Was soll ich bei einem Kernkraftwerks Unfall machen?

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3 Antworten

Du selbst machst bei einem Kernkraftwerksunfall gar nichts. Du wartest im Prinzip auf behördliche Anweisung, die per Lautsprecherdurchsagen beispielsweise von der Polizei und Feuerwehr auf der Straße gemacht werden, schaltest dann am besten das Radio oder den Fernseher ein um über neue Infos zu verfügen und wartest auf weitere Anweisungen. Es kommt früher oder später, je nach Ausmaß des Unfalls, eine Anweisung, ob du dich zur Strahlenkontrolle begeben musst oder nicht. Dort wirst du auf Kontamination geprüft und wirst im Falle, dass du Kontaminiert bist, dekontaminiert.

Bei einem Unfall auf keinen Fall eigenmächtig handeln! Falls du in der Nähe eines Kernkraftwerks wohnst, müsstest du im Umkreis von 30 bis 50 Kilometer um das Werk eine Informationsbrüschüre erhalten haben, bzw. man kann Online meist den Katastrophenschutzplan herunterladen. In dem stehen viele wichtige Punkte, die man sich einprägen könnte. Zum Bleistift der Katastrophenschutzplan des Kernkraftwerks Emsland: http://www.emsland.de/pdf_files/aktuell/kats-sonderplan_kernkraftwerk_emsland_2012_internet_.pdf

Abgesehen davon handelt es sich bei "Die Wolke" um ein Kinderbuch, das zu 90 % nicht der Realität entspricht und auch nicht die Unfallmaßnahmen detailiiert beleuchtet. Das Ziel des Buches und der Autorin war genau das, was bei euch ausbricht: Angst und Zweifel zu streuen. Weil ohne euch nahe zu treten, hat sich im Nachhinein bestimmt keiner technisch mit Kernkraftwerken befasst, oder? ;)

Soviel dazu, sollten Folgefragen kommen einfach antworten.

Mal etwas Grundlegendes zum Austritt von radioaktiv kontaminierten Stäuben aus z.B. einem KKW Die Problematik kann man grob auf die Problematik von Staubverteilung reduzieren, mit dem Unterschied, dass der Staub eben radioaktiv kontaminiert ist. Es trifft also grob gesprochen das Gleiche zu, als wenn man in der Nähe eines Chemieunglueckes oder eines Brandes ist. Fenster dicht verschließen und im Zweifelsfall Gasmasken aufsetzen. Die Anzüge, welche vom kundigen Personal getragen werden, schützen vor ungewollter Kontamination. Strahlenschutz-Anzuege gibt es nicht. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Dekontamination macht sich die abwaschbarkeit von Stäuben, hier von radioaktiven Stäuben, zu nutze. Es ist also kein Unglück, wenn man auf der Haut oder auf einem Gegenstand radioaktive Stäube hat. Man sollte es nur verhindern, jene Stäube in den Körper aufzunehmen, da es dann sehr schwer ist, diese Stäube wieder heraus zu bekommen (jedoch nicht unmöglich, da sie vom Körper mit einer biologischen Halbwertszeit ausgestoßen werden).

Ein weiterer Schutz vor bestimmten radioaktiv kontaminierten Stoffen bietet die Einnahme von Kalium-Jodit-Tabletten, welche aber erhebliche Nebenwirkungen haben. Es sollte daher nur in direkter Nähe zu einem havarierten KKW oder zu einer Kernexplosion von Kernwaffen eingenommen werden. Nur in diesem Fall sind die erheblichen Nebenwirkungen dieser Tabletten vertretbar.

Durch die Einnahme von Kalium-Jod-Tabletten wird Dein Körper mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt, so das Dein Körper kein weiteres Jod, welches ja potentiell radioaktiv (Jod-131, Jod-129,…) sein könnte, aus der Nahrung aufnimmt. Was also mit diesen Tabletten verhindert wird, ist eine Kontamination Deines Körpers mit radioaktivem Jod. Man spricht also nicht vom Schutz vor Strahlung sondern vom Schutz vor einer unerwünschten Kontamination (siehe Wiki Jodblockade, Kaliumiodid). Hierzu muss aber auch gesagt werden, wer täglich seine normale Joddosis durch z.B. jodiertes Salz aufnimmt, um z.B. ein Jodmangel-Struma vorzubeugen (de.wikipedia.org/wiki/Schilddrüse#Struma), sorgt im Falle eines Austritts von radioaktivem Jod schon für eine deutlich verringerte Aufnahme dieses kontaminierten Jodes, da der Körper bereits gut mit „gutem“ Jod gesättigt ist.

