Was soll die endlose und lästige Knipserei?

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2 Antworten

Ja, als Beobachter ist das wirklich nervig, hat aber handfeste Gründe:

1. Gruppenfotos haben immer das Problem, dass irgendwer die Augen zu hat oder gerade eine Grimasse zieht. Da Fotos einen Sekundenbruchteil abbilden, kann da niemand sicher vor sein. Wenn die Personen dann auch noch reden, vervielfachen sich die Chancen auf seltsame Gesichtsausdrücke.

Je mehr Fotografen da sind, desto größer sind die Chancen auf verwackelte, unscharfe oder falsch belichtete Fotos.

Daher drückt man lieber einmal mehr auf den Auslöser, um darunter hoffentlich ein verwertbares Foto zu haben.

Das kann jeder einfach reproduzieren, indem man selber mal versucht, ein Gruppenfoto zu machen oder bei einer DVD/BR/Video zufällig die Pause-Taste drückt. Da kommen lustige Bilder zustande - aber eher nichts, was man in der Zeitung sehen will.

Dann gibt es auch noch Situationen, die nicht wiederholt werden (können). Wenn man dann davon kein Foto anbieten kann, sieht es mit der Bezahlung schlecht aus.

2. Es gibt noch fest angestellte Fotografen, aber die meisten sind auf eigene Rechnung unterwegs und müssen davon leben, dass sie verwertbare Fotos an die Redaktionen verkaufen können. Der Konkurrenzdruck ist riesig.

Dieser Druck führt auch dazu, dass unter den Fotografen getreten und geschubst wird, auch absichtlich. Sicher geschieht vieles "in der Hitze des Gefechts", aber gedrängelt wird fast immer.

Und jeder, der schon mal versucht hat, in einer Bewegung ein scharfes Foto zu schießen, weiß wie das ausgeht.

Bloß weil 40 Fotografen bei einer Pressekonferenz (oder so) dabei waren, heißt es nicht, dass alle davon ihre Fotos verkauft bekommen. Daher müssen Pressefotografen von vielen Gelegenheiten Fotos haben, um auf ein Gehalt zu kommen.

3. Spiegellose Kameras haben viele Vorteile. Die DSLRs der Profi-Linien haben aber ganz andere Toleranzwerte bzgl. Verschleiß, Reperaturmöglichkeiten und Garantie. Mit Wartungsverträgen bekommt man auch kostenlose Reperaturen/Wartungen.

Profis haben in der Regel auch Versicherungen für ihre Kameras, die man auch nicht mal eben so wechselt.

Daher ist ein Wechsel der Kamera immer auch ein Risiko. Von den Kosten für neue Bodys, Objektive, Blitze und sonstigem Zubehör mal ganz zu schweigen. dafür muss man viele Fotos schießen. Also bleiben die meisten Fotografen bei dem, was sich für sie bewährt hat. 

Fest angestellte Fotografen haben nicht oft ein Mitspracherecht, was die Ausrüstung angeht. Da wird die Ausrüstung genutzt, bis sie aus(einander) fällt.

Gerade Pressefotografen haben eine große Bandbreite an (Licht-)Situationen, auf die sie sich einstellen müssen. Sie können nur in seltenen Fällen bitten, sich anders hin zu stellen oder nicht in die Sonne zu schauen. Sie müssen mit dem arbeiten, was vor Ort verfügbar ist.

Eine DSLR ist da einfach das Mittel der Wahl, wenn man nicht mit vielen verschiedenen Kameras rumlaufen will. Es reicht schon, dass man mehrere Objektive braucht.

Was auch gerne in der Wichtigkeit unterschätzt wird, ist die Schreibgeschwindigkeit auf Speichermedien. Das hängt natürlich auch vom Speichermedien ab, aber auch von der Kamera. Ebenso ist es eine Sache der Kamera, in welcher Geschwindigkeit Serienfotos aufgenommen werden können. Sportfotografen können da auch ein Lied von singen ... Dabei haben DSLRs auch meist die Nase vorn.

4. Blitzlicht wird in solchen Situationen nicht primär zum Aufhellen genutzt, sondern eher, um Situationen "einzufrieren" und Verwacklern durch kurze Verschlusszeiten vorzubeugen. Sprich: die Chancen auf verkaufbare Fotos deutlich zu erhöhen.

Zusätzlich: Das Auge kann sehr viel besser Bereiche von unterschiedlichen Helligkeiten wahrnehmen (Dynamikumfang) als jede Kamera. Was für uns Menschen noch als "hell" wahrgenommen wird, kann für eine Kamera bereits "zu dunkel" sein. Ein Blitz kann dabei dann helfen.

Außerdem sollen Pressefotos nicht bearbeitet werden.

Das hat ethische Gründe, wie in: "wir zeigen die Wirklichkeit". Zusätzlich kommt noch der Zeitfaktor hinzu. Niemand hat Zeit, redaktionelle Fotos auch noch zu bearbeiten. Das bezahlt einfach keiner.

Fazit: als Pressefotograf muss man gute Fotos liefern, sonst bekommt man kein Geld oder verliert seinen Job. Daher wird jede Chance genutzt.

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Kommentar von rumar
10.08.2017, 19:29

Trotzdem:  eigentlich ein Riesen-Leerlauf und Verschwendung ...

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Ich glaube du hast hier sehr eindrücklich deine Meinung dargelegt,, aber eine wirkliche Antwort darauf bedarf es nicht.

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Kommentar von rumar
03.08.2017, 20:30

Danke, das kann sein. Dennoch hätte ich gerne ein paar Meinungen von anderen gehört. 

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