Was versteht man unter dem Zitat " ... denn es ist ein Irrtum, zu glauben, der Autor selbst sei der beste Kenner und Kommentator seines eigenen Werkes." T.M.?

...komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Ich deffiniere das mal so für mich: Jede Meinung, Aussage o.ä. welche jemand trifft hat verschiedene Betrachtungsweisen. Der Autor hat seine persönliche, der Leser kann diese Aussage auch ganz anderst Interprettieren als es vom Autor beabsichtigt war. Dies wirft dann verschiedene Ansichten auf eine Aussage welche positiv oder negativ sein kann. Dadurch können verschiedene Aspekte in ein Thema einfließen. Bei politischen Debatten zum Beispiel macht Politiker A eine Aussage. Durch die Ansichten von Politiker b und c welche die Aussage ganz anderst interprettieren, kann Politiker a eine andere Betrachtungsweise auf seine Aussage oder "werk" bekommen. Das Zitat bedeutet so viel wie: Lass andere Meinungen,Kritik, Anregungen in deine Aussage "werk" einfließen, denn alles hat verschiedene Betrachtungsweisen.

Hoffe dir irgendwie geholfen zu haben. Solche Zitate schriftlich zu deuten ist nicht gerade einfach :). Dies ist meine eigene Interprettation dazu.

Nagihannn 19.01.2017, 00:09

Dankeschön das werde ich mir merken :)

1

Ich interpretiere es so: wenn man etwas selbst "erschaffen" hat in dem Fall ein Literarisches Werk ist es nicht zwangsläufig so dass man es deswegen am besten kennt und deutet. Ein "neutraler" Betrachter interpretiert ggf ganz anders als der Ersteller der dabei seine Persönlichkeit - Gedanken und Lebenssituation eingebracht hat. 

Ich gehe — nicht allein, um die Gemüter hier wieder zu beruhigen — davon aus, dass Thomas Mann seine eigene Aussage mit einem Augenzwinkern gemeint haben könnte und damit sowohl am Leser als auch am Autor eine wohlwollende Kritik üben wollte.

Ja, 13tanja12, Autoren haben oft eine gewisse Engstirnigkeit. Ein Freund von mir, der selbst schreibt und seine Kapitel regelmäßig veröffentlicht, merkt nach eigener Aussage nicht, dass er immer seinen aktuellen Gefühlszustand verarbeitet, sodass man — wenn man ihn, den Freund, kennt — diesen ohne vorausgegangenes Gespräch über ebendiesen wie aus einem offenen Buch herauslesen kann, was ihn jedes Mal verwundert.

Natürlich kann man als Leser mehr und andere Interpretationen finden, als der Autor selbst. Nicht jeder Autor macht sich viele Gedanken, wie man das, was er schreibt interpretieren kann. Andere haben eine ziemlich genaue Vorstellung. Allerdings versuchen einige, darunter Lehrer und Leute, die für ihre Facharbeiten auf bestimmte Deutungen und Interpretationsrichtungen angewiesen sind, möglichst viel und möglichst in eine bestimmte Richtung ins Werk hineininterpretieren, wie Schattentochter in ihrer Antwort über Tolkien andeutet.

Und ebenso darf natürlich jeder sich an einer eigenen Interpretations versuchen und diese für richtig befinden. Dafür wurde das Werk veröffentlicht. Allerdings wurde das Werk aus der Intention und Fantasie des Autors heraus geschrieben und somit folgt es letztendlich auch seinen Regeln. Ob man das akzeptiert oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen, wie auch Schattentochter mit ihrem Kommentar sicherlich sagen wollte.

earnest 19.01.2017, 15:58

DH.

Allerdings habe ich Schattentochter ein wenig anders verstanden.

;-)

0
Minilexikon 19.01.2017, 16:05
@earnest

Ihre Antwort oder ihren Kommentar?

Ich verstehe ihre Antwort als pro Leser und ihren Kommentar als pro Autor. Wunderte mich auch etwas...

0

Er meint damit, dass auch jemand, der eine Sache erschafft, nicht automatisch alle Aspekte dieser Sache kennt und interpretieren kann - sowie Interpretationen anderer ausschließen.

Es bezieht sich auf die interpretative Freiheit des Konsumenten der Werke - ein Standpunkt also, der davon ausgeht, dass jemand, der etwas schreibt, noch lange nicht vollständig weiß, was er da alles sagt.

