Was versteht Schiller unter Schönheit?

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Im Gegensatz zu Kant vertrat Schiller das Ideal einer Moralität, das Neigung und Pflicht zu verbinden suchte. Diese Möglichkeit sah er im Bereich des Ästhetischen. Die Ästhetik sei der Weg, über den der sinnliche Mensch vernünftig gemacht werde. Schiller unterscheidet zwei Arten von Schönheit: einmal die Schönheit, die von Natur gegeben ist (Vorzüge des Leibes, wie dem Körperbau, der schönen Haut oder der wohlklingenden Stimme, die man „bloß der Natur und dem Glück zu verdanken hat.“) und die Anmut (oder auch Grazie) der „schönen Seele“. Was ist aber die „schöne Seele“? Hierzu sagt Schiller: „In einer schönen Seele ist es..., wo Sinnlichkeit und Vernunft, Pflicht und Neigung harmonieren, und Grazie ist ihr Ausdruck in der Erscheinung.“ (Grazie wird hier als Synonym für Anmut gebraucht). Wie erreicht man Anmut? Anmut ist die Schönheit derjenigen Erscheinungen, welche die Person bestimmt, indem sie sich zur „schönen Seele“ hinaufschwingt. Den „Status“ der schönen Seele erreicht man – mit Schiller gesprochen – auf folgende Weise: "Eine schöne Seele nennt man es, wenn sich das sittliche Gefühl aller Empfindungen des Menschen endlich bis zu dem Grad versichert hat, dass es dem Affekt (Empfindung, Trieb) die Leitung seines Willens ohne Scheu überlassen darf und nie Gefahr läuft, mit den Entscheidungen desselben im Widerspruch zu stehen. Daher sind bei einer schönen Seele die einzelnen Handlungen nicht sittlich, sondern der ganze Charakter ist es. Man kann ihr auch keine einzige darunter zum Verdienst anrechnen, weil eine Befriedigung des Triebes nie verdienstlich heißen kann. Die schöne Seele hat kein andres Verdienst, als dass sie ist. Mit einer Leichtigkeit, als wenn der bloße Instinkt aus ihr handelte, übt sie der Menschheit peinlichste Pflichten aus.“

Echt gut erklärt! Vielen Dank!!! Vielleicht kannst du mir gleich noch eine Frage beantworten: Inwiefern kann man sagen, Schiller "vermischt" mehrere Gedanken Kants und formt daraus seinen Begriff der Schönheit? Und: Kann ich die Begriffe Schönheit und Ästhetik in Bezug auf Schiller gleichsetzen?

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@Emma1215

Schiller hat ellenlange Schriften über die Ästhetik verfasst und sich darin mit Kant auseinandergesetzt. Spontan würde ich sagen: Schiller hat bestimmte Begriffe Kants aus dessen „Kritik der Urteilskraft“ verwendet und neu in Bezug auf die Ästhetik, wie er sie verstand, interpretiert, z.B. „das Sittengesetz“, „der moralische Sinn“, „das Erhabene“. – Ästhetik ist nicht gleich Schönheit, sondern die Lehre von der Schönheit. Oder die einzelnen Merkmale eines „schönen“ Kunstwerkes wie Metaphorik, Symbolik, Strophik, Versmaß, auch Tragik (die „Vergnügen“ bei uns auslöst; s. Schiller) gehören zur Ästhetik. Die Ästhetik bezieht sich also immer auf ein Kunstwerk, nicht auf irgend etwas Schönes, wie z.B. eine Landschaft. Die genannten „ästhetischen“ Merkmale tragen dazu bei, dass wir das Werk als schön empfinden. Auch diese Wirkung nennen wir ästhetisch, nicht das „schöne“ Werk selbst. Wir sagen also zu dem Gedicht Goethes „An den Mond“: das ist schön und nicht: das ist ästhetisch. Aber es übt eine ästhetische Wirkung auf mich aus (Schiller: es versetzt mich in einen “ästhetischen Zustand“).

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Friedrich Schiller, Kallias-Briefe (1793), „Ueber Anmuth und Würde“ (1793) und Briefe „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ (1793/1795), sind wichtige theoretische Schriften zu Schillers Ästhetik.

Friedrich Schiller lehnt sich an Kants Überlegungen zur Ästhetik an, strebt aber einen Übergang von der sinnlichen Abhängigkeit (Notwendigkeit) zur moralischen Freiheit an und versucht Schönheit objektiv zu bestimmen. Schönheit ist eine Form der Vollkommenheit.

Der Gegenstand ist geformter Stoff. Die Formung bedeutet, einer Vernunftnorm unterworfen zu werden. Schönheit ist nach Schiller die Erscheinung eines Gegenstandes unter der Form der praktischen Vernunft (bei Kant liegt dagegen an dieser Stelle mit dem Geschmacksurteil ein Begriff der Urteilskraft zugrunde).

Stoff (Material) der praktischen Vernunft sind Handlungen (Wirkungen). Die Übereinstimmung des Geformten mit der Vernunft kann notwendig (vernunftgemäß) oder zufällig (vernunftähnlich) sein. Die Übereinstimmung einer nicht-freien Wirkung mit der Form der praktischen Vernunft ist zufällig. Um Übereinstimmungen zu finden, muß die Vernunft dem Material ihre Form leihen und sehen, ob es unter dem Vernunftblick eine vernünftige Erscheinung bietet. Bei der Schönheit gibt es eine Analogie (Entsprechung) des Gegenstandes mit der Form praktischer Vernunft, nämlich mit Autonomie und Freiheit.

Schönheit liegt nach Schillers Verständnis in der Autonomie und Freiheit im Erscheinen und in den Kallias-Briefen heißt es:

„Analogie einer Erscheinung mit der Form des freien Willens oder der Freiheit ist Schönheit (in weitester Bedeutung).

Schönheit also ist nichts anderes als Freiheit in der Erscheinung.“

Schön ist das, dessen Form als selbstbestimmt erscheint. Schönheit bildet dabei eine Brücke zwischen Sinnlichkeit und Vernunft. Das Schöne genießen wir als Individuum und als Repräsentanten der Gattung.

Die Freiheit der schönen Objekte bei Schiller ist eine subjektive Zuschreibung, ein Anschein, keine tatsächliche. Die ästhetische Beurteilung richtet sich darauf, wie ein Gegenstand in Erscheinung tritt (sinnenfällig wird), nicht wie er tatsächlich ist. Die Vorstellung vom Schönen gründet darin, daß der Gegenstand einen von einer Regel bestimmten Anschein bietet. Ein Gegenstand verliert aber seine Schönheit, wenn wir entdecken, daß der Bestimmungsgrund in etwas anderem liegt. Eine Regeln setzende Zweckbestimmtheit darf nicht als solche erscheinen.

Bei Schiller gibt es eine Verbindung des Schönen mit einer Übereinstimmung und Harmonie im freien Spiel der Gefühle/Gemütskräfte. Der Spieltrieb erreicht eine Synthese (Gegensätze überspannenden und vereinigende Verbindung) von Formtrieb und Stofftrieb.

Naja, Sachen, die einen poistiven Eindruck hinterlassen ;)

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