was versteht Kant unter subjektives Recht?(in Metaphysik der Sitten)

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Der Ausdruck „subjektives Recht“ kommt bei Kant anscheinend nicht vor. In seinem Werk „Die Metaphysik der Sitten“ gibt es in der Rechtslehre Einteilungen des Rechts, in denen der Begriff „subjektives Recht“ aber nicht auftritt. Auch in Kant-Wörterbüchern (Rudolf Eisler; Georg Samuel Albert Mellin) wird er nicht erwähnt.

Der Begriff stammt wohl aus einem Skript und für eine Klärung ist eine Angabe erforderlich, womit der Ausdruck in diesem Skript inhaltlich verbunden wird.

Ich habe nur eine allgemeine Erläuterung gefunden, in der kein besonderer Bezug zu Kant vorkommt.

Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Begründet von Friedrich Kirchner und Carl Michaelsen. Fortgesetzt von Johannes Hoffmeister. Vollständig neu herausgegeben von Arnim Regenbogen und Uwe Meyer. Hamburg : Meiner, 2005, S. 553:

Subjektives Recht (Berechtigung): ein fest umrissener Bereich rechtlich anerkannten Dürfens der Person, in den einzugreifen anderen verboten ist. Darunter fallen: Persönlichkeitsrechte (Rechte auf Anerkennung und Nichtverletzung bestimmter Erscheinungsformen der Persönlichkeit, z. B. Name, Ehre, Urheberrechte), Sachenrechte (z. B. Eigentum, Nießbrauch, Pfandrechte), Forderungen (Ansprüche auf ein Tun oder Unterlassen gegen eine andere Person), Mitgliedsrechte (Rechte der Mitglieder eines Verbandes auf Teilnahme oder auf eine bestimmte Betätigung) und Gestaltungsrechte (z. B. Kündigungsrecht).“

Es gibt Stellen in der Rechtlehre bei Kant, in denen etwas subjektiv genannt wird oder das persönliche Recht vorkommt, z. B.:

Immanuel Kant, Die Metaphysik der Sitten. Erster Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre. Der allgemeinen Rechtslehre erster Teil. Das Privatrecht vom äußeren Mein und Dein überhaupt. Erstes Hauptstück. Von der Art, etwas Äußeres als das Seine zu haben. § 1 AB 55 „Das Rechtlich-Meine (meum iuris) ist dasjenige, womit ich so verbunden bin, daß der Gebrauch, den ein anderer ohne meine Einwilligung von ihm machen möchte, mich lädieren würde. Die subjektive Bedingung der Möglichkeit des Gebrauchs überhaupt ist der Besitz“.

Immanuel Kant, Die Metaphysik der Sitten. Erster Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre. Der allgemeinen Rechtslehre erster Teil. Das Privatrecht vom äußeren Mein und Dein überhaupt. Zweites Hauptstück. Von der Art, etwas Äußeres zu erwerben. § 10 Allgemeines Prinzip der äußeren Erwerbung AB 79 – 80 "Einteilung der Erwerbung des äußeren Mein und Dein

1 Der Materie dem Objekte nach erwerbe ich entweder eine körperliche Sache (Substanz) oder die Leistung (Kausalität) eines anderen oder diese Person selbst, d. i. den Zustand derselben, so fern ich ein Recht erlange, über denselben zu verfügen (das Commercium mit derselben)

2) Der Form (Erwerbungsart) nach ist es entweder ein Sachenrecht (ius reale) oder persönliches Recht (ius personale) oder ein dinglich-persönliches Recht (ius realiter personale) des Besitzes (obzwar nicht des Gebrauchs) einer anderen Person als einer Sache.

