Was spricht gegen die Öffnung der Ehe, auch für Homosexuelle Paare?

25 Antworten

Warum wird es nicht eingeführt?

Weil die politische Situation es seit Jahren nicht zulässt. Die CDU/CSU als größter Gegner der Ehe für alle hat stets genügend Macht gehabt, bzw. Koalitionspartner, denen der Koalitionsfriede wichtiger war, als das Einstehen für die eigenen Wahlversprechen (siehe FDP und SPD). 

Eine offene Abstimmung im Bundestag hätte Problemlos genügend Stimmen, um das zu ändern, aber auch diese offene Abstimmung wird von der großen Koalition blockiert. 

Was spricht dagegen?

Dass unsere Politiker nun einmal aus einer anderen Generation stammen. Man kann jedes, aber auch jedes Argument sachlich widerlegen, das für ein Verbot der Ehe für alle spricht. Der einzige Grund ist in Wirklichkeit, dass es eben genügend Menschen in der Politik gibt, für die Schwule und Lesben irgendwie "igitt" sind und deswegen sollen die nicht wie andere Menschen heirate. Punkt. 

Insofern war Angela Merkels Argument 2013 im TV mit "Ich habe damit eben ein schlechtes Bauchgefühl" zwar argumentativ eine Nullrunde, aber tatsächlich die ehrlichste Antwort, die sie hätte geben können. Ich finde ihre Einstellung zumindest zu dem Thema bedauerlich, aber rechne es ihr hoch an, sich nicht in Pseudoargumentationen zu verwickeln und einfach die Wahrheit zu sagen.

Hier noch ein recht guter Link, welche Argumente dagegen angeführt werden, und wie man sie widerlegen kann:

http://www.queer.de/detail.php?article_id=25710

Es gab vor gar nicht so vielen Jahren bereits eine offene Abstimmung über die Öffnung der Ehe. SPD, Grüne und Linke stimmten geschlossen dafür, die CDU geschlossen dagegen und die FDP als Zünglein an der Waage halb-halb. Ende vom Lied: Mehrheit knapp verfehlt, war wohl nix.

Hoffentlich ändert sich das bald...

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Danke für den Link.

Du sagst es scorpion87. Nur, ich bin mir sicher, dass die Opposition nicht nur unter Politikern sondern auch in der Bevölkerung noch zu groß ist, um eine Homo-Ehe umzusetzen.

Wir haben einerseits noch zu viele radikale Christen und Schwulengegner in der Gesellschaft. Aber vor Allem haben wir genug festgefahrene Alte die ihre persönlich-allerliebste Idealvorstellung der Ehe nicht verlieren wollen. Da bricht einem ja das Weltbild zusammen, wenn Lesben plötzlich richtig heiraten können, weil sie sich lieben. Wo kommen wir denn da hin.

Dein Link ist gut. Auch wenn die Widerlegungen etwas kürzer hätten sein können.

Ich habe auch mal ein Interview mit Angela Merkel gesehen in dem sie auf die Homo-Ehe angesprochen wurde. Ich hatte den Eindruck, dass sie persönlich gar nichts dagegen hat, sondern nur Rücksicht auf ihre Parteimitglieder nimmt. Ihr fehlt einfach der Rückhalt um das Ganze umzusetzen.

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@spaeschel85

sondern auch in der Bevölkerung

In der Bevölkerung unterstützen ca. 70% die Öffnung der Ehe, mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Aber immer eine stabile und klare Mehrheit. 

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@Lennister

Dann sind 30% dagegen, was zum Glück keine Mehrheit aber leider immer noch ein einflussreiches Völkchen ist.

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@spaeschel85

30%? Das ist eine klare Minderheit. Wenn wir immer auf jede rückständige Minderheit Rücksicht nehmen würden, würde ja nie etwas vorwärts gehen. 

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Ich weis nicht in welcher Bevölkerung du lebst aber ich kenne kein einzige/n der sowas möchte.

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@Zeigefingerr

jede Umfrage in der Bevölkerung ergibt das gleiche Stimmungsbild von 60-70%, die nichts gegen eine Öffnung der Ehe für alle hätten. Fakt. Wenn man keinen einzigen kennt, der so etwas befürworten würde, dann lebt man entweder als Mönch im Kloster, als Funktionär bei der AfD oder es ist ein ganz brenzliges Zeichen dafür, dass man die Meinung seiner Mitmenschen zu dem Thema nicht wirklich kennt. 