Ich für meinen Teil kann diese Ansicht ja nicht ausstehen. Wenn ich eine Geschichte über einen Kastanienbaum schreibe, mit der ich versuche, Kritik an der Umweltverschmutzung zu üben, dann ist's mir herzlichst egal, ob XY der Meinung ist, ich kritisiere damit die Hippies. Ich hab's geschrieben, also weiß ich auch, was ich damit sagen will. Meiner Ansicht nach legt das dem Autoren Worte in den Mund - und das finde ich schlimm.

Gut zu erkennen ist das bspw. bei Tolkien - er selbst hat fortlaufend die Interpretation des Herrn der Ringe als "Allegorie auf den 2. Weltkrieg" dementiert - aber Besagte hält sich wacker und wird von vielen vertreten. Nach Thomas Manns Zitat ist das legitim.

Ich hoff, das hilft^^

earnest 19.01.2017, 07:44

Das IST auch legitim.

Schließlich hat der Autor das Werk in die Welt gebracht und es nicht in seinem Schreibtisch verbuddelt.

Jeder hat das Recht, jedes Werk nach Gutdünken zu interpretieren.

Ganz unabhängig davon, ob das nun die "richtige" Interpretation ist oder nicht.

1
Schattentochter 19.01.2017, 13:52
@earnest

Das ist eine Meinungsfrage.

Ich seh's anders und werd's immer anders sehen.

Der Ansatz "jeder darf, was er will" kommt aus der Generation "Will abaaah" und ist meiner Ansicht nach nicht besser argumentierbar, als der gegenteilige. -> ERGO: Meinungsfrage. Und de gustibos nun disputandum.

Übrigens wär's interessant, zu sehen, was du sagen würdest, wenn du Zeit und Aufwand in ein Werk gesteckt hättest, in dem du ein für dich bedeutsames Thema besprechen wolltest und irgendein Hanswurst erklärt's knallhart zum Gegenteil, weil's ihm gerade Spaß macht.

Aber natürlich würdest du das völlig lächelnd wegstecken... 

Diese Meinung wird interessanterweise so gut wie immer von Leuten vertreten, die selbst keine Schriftkunst schaffen. Oder bist du da die Ausnahme? (Das soll nicht so provokant klingen, wie es sich vielleicht liest. Bitte einen normalen Tonfall dazudenken^^)

0
earnest 19.01.2017, 15:57
@Schattentochter

Aber sicher würde ich das lächelnd wegstecken.

Und das, was ich bisher gelegentlich ''geschaffen" habe, würde ich nicht als "Schriftkunst" bezeichnen, wohl aber als "Schrifthandwerk".

Ganz ohne Schärfe: Ich weiß also sehr genau, wovon ich spreche.

P.S.: "Jeder darf, was er will" möchte ich - wiederum ganz ohne Schärfe - als polemische Überspitzung meiner Worte deuten, mit denen ich mich für eine grundsätzliche Interpretationsfreiheit ausgesprochen habe.

Daraus solltest du keinen Kindergarten machen, finde ich. 

Aber, wie du selbst sagst: "De gustibus..."

0
Schattentochter 20.01.2017, 05:21
@earnest

Ich weiß es auch - und wer hat jetzt Recht?

Ich mache keinen Kindergarten - ich impliziere schon die ganze Zeit, dass es eine Frage der Meinung ist, während du immer noch versuchst, die meinige auf der Basis deines Geschmacks zu relativieren. Da stellt sich doch klar und deutlich die Frage, WER sich hier in einer regressiven Phase befindet. ;)

Und jetzt lass mich in Frieden, wie wär's?

Dein Schrifthandwerk ist für mich irrelevant und ich hoffe bei Gott, dass du meine Schreiberei nie vor Augen haben wirst.

0

Ich würde sagen, dass Thomas Mann Autoren unterstellen möchte, dass sie auf eine Art und Weise vielleicht keine Ahnung von ihren eigenen Werken haben oder das Werk eben nicht so bewerten, interpretieren und kommentieren würden, wie es eine außenstehende, neutrale Person tun würde. Vielleicht deutet er hier die Voreingenommenheit und sogar Engstirnigkeit der Autoren ihrem eigenen Werk gegenüber an.

earnest 19.01.2017, 07:45

Ich glaube, du gehst hier zu weit.

Da kann es doch auch ein "friedliches Nebeneinander" geben.

0

Was "man" darunter versteht, kann "man" nicht sagen - das zeigen schon die grundverschiedenen Antworten hier auf der Seite.

Ich verstehe darunter: Thomas Mann möchte betonen, - und da bin ich ganz seiner Ansicht - dass NIEMAND das Exklusivrecht auf die Interpretation eines in die Welt gesetzten Werks besitze, auch nicht der Autor oder der Künstler. 

Gruß, earnest

Was möchtest Du wissen?