Was soll ich unter diesen Titel schreiben?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Die These, die dein Lehrer zur Debatte stellt, widerspricht vielen Philosophien und ist hoffentlich nur als Thematisierung oder Provokation gedacht. Überdies ist sie eine schlampige Kombination aus zwei Thesen, so dass erst einmal eindeutigere Formulierungen gewonnen werden müssten. Die implizite Unterstellung eines absoluten Widerstreits zwischen Sinnen und Vernunft ist einigermaßen abwegig. Die Grundfragen dabei sind: "Können wir Gegenstände der Reflektion gewinnen, ohne jemals Informationen über die Beschaffenheit der Welt durch Sinneseindrücke erhalten zu haben?" und "Können wir Wertungen vornehmen, ohne Erfahrungen gemacht zu haben?" Die Antworten heutiger Philosophen lauten fast durchweg "Nein", während früher die Meinungen auseinandergingen und auch, von kirchlichen Dogmen geprägt, das Vorhandensein einer Ideenübertragung ohne materielles Substrat gelehrt wurde. Unabdingbar ist eine Arbeitsdefinition von Vernunft. Sie ist die halbe Antwort. Ist Kants praktische Vernunft gemeint? Die uns einen Umgang mit den Gegebenheiten ermöglicht? Nach meiner bescheidenen Meinung entsteht ein philosophisches Paradox, wenn man den Begriff Vernunft, wie zu mittelalterlichen und jetzt wieder offensichtlich zu evangelikalen Zeiten, auf die göttliche Ordnung bezieht, denn wie kann sie gleichzeitig Mittel und Ziel der Erkenntnis sein?

Erstmal eine Gegenfrage (tut mir leid): In welcher Klassenstufe bist du? Nur um einschätzen zu können, wie hoch der Anspruch ist. Grundsätzlich sagen die meisten Philosophen etwas über die Vernunft und die Sinne aus. Der wohl ehemals bedeutenste Vertreter (in Zeiten der Aufklärung) ist Immanuel Kant. Er sagt klar, die Vernunft sei das was uns als Menschen auszeichne und sie diene zur Unterscheidund zwischen richtig und falsch, sowohl in der Erkenntnisgewinnung (also Wahrheitfindung), als auch im Moralischen. Andere Philosophen, vor allem neuere, sind da kritischer und verteufeln die Sinne nicht mehr in dem Ausmaß. Es kommt also auch ganz darauf an, wie du zu dem Thema persönlich stehst.

Danke für die schnelle Antwort. Was deine Frage betrifft, zurzeit besuche ich das letzte Jahr des Gymnasiums.

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@OxygenX

Da wird Kant eigentlich immer gerne gesehn. Dieser sollte dir aber nicht einzige Anwort auf alles dienen, vorallem wenn du die Überschriftsthese in deiner Arbeit nicht vertreten musst. Am einfachsten ist es dann, wenn du dir mal folgenden Wikipedia-Artikel durchließt und dir überlegst, was für dich interessant klingt http://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie

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Langsam dämmert mir es. Euer Lehrer will nbatürlich Kant vorbereiten, der diese These kritisierte. Wenn er einfach so mit Kant loslegt, sagt ihr: "Uäh, wissen wir schon lang!" Anhand eurer Aufsätze hofft er, euch das Gegenteil zu beweisen.

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