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@Zeigefingerr

Ich kenne einen einzigen der dagegen ist. Der ist schwul, was keine Entschuldigung ist, wenn er anderen Schwulen ihre Freiheiten verweigern will. Das zeigt aber, dass solche Leute auch heute noch existieren. Wenn scorpion87 schreibt, dass 60-70% dafür sind, sind immer noch 30-40% dagegen. Was zwar nicht die Mehrheit aber eine bedeutende Menge ist. Traurig aber wahr.

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@spaeschel85

Willkommen in der Demokratie. Da sind 60-70% eine ganze Menge und ein klares Signal. Für manche traurig - aber Wahr!

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Sagen wir mal so: Es gibt schon "Argumente", die man auch recherchieren kann. Aber sie alle sind leicht zu widerlegen und/oder haben in einem säkularen Staat keine Rolle zu spielen.

Denkbar wäre:

- zur Definition von "Ehe" gehört, dass Kinder daraus "auf natürliche Wege" hervorgehen-> erstens dürfen auch zeugungsunfähige Menschen heiraten, obwohl aus ihrer Ehe keine Kinder ohne Hilfsmittel(Samenspende, Leihmutter etc.) hervorgehen können. Zweitens ist es völlig willkürlich, Kinder durch Samenspende, Leihmutterschaft etc. anders zu bewerten als Kinder, die auf "natürlichem Wege" gezeugt werden

- wenn die Ehe geöffnet wird, dann wird vielleicht bald auch die Legalisierung von Polygamie oder Inzest gefordert-> erstens wäre zu klären, was daran schlimm sein soll; zweitens ist in keinem der Länder, die die Ehe geöffnet haben(erstes Land: Niederlande, 2000) so etwas zu beobachten

- Homosexualität ist moralisch verwerflich und sollte daher nicht gefördert werden-> diese Auffassung ist gegen jede vernünftige Ethik

- Gott ist dagegen-> der vermeintliche Wille irgendeines rein hypothetischen Gottes hat in der Gesetzgebung einer säkularen Gesellschaft keine Rolle zu spielen.

- Homosexuelle sollten keine Kinder adoptieren dürfen-> Stand der wissenschaftlichen Forschung ist, dass es keinen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern hat, ob sie bei Homos oder Heten aufwachsen

- Die Öffnung der Ehe wäre verfassungswidrig-> die meisten Verfassungsrechtler sind anderer Meinung, auch das BVGer hat klar gesagt, dass der Schutz der Ehe im Grundgesetz an das Eheverständnis der Gesellschaft gebunden ist. Außerdem wäre in so einem Fall ja wohl eher das GG entsprechend zu ändern.

Du siehst, es gibt eine Menge "Argumente", die dagegen vorgebracht werden. Valide ist keines davon. 

Die Institution der Ehe gibt es schon sehr viel länger als man über gleichgeschlechtliche Paare oder über Verhütung diskutiert.

Der ursprüngliche Sinn der Ehe war die Privilegierung einer Partnerschaft, die als Keimzelle der Familie und damit der aus ihr hervorgehenden Kinder angesehen wurde. Fakt ist nun mal, dass nur Mann und Frau zusammen Kinder zeugen können.

Dies geschah zu einer Zeit, als es noch keine Verhütung gab und Nachwuchs in der Ehe der Normalfall war. Weiter werden mit der Ehe auch versorgungsrechtliche Tatbestände wie Unterhalts- und Erbrechts-Angelegenheiten geregelt. Damit sind sich die Ehepartner sogar über die Ehe hinaus zu Beistand verpflichtet, was ebenfalls den Kindern zugute kommt.

Will man nun dieses Regelwerk auf homosexuelle Paare übertragen, darf man dabei nicht vergessen, dass es sich hier eben nicht um eine Familie mit versorgungsbedürftigen Kindern handelt sondern ausschliesslich um eine reine Partnerschaft zwischen zwei erwachsenen Menschen.

Im Bereich des Erb- und Versorgungsrechts sollte diese Partnerschaft der Ehe gleichgestellt werden. Der Tatsache, dass aus dieser Verbindung keine Kinder hervorgehen, sollte dabei aber berücksichtigt werden.

Wie berücksichtigst du bei heterosexuellen Ehen, die Tatsache, ob aus ihnen Kinder hervorgehen?

