Was spricht gegen eine kapitalistische und konsumorientierte Gesellschaft?

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4 Antworten

Nichts. Der Kapitalismus hat unermesslichen Wohlstand und technischen Fortschritt erschaffen. Aber er ist natürlich keine Garantie auf ein perfektes Leben. Deshalb lassen sich Menschen immer wieder von kommunistischen Heilsversprechen den Verstand vernebeln - mit der Folge von Millionen Toten.

Kapitalismus ist die natürliche Wirtschaftsordnung, weil sie den Menschen so nimmt wie er ist: Ein nach seinem Vorteil suchendes Individuum. Diese Eigenschaft wird zum Nutzen vieler als Leistungsanreiz verwendet.

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Kommentar von NewKemroy
13.07.2017, 00:47

Kennzeichen des Kapitalismus ist z.B. das exponentielle Wachstum der Vermögen. Das natürliche Wachstum hingegen steigt an und stagniert ab einer bestimmten Größe. Insofern ist der Kapitalismus nicht natürlich.

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Es besteht die Gefahr, dass alles nur noch in Geldwerten bemessen wird und der Eigenwert verloren geht. Der Wert eines Menschen z.B. richtet sich im Extremfall ausschließlich nach seiner Produktivität. Betrachtet man ihn nur noch als Kapital, muss er jemandem - in der Regel seinem Arbeitgeber - Gewinn bringen. Das heißt, dieser möchte einen Mehrwert aus der Arbeitskraft "pressen". Kapital bedeutet ja im Grunde, ich investiere etwas und daraus soll mehr werden. Das hat dann zur Folge, dass Ungleichheiten entstehen. Denn wenn z.B. eine bestimmte Menge Geld oder Kuchen oder sonstwas gleichmäßig auf eine entsprechende Menge Menschen verteilt ist und jeder seinen Anteil vermehren möchte, geht das nicht ohne einem anderen etwas wegzunehmen. Natürlich könnte man einfach einen zweiten Kuchen backen oder mehr Geld drucken. Aber wenn unendlich viel Geld gedruckt wird, verliert es seinen Zahlungswert und ist nur noch Papier. Also bleibt grob gesagt, ein Kuchen ein Kuchen. Nehmen wir an, dass drei Leute ihn in gleiche Stücke aufgeteilt haben. Nun möchte einer mehr haben und die anderen beiden werden trotzdem satt und sind einverstanden, dann gibt es zunächst nicht zwangsläufig ein Problem. Sehen aber alle drei ihr Stück als Kapitalanlage und wollen mehr, gibt es mindestens einen Verlierer...

Soweit mir bekannt ist (ich kann mich auch irren), leiht sich unser Staat gegen Zinsen Geld von der Europäischen Zentralbank. Gegen Zinsen. Problem? Wir schulden der Bank also alles an Geld, was in unserer Währung zur Verfügung steht PLUS Zinsen. Das bedeutet, dass wir ihr einen höheren Betrag schulden als überhaupt verfügbar ist...

Und dann kommt mein persönlicher Eindruck hinzu, dass Banken in Etwa so rechnen: (da ich rechnen hasse, folgen unrealistisch kleine Zahlen) Eine Bank, drei Kunden. Zwei davon zahlen jeweils 50,- Euro ein. Sprich, es sind einhundert Euro auf der Bank. Dann kommt der dritte Kunde und leiht sich 50,- Euro von der Bank. Real bleiben also nur noch 50,- Euro auf der Bank. Die anderen beiden Kunden haben aber noch immer nicht über ihr Geld verfügt, so dass ihnen jeweils 50,- Euro zustehen. Also rechnet die Bank nun mit 150,- Euro, die bis zur Rückzahlung des geliehenen Geldes aber gar nicht in Bar vorhanden sind. Das bedeutet, solange nun beide Personen kleinere Überweisungen tätigen oder mit Karte zahlen, fällt das nicht sofort auf. Wenn aber beide ihr komplettes Geld in Bar benötigen, fällt auf, dass der Kuchen zum Großteil nur noch eine Illusion ist. Das Ganze verschärft sich, wenn einer der ersten beiden Kunden sich auch Geld leiht. Vielleicht 20,- Euro. Er verfügt also über 50 plus 20 Euro. Nun kommt der andere, der ja auch 50,- Euro eingezahlt hat und braucht diese in Bar... Wenn man diesen Vorgang auf unsere Gesamtgesellschaft überträgt... Naja, ich denke, Du kannst Dein Fazit daraus ziehen...

Wenn der Staat dann auch noch seine Aufgaben auslagert und an profitorientierte Investoren abgibt, geht das immer zu Lasten der Gesellschaft. Denn was der eine gewinnt, fehlt woanders. Die meisten schuften für den Reichtum weniger. Es gäbe aber selbst in einem kapitalistischen System die Möglichkeit gewisse Dinge umzustrukturieren. Also kann vieles vielleicht nicht als grundlegende Kritik an der Gesellschaftsform gelten.

