Was unterscheidet Napoleons Schlachten von früheren Kriegen anderer Herrscher?

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In Büchern steht etwas über Napeoleons Kriegskunst und seine Taktik in Schlachten, z. B. bei:

Johannes Willms, Napoleon : eine Biographie. München : Beck, 2005. ISBN 3-406-52956-9

Napoleon hat sich vor allem darin ausgezeichnet, bekannte militärische Mittel virtuos zu handhaben und zu verknüpfen.

Er hat seine Infanterie nicht in starrer Linientaktik (Lineartaktik), sondern Kolonnentaktik (eine abgewandelte Linientaktik) eingesetzt, ergänzt um plänkelnde leichte Infanterie. Eine Kolonne war schmaler, aber tiefer gestaffelt (dadurch widerstandsfähiger gegen Kavallerieangriffe). Nebeneinander marschierende Kolonnen (auch Kolonnenlinie genannt) konnten bei Bedarf unabhängig voneinander vorgehen. In der französischen Armee war die während der Revolution als weitgehend selbständig operierender Großverband mit verschiedenen Truppengattungen die Division als oberste Einheit, später wurden Divisionen zu Korps zusammengefasst.

Die Linientaktik, deren Hauptvorteil war, von der Artillerie weniger leicht getroffen werden zu können, zielte drauf, möglichst viele Gewehre gleichzeitig abfeuern zu können (wichtiger als die Verhinderung von zum Dienst gepressten und wenig motivierten Soldaten). Sie erforderte große Disziplin und lange Ausbildung (Drill mit ständigem Exerzieren) und war daher für das Volksheer der französischen Revolution nicht gut anwendbar. Die Kolonnentaktik ist während der Französischen Revolution schon mehrere Jahre vor Napoleon eingesetzt worden. Ihr Vorteil war größere Beweglichkeit und Flexibilität.

Zur Verteidigung gegen Kavallerieangriffe hat Napoleon Truppen als Quadrat (Karree) aufgestellt (nach vier Seiten hin geschlossene Front), z. B. in der Schlacht bei den Pyramiden (1798).

Napoleon legte Wert drauf, den inneren Zusammenhalt der Truppe zu fördern und sie gut zu motivieren (psychologische Gesichtspunkte), z. B. in direkten Ansprachen an die Soldaten, Worte der Aufmunterung und Anerkennung.

Er war fähig in der weiträumigen Aufstellung und Verteilung der Streitkräfte.

Sein Prinzip war, stets die Initiative über den Gegner zu behaupten oder sie ihm streitig zu machen. Wichtig war die Schnelligkeit der Armee in Gewaltmärschen und eine hohe Beweglichkeit, die auch die Ausführung verwickelter Manöver während einer Schlacht ermöglichte.

Napoleon (ein gelernter Artillerieoffizier) hat eine Anzahl leichter Kanonen direkt den Infanteriedivisionen zugeteilt. Die übrige in Reserve gehaltene Artillerie (damals gab es auch leichtere und beweglichere Geschütze als in der Zeit zuvor) wurde eingesetzt, wenn sich eine Schwäche in der gegnerischen Stellung zeigte, und schnell zusammengezogen um das Feuer auf einen Angriffspunkt zu konzentrieren.

Napoleon konnte Angriffsbewegungen lange Zeit verbergen (einschließlich Ablenkung- und Täuschungsmanöver).

Manchmal täuschte er mit einem weitgefächerten, scheinbar wenig verbundenen Aufmarsch über die wahren Kräfte und einen vorhandenen planvollen Zusammenhalt, um Gegner zur Schlacht zu provozieren. Von Bedeutung waren eine geschickte Koordination und der Versuch, zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle einen entscheidenden Durchbruch oder eine Umzingelung durchzuführen.

Eine große Meisterschaft beim Einsatz nicht neuer Mittel ist zu einer Hervorhebung ausreichend. Napoleon hat auch Niederlagen erlitten und militärische Fehler begangen, aber er besaß große Fähigkeiten und diese waren für Erfolg oder Scheitern in einer Schlacht oder in einem Krieg von erheblicher Bedeutung. Durch siegreiche Kriege hat er für einige Zeit die Herrschaft über große Teile von Europa errungen.

Der Haupterfolg beruht auf der Nutzung leichter Infanterie, die versprengt kämpft. Zu der Zeit war in den meisten Ländern die Linieninfanterie üblich. Reihen von Männern standen sich mit Musketen gegenüber und haben im Verbund aufeinender gefeuert. Die Leichte Infanterie arbeitete versprengt in losem Verbund und konnte von einer feuernden Reihe von Soldaten nicht so effektiv bekämpft werden. Unter anderem war diese Taktik auch nur deshalb möglich, weil die Soldaten für Frankreich freiwillig gekämpft haben und es somit nicht zu Massendesertationen kommen konnte. Bei Ländern, die eben die Soldaten zwangseingezogen haben, wurden diese durch die Reihenformation im Prinzip vor dem Flüchten gehindert. Und die Moral war stabiler, weil man ja rechts und links einen riesen Haufen Leute hatte, die mit einem kämpften.

Noch eine kleine aber hübsche Ergänzung:

Napoleon hat als Erster die Artillerie auf massierte Infanterie wirken lassen und Tirailleure (Proto-Scharfschützen) auf Offiziere im Feld angesetzt.

Die Wirkung bei den Feindarmeen war verheerend. Diese Kampfweise entsprach nicht dem üblichen Verhaltenskodex der Schlachten in der frühen Neuzeit.

Die Preussen sollen in den Revolutionskriegen daraufhin sogar eine Schlacht abgebrochen haben, mit dem Kommentar: "So kämpfen wir nicht." (Ob das so der Wahrheit entspricht ist natürlich nicht mehr nachweisbar.)

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