Was spricht eurer Meinung nach gegen eine ressourcenbasierte Wirtschaft?

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3 Antworten

Hallo zusammen Was die beiden Herren oben wohl richtig erkannt haben, ist dass wenn eine solche Ressourcenbasierte Wirtschaft von "oben", also von einer Partei oder einer Elite eingeführt wird, dass es dann in einer Diktatur endet; ähnlich wie wir sie im Sowjet-System beobachten konnten. Meines Erachtens kann eine Ressourcenbasierte Wirtschaft aber dann funktionieren, wenn sie von "unten" also vom Volk dezentral, vernetzt, lokal, selbstverwaltet und kooperativ aufgebaut wird. Diese Diskussion läuft unter den Stichworten "Commons", "Gemeingüter", "Versorgungswirtschaft", "Postkapitalismus" und anderen. So viel in Kürze von meiner Seite. Hoffe, ich konnte ein wenig weiterhelfen. Beste Grüsse Raffael

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LebenderToter 07.07.2016, 16:48

Genau das ist hier der angesprochene Unterschied. Danke für deine Meinung! :)

Schöne Grüße

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rator 07.07.2016, 16:51
@LebenderToter

Bitteschön!
Man könnte die Diskussion übrigens auch differenzieren unter den Stichworten "Marxismus" versus "Anarchismus". Wobei letzterer so viele unterschiedliche Ausprägungen hat, dass man es vielleicht mit "Anarchosyndikalismus" am besten treffen würde...

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Alles! Das ist ein in ein grünes Mäntelchen gekleideter Neukommunismus, der geschickt verschweigt, dass sein Ziel eine weltweite Planwirtschaft ist. Wenn man bedenkt, dass die Länderplanwirtschaften in den ehemals sozialistischen Ländern voll und ganz versagt haben, gibt es nicht mehr Überheblichkeit als die Behauptung, dass jetzt die fähigen Planer vom Himmel gefallen seien. Da gibt es so süffige Behauptungen wie:

"Alle Waren und Dienstleistungen sind ohne den Gebrauch von Währung,
Kredit, Tausch oder irgendeiner Form von Schuld oder Knechtschaft
verfügbar. Ziel dieser neuen sozialen Ordnung ist es, die Menschheit von den sich ständig wiederholenden, stumpfsinnigen und willkürlichen Berufsrollen zu
befreien, die keine echte Bedeutung für die soziale Entwicklung haben,"

aus http://www.ressourcenbasiertewirtschaft.de/

Währung, Kredit und Tausch machen eine breite Produktpalette erst möglich und erlauben, dass jeder nach seinem Gusto die ihm wichtigen Waren erwirbt und nicht die Mangelwaren, die eine Plankommission zusammengekürzt hat. Und dann kommts: Wer bestimmt denn, was eine "echte Bedeutung für die soziale Entwicklung" hat? Die Menschen selbst oder eine Parteidiktatur. Schon ein genaueres Lesen enthüllt den diktatorischen Kern. Wenn Kanalreinigen als gesellschaftlich notwendig angesehen wird, dann wir halt wahllos dazu abkommandiert! Das ist dann die neue Freiheit. Da wird "Schuld und Knechtschaft" nur anders definiert, nicht abgeschafft! Dann ist Schluss mit der freien Berufswahl und Achtung, alle Smartphonenutzer: Ihr könnt froh sein, wenn ein uraltes Exemplar dieser Sorte überhaupt als "gesellschaftlich sinnvoll" von der Kommission zugelassen wird. Und das youtube-Märchen ist ein Prachtstück von Volksverdummung. Also nur rein in die neue Diktatur: Aber mit Jubel bitte, bis auch der Jubel als nutzlose Vergeudung von Energie nur noch zum Bejubeln der einzigen Befreiungspartei reglementiert wird.

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LebenderToter 23.04.2016, 10:35

Wichtig dabei ist, dass dieses Vorhaben ohne Zwang und Gewalt stattfindet. Wenn man im alten etatistischen Dogma verharrt sind die Sorgen und die Skepsis natürlich nachvollziehbar. Von der Umsetzung sind wir sozial sowieso noch viele Dekaden entfernt.

Es handelt sich um ein FREIWILLIGES Projekt ohne etatistische oder gar totalitäre Intentionen. Firmen wie Google oder wissenschaftliche Institute haben ja ebenfalls keine exekutive Gewalt die uns zu etwas zwingt: https://youtu.be/L9MuufxSEf8

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berkersheim 23.04.2016, 10:44
@LebenderToter

Jemand, der mit diktatorischen Zügen vollgestopft ist - wenn man nur mal ausreichend kritisch hinschaut - kann lange erklären, dass man darauf wartet, bis alle freiwillig in die Diktatur gehen - weltweit überigens. Ich glaube ihnen das nicht. Mängel in den existierenden Gesellschaftsformen sind keine Ausrede dafür, eine weltweite Diktatur zu errichten. Dadurch wird es ja nicht besser. Aber Idealisten sind für den diktatorischen Bazillus immer anfällig, siehe Heidegger, der aus idealistischer Überhöhung auf den Nationalsozialismus hereingefallen ist.

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LebenderToter 23.04.2016, 11:07
@berkersheim

Ich versteh immer noch nicht wie eine Diktatur aus freiwilligen Interesse enstehen soll mit der höhsten Priorität auf Gewalt- und Zwangslosigkeit. Ihre Beispiele beziehen sich immer wieder auf die Grundlange des Militarismus, was gar nichts mit einen wissenschaftlichen Projekt zu tun hat.

