Was sollte man zu den Roten Khmer und Pol Pot wissen (Kambodscha)?

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9 Antworten

Das damalige Kambodscha wurde eigentlich eher unauffällig während des Vietnamkrieges (1965 bis 1973) zum Schauplatz von Kriegshandlungen beider militärischen Gegner, da sich immer mehr Vietcong-Verbände und Nachschubwege für die in Südvietnam gegen das dortige Regime kämpfenden im Grenzgebiet zwischen Vietnam und Kambodscha befanden.
Aus diesen Gründen befahl Nixon ab März 1969 geheime B-52 Bombardements durch die US-Luftwaffe im Grenzgebiet die auch auf kambodschanisches Gebiet ausgedehnt wurden, womit die bisher Neutralität Kambodschas unter deren Staatschef Prinz Norodom Sihanouk. Eine Bodeninvasion südvietnamesischer und amerikanischer Truppen im Jahre 1970 die unter den Decknamen „Operation MENU“ lief - mit etwa 50.000 bis 150.000 Toten auf kambodschanischer Seite - destabilisierte schließlich Kambodscha Innenpolitisch dermaßen (Prinz Sihanouk wurde durch den Marschall Lon Nol gestützt - die zu einer US-amerikanischen Marionettenregierung verkam und damit das Land in einen Bürgerkrieg), das es den Khmer Rouge (unter Führung Saloth Sar dem späteren Pol Pot) gelang immer mehr Bevölkerungsteile auf ihre Seite zu bekommen. Hinzu kam eine Unterstützung Chinas für die Khmer Rouge.
Wenige Tage vor dem Ende des Vietnamkriegs 1975 gelang es den Khmer Rouge die Hauptstadt Phnom Penh einzunehmen, da dem Lon Nol Regime die amerikanische Unterstützung fehlte. Soweit im „Groben“ die politischen Zusammenhänge.

Die unvorstellbaren Grausamkeiten in ihren Details (mit etwa 1,7 Mio Toten) – siehe: Rithy Panh mit Christophe Bataille „Auslöschung : ein Überlebender der Roten Khmer berichtet“, Hamburg , Hoffmann und Campe, 2013, 238 S. – sind wohl nur evolutionspsychologisch zu klären (siehe: Victor Nell “Cruelty’s rewards: The gratifications of perpetrators and spectators” In: BEHAVIORAL AND BRAIN SCIENCES Nr: 29 (2006) S. 211–257)

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Man sollte zu diesem Thema wissen, dass die Luftoffensive (Operation MENU ab 1969) und die Bodenoffensive der USA das Land Kambodscha in eine Spirale der Gewalt beförderte, während der die Roten Khmer mit vietnamesischer und chinesischer Hilfe ihre Kontrolle über das Land ausdehnen konnten, also die US-Invasion den Völkermord in Kambodscha begünstigte, der von Pol Pots vorwiegend minderjährigen Banden verübt wurde. (Quelle: Marc Frey - Geschichte des Vietnamkriegs, C.H.Beck 2004, S.190f., S.196ff.)

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Kommentar von earnest
01.07.2016, 09:41

Besser lässt sich das wohl nicht auf den Punkt bringen.

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die Roten Khmer waren eine sozial-revolutionäre Bewegung, die unter 'antikapitalistischen' und 'antiimperialistischen' Zielsetzungen siegreich angetreten waren. Sie adaptierten die damals aktuelle maoistische Ideologie, die bar jeder ethischen, humanistischen oder menschenrechtlichen Selbstbeschränkungen ausschliesslich auf die gewaltsame Umgestaltung der vorgefundenen Gesellschaft setzte.

Da Intellektuelle und produktive Mittelschichten als Mitglieder der reaktionären, herrschenden Klasse eingestuft waren, wurden sie mit einer geradezu soziopathischen Brutalität und Bösartigkeit verfolgt und, im Gegensatz zum maoistischen Vorbild (da wurden Intellektuelle 'nur' zur Umerziehung auf Land verurteilt), liquidiert.

Der völlige Mangel an ethischen und humanistischen Leitprinzipien reiht die Roten Khmer ein in eine lange historische Reihe gewaltverbrecherischer Bewegungen, die sich auf linke, rechte bzw religiöse Gewaltlegitimierung stützen.

Das derzeit letzte Artefakt solcher Bewegungen ist IS (Islamischer Staat, Daesh) - der sich 1:1 auf die sunnitische Ideologie stützt und sich als deren reinster konsequentester Repräsentant, als deren Welt-Avantgarde präsentiert.

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Kommentar von Rosenblad
01.07.2016, 18:45

Dein Sachverstand ist immer wieder beindruckend!

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Hier gibt es eine guten Aufsatz zu Pol Pot:

http://geschichte-forum.forums.ag/t351-kambodscha-unter-pol-pot-der-alptraum-der-roten-khmer-massenmord-am-eigenen-volk

Dass die Amerikaner den Massenmord verursacht hätten, finde ich falsch. Vielmehr war dies die Folge der wahnwitzigsten kommunistischen Umsetzung in die Praxis. Andere mit vielen Toten hat es schon vorher in der Sowjetunion oder China gegeben.

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Kommentar von earnest
01.07.2016, 11:17

Hat hier bisher jemand behauptet, "die Amerikaner" hätten den Massenmord verursacht?

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Amerika und Frankreich waren auch unbeteiligt.

Da gibt es sooo viel zu sagen, aber ich kann es jetzt nicht hier auf ein paar Zeilen zusammenfassen. Es fing ungefähr 1928 an und bis heute hat es noch nicht geendet.

Geh in die nächste Bibliothek und leih dir Bücher aus.

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Kommentar von earnest
01.07.2016, 09:42

Unfug.

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Ja, das ist ein echt grausames Kapitel der Menschheitsgeschichte und zeigt sehr deutlich, wenn man extrem dummen Menschen sehr viel Macht gibt. 

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Kommentar von earnest
01.07.2016, 09:45

Pol Pot war nicht "extrem dumm".

Die Roten Khmer auch nicht.

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Ich vermute, dass da damals nicht groß drüber berichtet wurde, weil das alles noch nicht so bekannt war.

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Kommentar von 1900minga
30.06.2016, 22:58

Kann ich mir kaum vorstellen.
Sowas kann man doch nicht verheimlichen.
Vorallem wenn Vietnam gleich in der Nähe ist.
Und da wurde ja des Öfteren ein Auge drauf geworfen

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Kommentar von earnest
01.07.2016, 09:40

Du vermutest falsch, Philippus.

Berichte über die "Killing Fields" gab es schon "damals".

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Der Westen wusste es, aber schaute weg, nur die Vietnamesen taten das einzig Richtige und beendeten die Massaker mit ihrem Einmarsch in Kambodscha..

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