Was wäre, wenn eine Diktatur in Deutschland herrschen würde?

13 Antworten

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Ich habe das 3. Reich erlebt. Unter den heutigen Vorraussetzungen hätte eine Diktatur kaum eine Chance. Es sei denn, das alte Sprichwort würde wahr. Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis. Es ist den Menschen noch nie so gut gegangen wie in der heutigen Demokratie, selbst wenn auch die Demokratie nicht den Idealzustand bietet.

Aber zu deinen anderen Fragen. Damals waren die Parteien im Reichstag wahnsinnig zerstritten. Es gab immer wieder neue und immer mehr Splitterparteien. Das Regieren war fast unmöglich. Die Arbeitslosenzahl stieg auf über 6 Millionen. Die Menschen sehnten sich nach einem starken Mann, der Ordnung schaffte. Unter diesen Bedingungen wäre es nicht nur in Deutschland, sondern in jedem anderen Land möglich, dass eine Diktator, ob von rechts oder links, an die Macht käme.

Die Frage nach dem Widerstand kann ich nur aus der damaligen Sicht beantworten. Nach der "Machtergreifung" verschwanden schon bald die Arbeitslosen. Den Menschen ging es besser als vorher. Niemand hat geahnt, wohin das alles führte. Die Menschen waren also zufrieden und hatten keinen Grund zum Widerstand. Es waren nur wenige, die Widerstand geleistet haben. Das Regime war aber viel zu gut organisiert, um erfolgreich Widerstand zu leisten. Wie die Vergangenheit zeigt, war jeder Widerstand ein Himmelfahrtskommando und hat tödlich geendet.

Ich persönlich wuchs unter dieser Diktatur auf. Ich habe der Propaganda geglaubt. Eine Vergleichsmöglichkeit gab es nicht. Erst nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in das völlig zerstörte Deutschland habe ich begriffen, für welche Diktatur ich 5 meiner schönsten Jahre verloren hatte.

Also ich würd es ehrlich gesagt begrüssen, wenn es eine Diktatur geben würde, VORAUSGESETZT es ist der richtige Diktator. Er müsste nach allen moralischen Grundsätzen handeln, auf sein Volk hören usw. Quasi wie in einer Demokratie nur halt einfacher und unkomplizierter, sodass man keine 10 jahre braucht um ein Gesetz durchzubringen, weil irgendein Politiker meint er verdiene dann wenieger oder so. Also ich würde mich bei so einer Diktatur hinter den Diktator stellen und ihn unterstützen.

Da könntest du gleich sagen: "Ich bin für ne Diktatur, aber nur wenn Rotkäppchen der Diktator ist."

So eine Diktatur wird es NIEMALS geben und ich würde auch keinem Diktator glauben wenn er mir erzählt, dass er so eine Diktatur durchführen will.

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@FuckingBurnOut

Das ist dann ne andere Frage. Dass es sowas (whrscheinlich) nicht geben wird ist klar, aber wir bewegen uns ja im Bereich der Theorien und ,,Was wäre wenn"- Fragen

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@FuckingBurnOut

Dann besuche Bhutan und du wirst ein Volk kennenlernen, dass vor einigen Jahren die Einführung der Demokratie abgelehnt hat und mit seinem jetzigen Herrscher zufrieden ist.

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Der Gedanke ist schon ganz nett, einen moralisch gefestigten Diktator zu haben, der sich ohne viel Herumgerede um die Sorgen des Landes und der Bürger kümmert. Da gibt es nur ein klitzekleines Problem: Unterschiedliche Meinungen. Denn dass der Diktator nicht objektiv handelt ist ja klar, er ist immerhin auch nur ein Mensch. Er muss sich immer für und damit auch gegen etwas entscheiden. Nimmt er Umweltsünden in Kauf im gegenzug für eine Ankurbelung der Wirtschaft? Entscheidet er sich für mehr Arbeitplätze oder für einen Wettbewerbsvorteil? Und was sagt dann die Opposition? Die Umweltschützer protestieren und sagen: Sch*iß auf die Wrtschaft! Es kommt zu immer mehr Unruhen, weil sich viele nicht gerecht vertreten fühlen, weil ihre Stimmen nicht gehört werden, oder ignoriert werden. Wie soll man sich gegen Staatsgewalt schützen? Was tut man, wenn bei Demos Wasserwerfer verwendet werden um Aufrührer zu stoppen - aber auf Befehl des Diktators? An wen wendest du dich dann? Wer hilft dir, wenn Fehler gemacht werden, auf höchster Stufe?

Und vor allem: Selbst wenn dieser Diktator so toll ist, was ist mit dem nächsten? Und dem danach? Sind die auch alle ganz toll? Und wenn nicht, was machst du dann? Auswandern?

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@beatingworld

Dann beschäftige dich doch mal mit Bhutan und seiner Historie. Ein seltenes aber dennoch reales Gegenbeispiel deiner These.

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Ich glaube nicht, dass das möglich wäre. Klar gibt es immer wieder Tendenzen nach rechts oder links, wenn es mal wieder eine Krise gab, aber ernsthafte Konkurrenz wird das wohl kaum für die großen Parteien. Außerdem sind die Deutschen unglaublich Diktaturgeschädigt. Immerhin haben wir beide Extreme innerhalb eines Jahrhunderts durchgekaut, mit dem Ergebnis: Alles, was nach Nazi aussieht ist böse und alles, was nach Kommunist aussieht ist auch böse. Außerdem geht es uns ja ziemlich gut in unserer Demokratie, zumindest der Mehrheit, und die entscheidet das ja.

Und wenn der Fall einer rechten Diktatur eintritt: Ich würde nicht sofort in den aktiven Widerstand, dazu bin ich nicht mutig genug und dazu würde es mir am Anfang wahrscheinlich auch nicht schlecht genug gehen. Allerdings würde ich den Widerstand unterstützen, Mundpropaganda betreiben und, wenn es schlimmer wird, vermutlich tatsächlich auch Aktionen planen. Rechtes Gedankengut geht mir einfach wahnsinnig gegen den Strich.

Im Fall einer linken Diktatur: Da gehöre ich dann wohl zu den Leuten, die hoffen, dass das alles noch besser wird, dass man nicht auf der Stufe der Diktatur hängen bleibt, sondern wirklich kommunistisch wird, aber ich weiß nicht, ob das lange halten wird. Das kommt wohl darauf an, welchen Eindruck man im System selbst vom System bekommen kann. Von außen zu sagen, dass etwas schlecht ist ist viel einfacher, als das zu sagen, wenn man mittendrin steckt.

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