3) Nach dem Rechtsgrunde (titulus) der Erwerbung; welches eigentlich kein besonderes Glied der Einteilung der Rechte, aber doch ein Moment der Art ihrer Ausübung ist: entweder durch den Akt einer einseitigen, oder doppelseitigen, oder allseitigen Willkür, wodurch etwas Äußeres (facto, pacto, lege) erworben wird.“

Immanuel Kant, Die Metaphysik der Sitten. Erster Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre. Der allgemeinen Rechtslehre erster Teil. Das Privatrecht vom äußeren Mein und Dein überhaupt. Drittes Hauptstück. Von der subjektiv-bedingten Erwerbung durch den Ausspruch einer öffentlichen Gerichtsbarkeit. § 36 AB 140: „Die Frage ist also hier nicht bloß, was ist an sich recht, wie nämlich hierüber ein jeder Mensch für sich zu urteilen habe, sondern, was ist vor einem Gerichtshof recht, d. i. was ist Rechtens?“

AB 141: „Es ist ein gewöhnlicher Fehler der Erschleichung (vitium subreptionis) der Rechtslehrer, dasjenige rechtliche Prinzip, was ein Gerichtshof, zu seinem eigenen Behuf (also in subjektiver Absicht) anzunehmen befugt, ja sogar verbunden ist, um über jedes einem zustehende Recht zu sprechen und zu richten, auch objektiv, für das, was an sich selbst recht ist, zu halten: da das erstere doch von dem letzeren sehr unterschieden ist.“

Das Recht insgesamt grenzt nach Kant individuelle Rechte, mit dem Willen über Bereiche der äußeren Welt zu bestimmen, gegenseitig ab und schützt so die individuellen Rechte.

Als allgemeines Gebot der Moral hat Kant den Kategorischen Imperativ formuliert. „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ Dieses Gebot fasst zwei Seiten des menschlichen Seins in ein ausgewogenes Verhältnis: Das Sein als Individuum, dessen größter Schatz die Freiheit ist, und das Sein als gesellschaftliches Wesen, ohne das kein Individuum existieren und seine Freiheit optimal umsetzen könnte. So wie das staatliche Gesetz die Berücksichtigung der Rechte der Gemeinschaft und ihr Funktionieren miteinander durchsetzen will, so besteht andererseits aus dem Kategorischen Imperativ ein Recht des Subjekts auf Schutz seiner Freiheitsrechte, soweit sie nicht die Rechte anderer tangieren. Denn durch Wahrung des möglichen und notwendigen Freiraums des Individuums, sichert der Staat ein grundsätzliches Menschenrecht für den Einzelnen. Nur dann handelt der Staat als Interessengemeinschaft aller ohne Willkür.

kannst du bitte ein Beispiel nennen für ein subjektives Recht. Bedeutet subjektives Recht, dass ich als Subjekt eigenständig Gesetze für andere Subjekte erlassen kann oder etwas, dass ich als Subjekt das Recht auf z.B unversehrtheit besitze?

Leider habe ich es noch nicht so klar verstanden...

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@Linasophie

Subjektives Recht bedeutet z.B., dass ich ein Recht auf körperliche Unversehrtheit besitze. Solange ich niemanden tätlich angreife, hat niemand das Recht, mir eins über die Rübe zu geben. Ich habe ein persönliches Recht auf freie Bildung, auf Bewegungsfreiheit, soweit diese nicht aus wichtigen Interessen der Gemeinschaft (Sperrgebiete) eingeschränkt sind.

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Das subjektive Recht ist die aus dem objektiven Recht abgeleitete konkrete Rechtsmacht des Einzelnen (Rechtssubjekt), im eigenen Interesse von einem anderen ein bestimmtes Tun oder Unterlassen verlangen zu können. Subjektive Rechte entstehen aus Rechtsverhältnissen.

http://www.gutefrage.net/policy#Richtlinien: „(12) Die Urheberrechte sind zu achten. Es dürfen keine Inhalte veröffentlicht werden, die die Rechte Dritter verletzen. Dazu zählen Bilder, Videos und Texte, hierbei ist das Urheberrechtsgesetz zu beachten.“

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super, kopieren/einfügen kann ich auch. Wenn ich eine Frage stelle dann meist nach eigener vorrecherche im Internet!

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@Linasophie

Toll! Vielleicht solltest Du auch über Orthographie und Rechtschreibung recherchieren. Immerhin wollte ich nur hilfreich sein ...

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