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@AalFred2

Nun, statistisch gesehen gehen aus über 70 % aller heterosexuellen Ehen Kinder hervor. Bei gleichgeschlechtlichen Paaren sind es 0,0 %. Ich denke, diesem Unterschied sollte man Rechnung tragen.

Bei der Homo-Ehe geht es ausschliesslich um die Regelung von Tatbeständen zwischen zwei Erwachsenen. Bei der Hetero-Ehe sind in der überwiegenden Zahl der Fälle Kinder mit zu berücksichtigen. Diese beiden Ansätze sind so verschieden, dass du sie nicht in einen Topf werfen kannst. 

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@Interesierter

Warum sollte die Ehe geschützt werden, wo sie doch selbst nach deiner Statistik so offensichtlich gar nicht mit Kindern zu tun hat? Welche Tatbestände bzgl. der Kinder regelt denn die Ehe? Sie ist doch auch nur eine Vereinbarung zwischen zwei Erwachsenen.

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@AalFred2

Der Unterschied von schlappen 70%+ sollte auch dir nicht entgangen sein.

Die Ehe regelt Steuertatbestände, Erbrechtsfragen, Sorgerechtsfragen, Vormundschaftsfragen, Forderungen nach Unterhalt und hat in all diesen Punkten Einfluss auf die Stellung der aus ihr hervorgehenden Kinder. 

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@Interesierter

Offensichtlich führt eine Ehe nicht zur Zeugung und Erziehung von Kindern. Ansonsten müsste der Wert nahe 100% liegen. Also taugt diese Statistik nicht als Rechtfertigung.

Welcher Steuertatbestand der Ehe nützt Kindern?

In welcher Erbrechtsfrage nützt die Ehe Kindern?

Sorgerechtlich spielt die Ehe keinerlei Rolle.

Vormunde gibt es nicht mehr.

Kindesbezogene Unterhaltsfragen sind eheunabhängig. Ehegattenunterhalt ist bei heutigen Ehen kaum noch drin.

Werd doch mal konkret. Welchen Vorteil bietet die Ehe Paaren mit Kindern, die Paare ohne Kinder nicht geniessen?

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Alfred irgendwie scheinst du die Tatsachen zu ignorieren.

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@AalFred2

Dann solltest du die Augen aufmachen!

Die Ehe ist rechtstechnisch eine Bedarfs- und Versorgungsgemeinschaft. Ein Zusammenleben ohne Ehe ist dies nicht. 

Daraus ergeben sich unterschiedliche erbrechtliche Ansprüche und Steuertatbestände, die in letzter Konsequenz wiederum direkt und indirekt die Kinder mit betreffen. 

Auch die versorgungsrechtlichen Ansprüche kannst du wohl kaum abstreiten. Ein uneheliches Kind hat gegenüber seinem Vater nur Anspruch auf Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle. Seine Mutter hat gar keine Unterstützung zu erwarten. In der Ehe sieht das ganz anders aus. 

Ein unehelicher Vater hat in der Regel kein Sorgerecht und kein Aufenthaltsbestimmungsrecht. Er muss dies erst gerichtlich durchsetzen. Ein ehelicher Vater hat diese Rechte sehr wohl.

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@Interesierter

Die Ehe ist rechtstechnisch eine Bedarfs- und Versorgungsgemeinschaft. Ein Zusammenleben ohne Ehe ist dies nicht.

Ja, genau. Eine Bedarfs- und Versorgungsgemeinschaft zwischen zwei Erwachsenen, völlig unabhängig von Kindern.

Welcher Steuertatbestand betrifft die Kinder? Keiner. Die Steuern sind dieselben unabhängig davon, ob in einer Ehe Kinder vorhanden sind oder nicht. Wollte man tatsächlich Kinder und nicht die Lebensgemeinschaft zweier Erwachsener steuerlich bevorteilen könnte man das tun. Tut man aber nicht.

Wo genau ist der erbrechtliche Vorteil der Ehe für Kinder? Genau, es gibt keinen. Aber das weißt du auch selber. Warum behauptest du so einen Käse?

Es gibt keinerlei Unterschiede im Unterhaltsanspruch  zwischen ehelichen und unehelichen Kindern. Warum behauptest du so einen Quark?

In heutzutage geschlossenen Ehen ist nach aktuellem Unterhaltsrecht auch keine Priveligierung verheirateter Partner  mehr vorhanden. Auch hier ist deine Aussage grundsätzlich falsch.

