Was tun bei schweren Beinen?

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1 Antwort

Also; wenn du zu einem Arzt willst, musst du einen sogenannten "Phlebologen" (nicht "Venerologe", der ist für Geschlechtskrankheiten zuständig) raussuchen und einen Termin ausmachen. Meistens stellen die Ärzte dann eine CVI (chronisch venöse Insuffizienz) fest - die gibt es in 3 Stadien. Da du anscheinend keine großartig sichtbaren Beinvenen-Erkrankungen hast, vermute ich mal, dass du allerhöchstens CVI 1 hast oder die Neigung dazu (aber verlass dich nicht drauf, ich bin keine Ärztin).

Gab es in deiner Familie (Eltern, Großeltern) eine Neigung zu Krampfadern? Oder hatte jemand in deiner Familie schonmal eine Thrombose?

Wenn du dir den Umstand mit dem Arzt noch nicht machen willst, kannst du auch schon selbst gegen das schwere Beingefühl ankämpfen:

-1)Du könntest dir Stützstrümpfe (Feinstrümpfe) mit möglichst viel "den" (die Kaufhäuser bieten aber meist, glaube ich, maximal 40 'den' an, und das ist nicht besonders feste - klar fester als "normale" Stützstrümpfe, aber nicht unbedingt hilfreich, wenn man ein leichteres Beingefühl haben möchte (in der Werbung gibt es seit Neuestem zwei Variationen von stützenden Strumpfhosen (weiß die Firma nicht mehr), aber im Sommer sind Strumpfhosen meist eine Qual wegen der Hitze).

-2) Diesen Punkt empfehle ich eher, aber er ist deutlich teurer; geh in ein Sanitätshaus und lass dich beraten (ich würde an deiner Stelle vorher im Internet nach guten Rezensionen suchen, denn nicht jedes Sanitätshaus arbeitet ordentlich, gerade bei einem so wichtigen Thema). 

Es gibt sogenannte Kompressionsstrümpfe (wird gern vom Namen her mit 'Stützstrümpfen' verwechselt), die einen medizinisch ausgearbeiteten, speziellen Druckverlauf haben (die gibt es auch in verschiedenen Klassen von der Festigkeit her), und die man morgens an- und abends auszieht.

Das Gefühl von schweren Beinen kann (und ich sage, kann, bin keine Ärztin) wegen der Hitze oder Veranlagung geweiteten Beinvenen kommen, deren "Venenklappen" innerhalb der Venen das Blut nicht mehr zurück nach oben transportieren können. Die Kompressionsstrümpfe und deren gezielter Druckverlauf "drücken" die Venen so weit zusammen, dass der Bluttransport in den Venen nach oben wieder gewährleistet wird.

Ich nehme an, dass ein Arzt dir die Kompressionsklasse 1 oder 2 verschreiben wird. Kompressionsklasse 1 ist schon deutlich stärker als Stützstrümpfe mit sogar 140 'den'. Es gibt die Strümpfe, je nach Grad des CVI, oberschenkellang, knielang oder als Strumpfhose. Ich vermute, dass für deine Beine knielang erstmal reichen würde.

Ich weiß leider nicht mehr -weil es zu lange her ist, dass ich in Sanitätshäusern gearbeitet habe- welche Klasse (1 oder 2) von der Krankenkasse bezahlt wird. Die am häufigsten verschriebene Klasse ist die 2.

Was ich noch weiß - man kann sich jedes halbe Jahr neue Kompressionsstrümpfe/bzw. zwei Paar pro Jahr verschreiben lassen, weil der medizinisch genaue Druckverlauf nach einem halben Jahr und länger tragen nicht mehr zu 100% gewährleistet ist.

Ich habe, als ich vor vielen Jahren die Fortbildung für das optimale Anmessen der Kompressionsstrümpfe gemacht habe (und dann im Verlauf meiner Berufslaufbahn) bemerkt, dass manche Sanitätshäuser nur pro Bein so 2-3 Maße nehmen und dann mit vermeintlich gekonntem Griff die "richtige" Größe aus dem Regal suchen.