Aber grundlegend ist, dass ein solches System immer auch Verlierer produziert. Und dass ein schöner Baum, der nicht als Möbel, Papier, Feuerholz oder zu irgendeinem Geldzweck "taugt", in einer solchen Gesellschaft abgewertet wird. Die Frage, wie man mit den "Verlierern" umgeht und was man ihnen zugestehen möchte, kann allerdings auch bei allem Kapitalismus sozial beantworten. Nur passiert das nicht in einer Sanktionspolitik, die im Zweifelsfall lieber eine Transfereistung zu viel kürzt, als einen sogenannten "Schmarotzer" mitzunehmen. Denn wie möchte man immer zweifelsfrei einen erfolglos bemühten Menschen von einem "Verweigerer" unterscheiden. Ein Kind schreibt schlechte Noten aus Desinteresse und eins versteht vielleicht den Lerninhalt trotz Üben und Fleiß einfach nicht. Vielleicht, weil ihm der Stoff von niemandem plausibel gemacht werden kann (also Unfähigkeit der Unterrichtenden) oder weil es tatsächlich kognitiv nicht in der Lage ist. Übertragen auf Arbeitssuchende: Diese werden aber oft über einen Kamm geschert. Und dazu die Auslegungssache in Arbeitsagenturen. Einer kommt zehn Minuten zu spät: "Arbeitsunwillig." Gleiche Situation, anderer Fallberater: "Ist doch nicht so schlimm, gut, dass sie unterwegs dem Rollstuhlfahrer geholfen haben. Da kann man sich schon mal verspäten..." Wer ist noch nie - nicht an einem einzigen Tag - in der Schule oder zur Arbeit zu spät gekommen?

Und mit viel zu viel Geld in wenigen Händen kann Einfluss geltend gemacht werden, der demokratische Belange untergräbt. Eine Lobby kann mehr Geld in die Arbeit für ihre Interessensgruppe investieren als vielleicht eine andere, die ggf. Mehrheitsinteressen vertritt. Auch das ist denkbar, wie vieles andere auch. Viele haben ihren Reichtum auf Kosten anderer erworben und halten sich finanziell aus vielem raus. Da wird sich privat krankenversichert und nichts in die gesetzliche Krankenversicherung eingezahlt. Funktioniert, so lange man gesund ist und entsprechend verdient. Wird man aber krank, ggf. berufsunfähig und hat nun keine finanziellen Mittel mehr, dann soll es die gesetzliche plötzlich richten. Man hat nie dort eingezahlt und verursacht mit einem solchen Kurzblick allen anderen Pflichtmitgliedern Kosten und ggf. Leistungs- und Service Abbau... Nicht falsch verstehen, natürlich sollen auch gutbetuchte Menschen von gesellschaftlicher Solidarität profitieren. Das darf aber keine Einbahnstraße sein. Allzuoft höre ich nämlich von gutbetuchten Schmarotzerrn, dass die Leistungsempfänger von Transferleistungen selbige wären. Selbst solche, die arbeiten gehen und ihren Lohn mit ergänzender Hilfe aufstocken müssen. Aber eine solche Aufstockung senkt ja eigentlich dem Arbeitgeber die Lohnkosten. Also darf auch hier gefragt werden, ob nicht derjenige schmarotzt, der seinen Arbeitnehmern auf Kosten der Allgemeinheit nicht genügent Geld zum Leben zahlt...

Kapitalismus kultiviert nicht die Leistungsbereitschaft, Höflichkeit oder intrinsische Motivation - sondern ausgefahrene Ellenbogen, Produkte, die keiner braucht (solange Geld zu holen ist), Gier und anderes.

Ein weiser Mensch sagte mal:

"Es gibt genug für alle Hungernden, aber nicht für jedermanns Gier."

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Kommentar von Mottentierchen
13.07.2017, 16:53

Danke den Menschen, die diese Erschlagzeilen tatsächlich gelesen haben. Und danke für die positiven Bewertungen :-)

Kurze Ergänzung: Den beispielhaften Kuchen kann man auch als unsere Erde betrachten.

In einer rein vom Kapital gesteuerten Gesellschaft: Man stelle sich ein Stückchen Land vor, welchem kein Eigentümer zugeschrieben wird und welches zum Anbau eigener Nahrungsmittel genutzt wird. Nun kommt ein investierfreudiger Unternehmer und möchte es gewinnbringend nutzen. Egal wofür. Das natürlich zum Nachteil des Nahrungsmittelanbaus zur Deckung des eigenen Bedarfs... Wer bekommt in dieser Gesellschaftsform den Zuschlag? 

Wie möchten wir mit Menschen und ihrer Umgebung umgehen? 

Wäre es nicht sinnvoll in politischen Entscheidungen deren Folgen für die Menschen und die Umgebung, die sie betreffen mindestens zu berücksichtigen?

Rechtfertigt ein kapitalistisches Interesse auch nur einen hungernden Menschen als Folge, während es woanders mit Champagner begossen wird?

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Übernutzung der Ressourcen, wenn die Wirtschaftsordnung mehr von Bedarfsweckung als von Bedarfsdeckung geleitet wird.

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Praktisch alles. Der Kapitalismus ist eine unmenschliche und brutale Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.

(Es gibt nur leider keine bessere Gesellschaftsordnung)

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Kommentar von Demonoschwili
12.07.2017, 22:59

Was ist an dieser "Brutalität" negativ?

Nur Phrasen-Drescherei?

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Kommentar von hansmann1
12.07.2017, 23:08

Körperliche und seelische Ausnutzung zur eigenen Bereicherung. Ich finde das durchaus brutal und pervers.

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