Auch der letzte Absatz stimmt scchlichtweg nicht, da heutzutage das gemeinsame Sorgerecht auch unverheirateter Eltern der gesetzliche Regefall ist.

Zusammenfassend bleibt nur zu konstatieren, dass du eigentlich nur falsche Behauptungen aufstellst, um deine Position zu stützen.

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@AalFred2

Faktencheck: 

Die Ehe gilt als steuerliche Einheit, die die Kinder mit einschließt. Haben wir eine eheliche Partnerschaft, gilt das Ehegattensplitting, welches in letzter Konsequenz allen Teilen der Bedarfsgemeinschaft und damit auch den Kindern zugute kommt. 

Der erbrechtliche Unterschiedliegt darin, dass der Ehepartner nach gesetzlicher Erbfolge immer 25% des Erbes erhält. Das heisst, zunächst werden nur 75% der Erbmasse an die Kinder gegeben. Bei ausserehelichen Kindern bleibt es dabei. Die restlichen 25% werden nach dem Ableben des Ehepartners ausschliesslich unter den ehelichen Kindern aufgeteilt. 

Ein Kind, welches im gemeinsamen Haushalt mit seinen Eltern ohne Trauschein lebt, hat rechtstechnisch gegenüber dem Vater nur Anspruch auf Unterhalt im Rahmen der Düsseldorfer Tabelle. Im gemeinsamen Haushalt eines Ehepaares hat das Kind Anspruch auf Übernahme aller "gebotenen" Kosten. Das ist gängige Rechtsprechung des BGH.

Für nachehelichen Ehegattenunterhalt ist stets eine Einzelfallbewertung vorzunehmen. Ob es hier zu Zahlungen kommt, hängt maßgeblich von der Einkommenssituation der Ehepartner ab. Dass zu zahlender Ehegattenunterhalt die Einkommenssituation der Eltern und damit auch die Situation der Kinder verändert, kannst du wohl kaum bestreiten.

Das gemeinsame Sorgerecht ist bei unverheirateten Paaren nicht die Regel und gesetzlich schon mal gar nicht verankert. Dieses wird ausschliesslich von der Mutter ausgeübt. Der Vater kann lediglich beim Jugendamt die gesetzliche Sorge beantragen. Widerspricht die Mutter diesem Antrag fristgerecht, muss der Vater den Anspruch durchklagen. Bei verheirateten Paaren ist das gemeinsame Sorgerecht gesetzlich verankert. 

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@Interesierter

Faktencheck:

Warum Ehegattensplitting, welches auch jedem Ehepaar ohne Kinder zu Gute kommt, wenn man auch einfach die Kinder steuerlich bevorteilen könnte. Warum bevorzugt man heterosexuelle Paare gegenüber hoomosexuellen pohne in irgendeiner Art und Weise das Vorhandesein von Kindern zu berücksichtigen?

Bzgl. des Erbrechts rechtfertigst du die Existenz der Ehe mit der Existenz der Ehe. Gäbe es keine Ehe, gäbe es auch die von dir angeführten Nachteile in dieser sehr speziellen Konstruktion nicht.

Könntest du die BGH-Rechtssprechung mal belegen? Ansonsten ist auch dieser Fall ziemlich konstruiert und wohl kaum praxisrelevant. Für eine Ehe spricht auch das nicht, denn diesem Missstand könnte man ja sehr simpel abhelfen.

Die aktuelle Rechtslage bzgl des Ehegattenunterhalts ist aber nun mal, dass jeder grundsätzlich für sich selbst verantwortlich ist.

Stimmt, du hast Recht, wir warten immer noch darauf, dass das Bundesjustizministerium endlich ein verfassungsgemässes Gesetz vorlegt. Allerdings steht dem Kindesvater auch bei unehelichen Kindern das Sorgerecht zu, wenn es nicht dem Kindeswohl widerspricht, also im Normalfall.

Schlussendlich hast du nicht eine Regelung gefunden, die explizit Kindern nützt und die man nicht auch anders regeln könnte. Insofern rechtfertigt auch nichts die Besserstellung von ehelichen Kindern gegenüber unehelichen. Die Ehe ist und bleibt eine Vereinbarung zwischen zwei Erwachsenen, die man privelegieren kann, wenn man möchte, von der man dann aber niemnden ausschliessen darf.

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