Gibt es rationale Argumente für "diktatorische Züge"? Und wieso klammert man sich immer noch am Etatismus und somit den Sozialismus / Nationalsozialismus fest? Werden evtl. einfach gemeinschaftliche Projekte durch negative Erfahrungen automatisch mit Staat, Gewalt und Zwang assoziiert? Wird da nicht differenziert?

Hier nochmal ein Interview mit Jacque Fresco in dem er erläutert, dass er ebenfalls nichts von sozialistischen Strukturen hält und das ein wissenschaftliches Projekt eher einer ehrenamtlichen Tätigkeit gleicht: https://youtu.be/sHiy4EuUD2U

Eine Fastfood-Kette diktiert schließlich auch nicht, sondern expondiert nach Nachfrage und bietet dementsprechend Güter und Dienstleistungen an. Das Ziel ist eine langsame Symbiose zwischen dem heutigen Zustand zu schaffen und den Möglichkeiten des Venus Projekts wenn diese erfolgreich dazu das Angebot bieten.
 

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berkersheim 23.04.2016, 16:29
@LebenderToter

Ich beziehe mich auf die Original-Aussagen in

http://www.ressourcenbasiertewirtschaft.de/

Wenn man diese Texte durchliest, dann fällt nicht nur eine miese Volksverdummung auf sondern auch jedem Menge Aussagen, die ohne diktatorische Strukturen gar nicht zu lösen sind. Wenn eindeutig festgestellt wird, dass man auf Güter verzichten will, die "keine echte Bedeutung für die soziale Entwicklung haben", dann schließt das ein, dass jemand bestimmen muss, welche Güter eine echte Bedeutung für die soziale Entwicklung haben. Das ist dann nicht mehr der Eigenverantwortung der Verbraucher überlassen sondern einem Oberbestimmer. Da kann sich jemand für so demokratisch erklären, wie er will, diktatorische Ambitionen bleiben diktatorische Ambitionen. Ansonsten - wenn das alles angeblich nur ein "Projekt" ist, kann man es vergessen, weil es seine Ziele nie erreichen wird. Aber mir reicht bereits die demagogische Beschreibung des Ist-Zustands: Alles schlecht! Und dann: Wisch - alles gut. Haha, für wie leichtgläubig halten die mich.

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Wenn du dir diese 5 Schritte, die dort oft vorgeschlagen werden, einfach mal einzeln anschaust:

1. Inventur der Planetaren Ressourcen

Das Ziel ist also alle Ressourcen der Erde festzustellen und zu archivieren. Viel Spaß dabei. Wenn du z.B. Eine Tonne selbstgeschlagenes Holz vor dem Haus stehen hast, kommt jetzt ein freundlicher Vertretere der Regierung und schreibt das auf. Das ist noch keine Faktische Enteignung, nur ein eEindringen in deine Privatsphäre (Wohlgemerkt gibt es das ja heute auch, wenn man Steuern darlegen muss etc.)

2. Entscheiden, was hergestellt werden muss

Jetzt bist du enteignet, denn nicht du, sondern ein Komitee oder (im besten aber immernoch grauenhaften Fall) eine Volksabstimmung entscheidet darüber, was mit deinem Holz geschieht

3. Optimierung der Produktionsmethoden/ Produkthaltbarkeit

Das wird sicher ganz toll Funktionieren, jetzt da die Wissenschaftler gesagt bekommen, dass sie Prozesse zu optimieren haben, werden die sicher sofort damit anfangen. Bis jetzt haben die ja nur im Labor gehockt und nichts zu tun gehabt. NEIN, natürlich nicht, ich würde sogar sagen, dass in einer freieren Wirtschaft die Wissenschaft eher profitiert, und in einer diktierten Wirtschaft (angewandte) Wissenschaft leidet. Was die Haltbarkeit von Geräten angeht: Das ist sogar mal ein guter Punkt. Aber wenn die Gesellschaft sich wirklich darüm kümmern würde, wären "Sollbruchstellen" ohnehin schon lange kein Thema mehr, da man das nicht Wettbewerbsfähig machen könnte.

4. Verteilungsmethoden

Das ist so dermaßen ein Blanko-Check. Als würdest du schreiben, du löst ein Problem, indem du es eben löst. Naja mal abgesehen davon sind Staatliche Verteilungsmethoden immer ein Kompromiss. Was die Beamten oder Politiker da zusammenbauen an Verteilungsystemen ist unheimlich schwer auf wechselnde aktuelle Ansprüche anzupassen. Außerdem sitzen hier auch die wirklichen "Diktatoren" ... Wenn der "Verteilungsbeauftragte" beschließt, er müsste einfach doppelt so viel verdienen wie alle anderen, wer wird ihn kontrollieren? Und wer wird den Typen kontrollieren, der ihn kontrolliert? Es muss auf irgendeine Form von (Räte-) Diktatur hinauslaufen.

5. Optimiertes Recycling

Klingt natürlich schön, ist aber völlig irrelevant. Lass mich stattdessen vorschlagen:

5. In jeder Stadt Hüpfburgen mit süßen Hundewelpen drin aufstellen!!

Tolle Idee oder? Hat aber ausschließlich den Sinn das ganze Komplettpaket besser zu verkaufen. Wie, wenn die NSDAP Vollbeschäftigung verspricht und KdF-Heime baut. Nur weil ein guter Punkt mehr dabei steht, kann man die schlechten Punkte nicht aufwiegen. Somal Recycling ohnehin schon in einem großen Ausmaß praktiziert wird und noch zunimmt, und zwar durch die Gesetze des Marktes und nicht nur die der Regierung.

Fazit:

Das sind die selben Ideen die schon seit 150 Jahren immer zunächst gut klingen, bis man sich damit auseinandersetzt.

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