Man muss aber, alleine für die Strümpfe, die bis unter die Kniekehle gehen, genau 6 Umfangmaße des Beines und 4 Höhenmaße plus die Fußlänge messen, um die genaue Größe bestimmen zu können (gibt es mit offener Fußspitze für zB den Sommer, oder auch mit geschlossener...muss man einfach ausprobieren, was einem eher gefällt). Es gibt so etwa 6-7 "Standardgrößen", wenn aber die Beinmaße nicht in die Maßtabelle für Standardmaße passen, müssen die Strümpfe speziell angefertigt werden.

Ich sage dir das mit den Maßen nur, weil die Strümpfe auf keinen Fall zu weit (dann braucht man auch gar keine tragen) oder zu eng sein dürfen (Thrombose- und Blutstau-Gefahr).

Man kann sich auch selber prophylaktisch Kompressionsstrümpfe kaufen, dann ist aber eben noch etwas ungewiss, welche Kompressionsklasse man benötigt, denn das kann eigentlich nur ein Arzt bestimmen. Außerdem sind die Strümpfe im Privatkauf sehr teuer. Aber wenn die Strümpfe richtig angemessen sind, sind sie auf jeden Fall selbst für "gesunde" Beine eine Wohltat. Ich hatte auf meiner Fortbildung welche an und die Beine haben sich gleich nach dem Anziehen ganz leicht und angenehm temperiert angefühlt (die Firma "Medi", die die meisten Sanitätshäuser führen und die eine der führenden Firmen für K-Strümpfe ist, hat sogar diverse Farben zur Auswahl, dass man nichtmals sehen kann, dass du Kompressionsstrümpfe trägst. Und sie haben diverse Materialien - die "leichtest"-hergestellte Version sieht wie ein normaler Feinstrumpf aus).

Meine Mutter hatte einen 12-Stunden-Flug vor sich und auch normalerweise das Problem mit dem schweren Beingefühl, und sie hat sich ganz einfach Strümpfe der Kompressionsklasse 1 anmessen lassen und gekauft, einfach als Thrombose-Prophylaxe, wegen dem langen Sitzen ohne großartige Beinbewegungen.

Inzwischen bieten die Sanitätshäuser auch K-Strümpfe an, die etwas preiswerter sind als die Markenware (Große Marken wie z.B. Medi oder Bauerfeind), die gibt es dann aber hier nur in "fleischfarben/hautfarben" oder schwarz, dort nur mit oder ohne Fußspitze.

In guten Sanitätshäusern wird dir auch die preiswerte Variante angeboten, deren Kosten von der Krankenkasse im Regelfall bis auf eine Zuzahlung von 5-10€ gänzlich übernommen werden.

Bei Markenfirmen, die ein größeres Auswahlspektrum haben, muss man etwas mehr draufzahlen.

So, sorry für den Roman...ich hoffe, ich habe nichts Wichtiges vergessen...

Also manchen Menschen "reichen" wie gesagt auch 'nur' Stützstrümpfe mit einer gewissen 'den'-Höhe, um den Tag über und abends nicht so geschwollene oder sich schwer anfühlende Beine zu haben.

Aber der Unterschied zu Kompressionsstrümpfen ist enorm. Diese müssen morgens gemessen werden, denn dann haben die Beine den schmalsten Umfang und können am besten wirken. Bitte vorher nicht viel rumlaufen oder gar Sport machen. Und man zieht sie morgens nach dem Aufstehen/Duschen an, und abends wieder aus.

Du wirst den Unterschied merken, das kann ich dir zu fast 100% versprechen.

Und abends immer mit der Hand bei etwa 30° durchwaschen (es gibt spezielle Waschmittel für K-Strümpfe, die das Material schonen) und in einem warmen Umfeld bis zum Morgen trocknen lassen (niemals direkt auf eine laufende Heizung legen und bitte nie Weichspüler verwenden).

Noch ein letzter Vorteil; wenn du dir wirklich K-Strümpfe zulegst, kannst du sie als wunderbare Thrombose-Prophylaxe für lange Zug-, Auto- oder Flugstrecken anziehen.

Es gibt zusätzlich spezielle Cremes, zB mit Rosskastanie, die die Durchblutung fördern.

Ich vermute, dass das alles auch der Berater/die Beraterin im Sanitätshaus erklären wird, aber ich konnte jetzt einfach nicht anders, weil ich diesen Beruf liebe ;-)

Also, alles Gute für dich

Gruß Kronz

Vielen Dank für dein hilfreiche Antwort! :)

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