügelstafe in den Schulen meines Wissens schon 1958 verboten worden war. Meine Eltern haben mir erst nicht geglaubt, aber sich dann bei der Schule über die Lehrerin beschwert haben sie sich auch nicht. Es gab da auch Eltern, die zum Lehrer gesagt haben, dass er die Kinder ruhig verprügeln soll, wenn sie nicht parrieren! Bei mir hieß es noch: Der Lehrer hat immer Recht! Erst mit den 68ern hörte es langsam mit der Obrigkeitshörigkeit auf!! Da kamen dann erstmals Suspendierungen von Lehrern vor. Zuhause wurde ich schon mal hin und wieder verprügelt, bei nichtigsten Anlässen!!

Das Gesetz zur gewaltfreien Erziehung war bei seiner Entstehung längst überfällig. Schon viele Jahre vorher war es nicht mehr erlaubt, dass Kinder in der Schule von ihren Lehrern zu "Erziehungszwecken" oder zwecks "Bestrafung" körperlich "gezüchtigt", also geschlagen werden durften. Die Einsicht, dass sich diese "Pädagogik" nicht mit dem Verbot der beabsichtigen Körperverletztung vereinbaren lässt, entwickelte sich erst mit der Zeit und nach Erforschung und Vermittlung der "neuesten erziehungswissenschaftlichen Erkenntnissen". "Wer sein Kind liebt, der schlägt es!" war eine Aussage mit langer Güligkeit. Die Menschen glaubten an die Aussage und meinten es wirklich "gut" mit ihren Schülern und Kindern. Sie sahen es nicht als Gewalt - es war die lange Zeit gültige und anerkannte Erziehungsmethode. Nicht nur in der Schule, auch im Elternhaus. Nur hier hatte es noch länger gedauert, die Eltern von den Veränderungen zu informieren und zu überzeugen. Manch einer hat es auch heute noch nicht "verstanden".Selbstverständlich galt und gilt die Anwendung des § 223 für Menschen aller Altersgruppen. Da aber die Erkenntnis mancher Menschen erst noch "reifen" musste, dass auch das Schlagen der Kinder zu Erziehungszwecken eine Verletzung darstellt, musste ein deutliches Gesetz her. Leider helfen manchmal nur Verbote und Strafandrohung, wenn Aufklärung nichts nutzt. Die Tatsache, dass es auch heute noch Menschen (Eltern) gibt, die es vollkommen in Ordnung finden, ihre Kinder zu schlagen, sie nicht nur körperlich sondern auch seelisch zu misshandeln, gibt zu denken. Aussagen, wie: "Das hat uns früher auch nicht geschadet!" Oder "Ein Klaps auf den Po ist kein Schlagen!" verdeutlichen, dass es immer noch nicht in allen Köpfen verankert ist, dass wir längst im Zeitalter der gewaltfreien Erziehung angelangt sind.

Züchtigung ist eigentlich schon seit 1989 verboten.

Ich vermute, dass es so ist, wie fraufrings schon geschrieben hat. Dass das von dir genannte Gesetzt entstand, um die Kinder noch zusätzlich abzusichern, etc...

Ich finde das gut. GSD sind die Zeiten vorbei, in denen Züchtigung (sogar noch an Schulen) erlaubt war.

Gewalt kann nie eine Lösung sein. Schon gar nicht in der Kindererziehung.

Ich würde auch ausnahmslos jeden einzelnen Fall beim Jugendamt melden, wenn nicht sogar anzeigen.

Das Gesetzt gilt für Erwachsene wie für Kinder. Aber die Kinder sind jetzt zusätzlich noch mehr abgesichert gegen Gewalt, bzw. die Bestrafung bei Gewalt und Misshandlung. Einfach um die Dringlichkeit und das Verbrechen daran noch mal deutlicher zu machen. Dazu kommt, dass Kinder sich schlecht selbst anzeigen können. Also hat der Staat jetzt quasi ein Gesetz geschaffen, was anderen ermöglicht für sie zu handeln.

fraufrings 04.06.2010, 12:58

PS: Früher wurden die Kinder in der Schule sogar vom Lehrer geschlagen. Das gehörte damals irgendwie dazu. Das darf jetzt natürlich auch keiner mehr machen.

