Was versteh Adam smith unter Produktivität? VWL

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Stoffliche Produktivität und Kapitalproduktivität

Unter Produktivität versteht man allgemein das Verhältnis Ausbringung zu Einsatz, Input zu Output, der aufgewandten Arbeitskraft und der sachlichen Produktionsmittel zur erzeugten Menge, entweder a) der Gebrauchswerte (“stoffliche Produktivität“) oder b) des Kapitals (Kapitalproduktivität). Die stoffliche Produktivität kann gleichbleiben oder sogar steigen, obwohl die Kapitalproduktivität fällt.

Die Unklarheit des Produktivitätsbegriffs entsteht aus der Vermischung oder Verwechslung von Gebrauchswertproduktivität und Kapitalproduktivität.

a) „Die jährliche Arbeit eines Volkes ist die Quelle, aus der es ursprünglich mit allen notwendigen und angenehmen Dingen des Lebens versorgt wird, die es im Jahr über verbraucht. Sie bestehen entweder aus dem Ertrag dieser Arbeit oder aus dem, was damit von andern Ländern gekauft wird. (...) Ein Volk ist (..) um so schlechter oder besser mit allen Gütern, die es braucht, versorgt, je mehr oder weniger Menschen sich in den Ertrag der Arbeit oder in das, was sie im Austausch dafür erhalten, teilen müssen. Zwei Faktoren bestimmen nun in jedem Land diese pro Kopf-Versorgung: Erstens die Produktivität der Arbeit als Ergebnis von Geschicklichkeit, Sachkenntnis und Erfahrung, und zweitens das Verhältnis der produktiv Erwerbstätigen zur übrigen Bevölkerung. Von beiden Umständen muß es jeweils abhängen, ob in einem Land das Warenangebot im Jahr über reichlich oder knapp ausfällt, gleichgültig, wie groß ein Land ist oder welches Klima es hat.überfluß oder Mangel an Gütern dürfte vorwiegend von der Produktivität der Arbeit abhängen.“ (Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, Einführung und Plan des Werkes, S. 3)

Also ist produktive Arbeit ist diejenige, die die „nützlichen und angenehmen Dinge unseres Lebens“ erzeugt. „Ertrag der Arbeit“ ist nicht Wert, sondern Gebrauchswert. Smith spricht auch nicht von Individuen oder Kaufleuten, die wie im wirklichen Leben Waren kaufen oder verkaufen, sondern von „Ländern und Völkern“, die wie in einer kommunistischen Utopie einander mit Gebrauchsgütern versorgen. Auch wo Smith schreibt: „Die Arbeitsteilung dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern“ (Smith, ebd., S. 9), ist von der Erzeugung von Gebrauchswerten, der „technischen Produktivität“ die Rede. „Unproduktive Arbeiter leben ebenso vom Einkommen anderer wie jene, die überhaupt nichts tun.“ (Smith, ebd., S. 274) Besteht jedoch die Produktivität einer Arbeit im Hervorbringen eines Gebrauchswerts, ist der Unternehmer, sobald er nicht mehr oder nur noch geringfügig an der Produktion beteiligt ist, nicht mehr produktiv und „lebt damit von der Leistung anderer“, denn es sind nun mal unbestreitbar die Lohnarbeiter, die die Gebrauchswerte, das heißt die Gegenstände unseres täglichen Lebens erzeugen. Daher versucht man im Zeitalter der multinationalen Kapitalgesellschaften nicht mehr wie im 19. Jahrhundert Produktivität zu definieren, sondern begnügt sich mit einer Weisheit des 17. Jahrhunderts: „Wenn die Reichen nicht viel ausgeben, werden die Armen Hungers sterben.“ (Montesquieu, Esprit des lois, zitiert bei Marx, Theorien über den Mehrwert, MEW Bd. 26.1, S. 274)

b) Bei der Erörterung der Kapitalbildung gibt Adam Smith dagegen eine andere Definition von Produktivität.„Es gibt eine Art von Arbeit, die den Wert eines Gegenstandes, auf den sie verwendet wird, erhöht; es gibt eine andere, die keine solche Wirkung besitzt. Jene kann als produktiv bezeichnet werden, da sie einen Wert hervorbringt, diese als unproduktiv. So vermehrt ein Fabrikarbeiter den Wert des Rohmaterials, das er bearbeitet, im allgemeinen um den Wert des eigenen Lebensunterhaltes und um den Gewinn seines Unternehmers. Die Arbeit eines Dienstboten dagegen erzeugt nirgendwo einen solchen Wert. (...) Wohlhabend wird also, wer viele Arbeiter beschäftigt, arm hingegen, wer sich viele Dienstboten hält. (...)“ (ebd., S. 272/ II, S.48)Die Produktivität einer Arbeit besteht also nicht in der (“gesellschaftlichen“ oder sonstigen) Nützlichkeit und Menge des Produkts, sondern in dessen Wert, und zwar in demjenigen Wert, dessen Produktion den Produzenten „bereichert“, mit anderen Worten: in der Produktion von Kapital. Diese produktive Arbeit kann sich Smith allerdings (im Unterschied zu Marx) nur als Herstellung von Sachgütern vorstellen, da nur in diesen die Arbeit, das heißt der Wert, „gespeichert“ werden könne. Dienstleistungen seien generell unproduktiv, nicht, weil sie keinen Wert hätten, sondern weil sie „im Augenblick ihrer Leistung vergehen“ würden. Adam Smith sucht den Wert im Produkt, statt im Kapital des Produzenten. (Auch die Vermischung von Gebrauchs- und Tauschwert wird hier deutlich: Wenn auch der Dienst als Gebrauchswert im Augenblick seiner Leistung vergeht, so ist doch damit produziertes Kapital nicht weniger haltbar als jedes andere.)

Quelle:http://www.trend.infopartisan.net/trd0900/t350900.html

Sehr ausführlich aber was versteh Smith unter Produktivität in einer kurzen Kern aussage

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