Was versteht man unter Verfremdungseffekt?

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1 Antwort

Du beziehst Dich vermutlich auf die Stücke von Brecht.

Denn was Du beschreibst, ist eine Illusion (also eine Theaterhandlung), die in der Art ihrer Darstellung klarmacht, dass sie nur eine Theaterhandlung ist und nicht die Realität. Der Zuschauer wird also aus der Illusion, in ein Geschehnis "eingetaucht" zu sein, absichtlich herausgerissen, um ihn zum Hinterfragen der Handlung und zum Nachdenken über die Handlung zu bringen.

Diese Technik wurde auch schon in der Romantik benutzt, indem beispielsweise eine Person sagt: "Dort ist der Brunnen, in den ich auf Seite 273 fallen werde". Auch Woody Allen benutzt diese Technik oft. Im Film "Der Stadtneurotiker" labert beispielsweise ein Typ ein Mädchen mit hochgestochenen Phrasen voll. Gleichzeitig poppt in der rechten oberen Ecke in einem Stern der Satz "authors message" auf. Sogar in der Musik gibt es diese Technik, hör Dir mal Erik Satie an. Oder auch einige Haydn-Sinfonien.

Diese Verfremdungseffekte sagen auch etwas über die Situation von Künstlern aus, die ja immer zwischen zwei Anliegen stehen. Einerseits möchten sie ihre Rezipienten verzaubern und in ihr Kunstwerk "hineinziehen", andererseits möchten sie nicht, dass er seine Urteilskraft "an der Kasse abgibt", indem er nur noch gedankenlos und seelig auf seinem Kunstwerk dahintreiben will. Deshalb "wecken" sie ihn gerne immer mal wieder auf, was ihn durchaus oft ärgert und zur Ablehnung des Werkes veranlasst.


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