Ein Schutz vor Wellenstrahlung (Gamma-Strahlung, Röntgen-Strahlung) hat man nur durch Schutzschichten, welche aus Substanzen hoher Ordnungszahl (Blei, Uran,…) bestehen. In dem Film „die Wahre Geschichte von Tschernobyl (Youtube.com)“ wurden die Soldaten, welche auf dem Reaktordach Trümmer geräumt haben, mit umgehängten Bleiplatten „geschützt“. Normaler weise ist man nie solch hoher Gamma- oder Röntgen-Strahlung ausgesetzt, dass man sich dagegen schützen müsste (außer man steht direkt neben dem zerstörten Reaktor). Das Problem bei KKW Unfällen ist eben nicht diese Wellen-Strahlung, sondern radioaktive Staub-Partikel, welche in die Luft gewirbelt werden. Dieses Problem handhabt man dann wir z.Bs. die chemische, oder biologische Kontamination. Nur kann man bei chemischer oder biologischer (Viren, Bakterien) Kontamination sich nicht so einfach darauf untersuchen lassen, wie das bei der radioaktiven Kontamination der Fall ist (Geigerzähler, Kontamat,….). Im Falle einer potentiellen biologischen Kontamination müssen erst mal Kulturen angelegt werden, welche nicht vor einem Tag ein Resultat liefern. Etwas besser steht es um die Prüfung auf chemische Kontamination. Jedoch ist man auch in diesem Fall auf recht große Probenmengen angewiesen. Radioaktive Stoffe sind gerade durch die Strahlung fast Problemlos schon bei Probenmengen von einigen Atomen gut nachzuweisen. Weiter schau Dir doch mal den Wiki-Artikel Strahlenbelastung, Radonbelastung oder im englischen Wiki unter en.wikipedia.org/wiki/Background_radiation, oder hier hundert-gute-Antworten.de an.

Was man aber machen kann, ist die Reduzierung der schädlichen biologischen Auswirkung der ionisierenden Strahlung durch die Einnahme von Radikal-Fängern, Radioprotektoren wie dem Gemüse- /Frucht-Farbstoff Lycopin/ Flavonoide und wie das Vitamin C. Hierzu schau mal bei Wikipedia unter Lycopin, Radikale (Chemie), Flavonoide, Radioprotektor, Theorie der freien Radikale.

Quellen:

en.wikipedia.org/wiki/Background_radiation , hundert-gute-Antworten.de , http://de.wikipedia.org/wiki/Jodblockade , de.wikipedia.org/wiki/Schilddrüse#Struma

ocin1 07.07.2013, 12:11

Praktisches Beispiel KKW-Unglück von Fukushima - 2011

reale Gefahren eines 3'fachen GAU ...

[ww.spiegel.de/wissenschaft/medizin/uno-studien-strahlung-durch-fukushima-geringer-als-befuerchtet-a-834920.html]Der Atomunfall von Fukushima wird bei Menschen kaum gesundheitliche Schäden verursachen - zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien der Vereinten Nationen. Auch die Arbeiter, die an vorderster Front gegen die Katastrophe kämpften, seien bisher nicht erkrankt

[ww.welt.de/wissenschaft/article106502063/Die-Angst-war-schlimmer-als-die-Strahlung.html]Die Angst war schlimmer als die Strahlung - Der britische Physiker Wade Allison spricht dem Reaktorunglück von Fukushima den Katastrophen-Status ab. Damit könne man nicht den Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie rechtfertigen.

[ww.world-nuclear-news.org/RSNarahaevacuationorderlifted_1508121.html] „*Thousands of Naraha residents can return to homes and businesses during daylight hours now that the Fukushima municipality's evacuation order has been lifted.*“

[ww.blick.ch/news/ausland/sie-baden-wieder-in-fukushima-id1965166.html]Sie baden wieder in Fukushima Man kann es kaum glauben. Knapp ein Jahr dem Super-Gau gehen die Menschen in Fukushima wieder baden. Ist das eine freudige Nachricht, oder einfach nur tödlicher Leichtsinn?

[ww.morgenpost.de/printarchiv/wissen/article1910366/Um-den-Reaktor-von-Fukushima-hat-es-keine-Strahlentoten-gegeben.html]Um den Reaktor von Fukushima hat es keine Strahlentoten gegeben

[theenergycollective.com/breakthroughinstitut/186436/no-clinically-observable-effects-fukushima-radiation-un]No Clinically Observable Effects’ From Fukushima Radiation: UN

[ww.japantimes.co.jp/news/2013/03/31/national/thyroids-test-normal-in-fukushima/#.UVquL32EpeW]The thyroids of young Fukushima residents aren’t significantly different from their counterparts’ glands in three prefectures spread across the archipelago, a survey by the Environment Ministry says.“

[ww.eike-klima-energie.eu/news-cache/un-keine-direkten-gesundheitsschaeden-durch-fukushima]Nach dem Atomunfall von Fukushima war die Angst vor Folgen wie vermehrtem Schilddrüsenkrebs groß. Jetzt gibt die UN (UNSCEAR-Report) Entwarnung: Nach einer ersten Untersuchung sind keine direkten Gesundheitsfolgen nachweisbar.“

[ww.tagesspiegel.de/wissen/un-bericht-zur-reaktorkatastrophe-das-vermaechtnis-von-fukushima/8317068.html]Am 31. Mai verkündete der Physiker Wolfgang Weiss, bei UNSCEAR zuständig für Fukushima, dass die bei dem Zwischenfall frei gewordene Strahlung keine unmittelbaren Effekte auf die Gesundheit der Bevölkerung gehabt habe.