0
Schreiberlilli 05.06.2010, 23:39
@fraufrings

Es war aber schon sehr viel früher, als es normal, erlaubt und sogar erwünscht war, dass Kinder in der Schule von Lehrern zu Erziehungs- und Bestrafungszwecken geschlagen wurden.

Leider ist es dagegen in manchen Familien auch heute noch üblich, dass Eltern ihre Kinder schlagen.

0

Es heisst ja ganz klar "misshandelt". Unter misshandeln versteh ich schon eher Schläge, die bis fast zur Ohnmacht führen.

.

Und selbst früher - wer das gemacht hat - hat sich strafbar gemacht!

.

Der neue Gesetzesentwurf wurde wohl deswegen extra zum Schutze Kinder aufgesetzt, da Kinder bis zum 16. Lebensjahr nicht rechts- oder handlungsfähig gelten und Eltern den Vormund bilden.

tanztrainer1 04.06.2010, 15:43

Da krähte aber in den 50er und teilweise auch später noch kein Hahn danach, wenn jemand seine Kinder verprügelte! Da wurde höchstens gesagt, der wird das schon gebraucht haben!

0
Stan82 04.06.2010, 15:55

Auch eine Ohrfeige ist eine körperliche Misshandlung im Sinne des Gesetzes. Insofern liegen auch die meisten Kindeszüchtigungen über der Erheblichkeitsgrenze.

0
BRINCHEN82 04.06.2010, 17:29
@Stan82

Trotzdem ist eine Ohrfeige oder immer noch keine Misshandlung! Es ist körperliche Gewalt wenn ihr das so wollt, ja.

.

Aber bei einer Ohrfeige von misshandeln zu sprechen, ist arg weit her geholt. So wird es wohl auch gesetzlich gesehen.

.

Aber das hier soll ja nun keine Disskussion werden. Jedenfalls wurde der Gesetzesauszug zum Schutze Kinder gesondert geregelt, da diese bis zum 16. Lebensjahr nicht rechtsfähig sind.

0
Schreiberlilli 05.06.2010, 23:35
@BRINCHEN82

Doch! Eine Ohrfeige IST eine Misshandlung. Es geht nicht darum, ob jemand NUR geschlagen wird oder BIS ZUR OHNMACHT geschlagen wird. Eine MISShandlung ist eine FALSCHE BEhandlung des Menschen. Es gibt außer der körperlichen Misshandlung auch die seelische/psychische Misshandlung. Auch das ist eine falsche Behandlung des Menschen.

0
Vorsorglich 08.06.2010, 23:32
@Schreiberlilli

Was soll man mit den Eltern machen, die von Ihren Kindern seelisch und psychisch Misshandelt werden. Da kann man nichts machen, nur gut zureden. Man kann sich auf die Kinder später freuen, aber nicht Ihre Eltern. Leute die Kinder misshandeln, sind kriminell. Aber eine Ohrfeige ist nicht misshandeln. Ich bekam auch im Jahr eine oder zwei Ohrfeigen, meistens hat man darüber gelacht, weil man es kaum gespürt hat. Aber es war eine bessere Abschreckung als den Kindern irgendwelche dumme Vergleiche zu erzählen.

0
Linzerin83 08.11.2010, 21:17
@BRINCHEN82

@BRINCHEN82: Es geht nicht darum, was DU persönlich unter Misshandlung verstehst. Es gibt eine klare Definition, was Misshandlung bedeutet.

Jede Form von Gewalt ist laut Gesetzt eine Misshandlung. Ein Klaps am Po oder eine Ohrfeige gehört genauso dazu.

Auch psychische Gewalt wie Liebesentzug, Demütigungen, etc... sind Misshandlungen.

0
Linzerin83 08.11.2010, 21:27
@Vorsorglich

@Vorsorglich: Eine Ohrfeige ist sehr wohl misshandeln. Rechtlich gesehen fällt jede Form von Gewalt unter Misshandlung. Egal obs ein Klaps am Po, ne Ohrfeige oder richtige Prügel sind.

Bessere Abschreckung??? Findest du es richtig, Kinder zu erziehen, in dem man ihnen Angst macht?

0

Was möchtest Du wissen?