Es gilt 1 Sv sind 1000 mSv oder 1000 000 µSv, also 20 mSv = 0,02 Sv oder 20 000 µSv OK :-)

Durchschnitts-Werte : (Sv=Sievert) BRD, Österreich, Dänemark, Belgien um 2,5 m Sv pro Jahr; Finnland um 8 mSv pro Jahr; Frankreich, Griechenland, Spanien, Schweiz um 5 mSv pro Jahr; Schweden um 6 mSv pro Jahr. Eine Röntgen-CT des Bauches belastet den Menschen mit etwa 20 mSv. Röntgen-Durchleuchtung beim Setzen eines Herzkatheter um 300 mSv pro Untersuchung. Klassische Röntgenaufnahme um 0,1 mSv pro Aufnahme. Das Essen einer Banane entspricht 0,1 µSv.

In Nord-Spanien, Süd-Finland, Mittel-Frankreich, im Süden des Schwarzwaldes und in West-Österreich liegt die Belastung durch die natürliche Hintergrunstrahlung/Radioaktivität über 10 mSv pro Jahr [ww.world-nuclear.org/uploadedImages/org/info/NaturalbackgroundradiationEurope.gif]. In Guarapari-Brasilien um 175 mSv pro Jahr und in Ramsar-Iran um 262 mSv pro Jahr

Rechnung für Fukushima : (siehe auch /jciv.iidj.net/map/) In der kontaminierten Zoon um das KKW Fukushima-Daiichi liegt die meiste Belastung unter 1000 nSv pro Stunde. 1000 nSv/h = 1 µSv/h =24 µSv/Tag (1 x 24) = 8760 µSv pro Jahr (24 Stunden x 365 Tage) =8,76 mSv pro Jahr. Also bekommen die Japaner dort jetzt hauptsächlich eine Belastung ab, welche z.B. auch die Finnen haben,. Vereinzelt (Hotspots) steigt jedoch die Belastung in der Zone um das KKW-Fukushima Daiichi bis auf 30 µSv/h (30 µ x 8760 = 262800 µ), was nach beschriebener Umrechnung 262,8 mSv pro Jahr sind, wie in Ramsar.

Quellen: en.wikipedia.org/wiki/Banana equivalent dose , de.wikipedia.org/wiki/Guarapari , en.wikipedia.org/wiki/Background radiation , ww.world-nuclear.org/info/inf30.html , de.wikipedia.org/wiki/Strahlenbelastung, ww.100-Gute-Antworten.de

[ww.kerngedanken.de/2013/03/die-welt-nach-fukushima-teil-1-gefaehrliche-orte/]Würde man dasselbe Dosimeter in der Stadt Guarapari in Brasilien aufstellen, würde er etwa 20 µSv/h anzeigen. Guarapari hat etwas über 100’000 Einwohner. Das sind etwa so viele wie aus der Region von Fukushima evakuiert wurden. Die Stadt erhielt diese hohe radioaktive Strahlung aber nicht durch einen katastrophalen Unfall, sondern durch natürliche Quellen.“

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Nun mach Dich mal nicht verrückt ;)

13Sunny13 04.07.2013, 19:10

Vielleicht hast du ja recht aber, wenn mir dieser Gedanke durch den Kopf geht das ich jeden Moment drauf gehen kann läuft mir ein Schauer über den Rücken

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illmindofchris 04.07.2013, 19:12
@13Sunny13

Och, jetzt denk mal nicht ständig daran. Sooo viele Leute wohnen in der Nähe eines Kraftwerkes. Und ausgerechnet Deines soll in die Luft gehen? Ganz ruhig, das wird garantiert nicht passieren.

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ocin1 07.07.2013, 12:20
@13Sunny13

Denkst Du in der Nähe eines Staudammes immer daran, dass dieser Damm brechen könnte? Wenn Du in einem Stadion bei einem Fussballspiel oder bei einem Konzert bist, denkst Du dann immer daran, ob denn ja kein Flugzeug ins Stadion stürzt? ... Das Leben jenseits der Höhlen unserer Urahnen ist nun mal nicht 100% frei von Risiken. Eines ist jedoch ganz klar, wir leben heute viel Risiko freier als jemals zuvor. Schau Dir mal z.B. die Kindersterblichkeit an, oder das Durchschnittsalter. Natürlich gibt es keine 100% Sicherheit, jedoch haben wir im Vergleich zur Vergangenheit hier schon sehr viel Land gut gemacht :-).

Also, lese mal etwas übers Mittelalter oder dem Leben im 19 Jahrhundert. Da gab es viel mehr Möglichkeiten "drauf zu gehen". Man denke nur mal an das Fehlen von Antibiotika.... :-) Man sollte jeden gründlich hinterfragen, welcher seine Aussagen mit einem Endzeit-Szenario untermauert. Hier bleibt meist nur politische Motivation übrig.

Ich kann Dir nur den Tip geben, Dich mit der Materie zu beschäftigen, welche Dir Angst bereitet.

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