was sind unterschiede und gemeinsamkeiten astronomie früher und heute?

6 Antworten

Hallo sonnenschein752,

definiere "früher".... auf welche Zeit beziehst Du Dich? Denn sonst ist die Frage etwas schwer zu beantworten...

Wenn Du Dich auf Unterschiede zur Antike oder dem Mittelalter beziehen willst, dann ist der Hauptunterschied, dass damals die Astronomie (wie alle anderen Disziplinen auch) noch keiner wissenschaftlichen Methodik folgten.

Um das zu verstehen, mus man wissen, was "Wissenschaft" überhazupt ist. In der Schule kommt das meist etwas zu kurz. Wissenschaft ist NICHT gleich der Summe der Aussagen der Wissenschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wissenschaft ist eine __Methode__. Es ist die Methode, trotz der grundsätzlichen und unvermeidlichen Gefahr, sich zu irren, zu zuverlässigen Aussagen über die Welt zu kommen. Und zwar, indem man alle Aussagen - egal wie gut bestätigt - immer auf dem Prüfstand lässt und immer die Frage zulässt, woran man merken würde, dass man sich verrannt hat. Diese Frage wird in der Naturwissenschaft durch die Beobachtung an der Natur beantwortet. Das Experiment bzw. die Beobachtung sind der einzige Prüfstein, an dem wir naturwissenschaftliche Aussagen beurteilen.

Aber diese Methode musste historisch erst entdeckt werden. Das Experiment - als gezielte Herbeiführung einer aussagekräftigen Beobachtungssituation - musste erst erfunden werden.

Und das ist der wesentliche Unterschied heutiger Astronomie zu der in der Antike bzw. des Mittelalters.

In der Antike und dem Mittelalter gab es noch keine Unterscheidung zwischen Naturwissenschaft und Philosophie. Es gab noch keine Experimente. Die Vorstellung war, dass ein hinreichend kluger Denker die Welt allein durch Nachdenken verstehen könne. Entsprechend gab es für alle Themen verschiedene "Schulen" - die den Aussagen des einen oder anderen Vordenkers folgten. Es gab aber keine Möglichkeit, kein "Wekrzeug", mit dem man überprüfen konnte, wer denn nun in einer Sache "Recht hatte" - im Sinne von "welche Aussage die Natur am besten beschreibt".

Entsprechend standen all diese "Schulen" nebeneinander. Wenn wir heute irgendwo lesen "schon die alten Griechen wussten..." dann ist das eigentlich falsch. Richtiger ist: Es gab Griechen, die sich das so vorstellten... während andere was ganz was anderes erzählten und keiner wusste, wer richtiger lag oder wie man das hätte herausfinden können.

Erst Galilei, Kepler, Newton und Halley entwickeln das, was wir bis heute immer noch als die Methodik der Naturwissenschaft bezeichnen:

1) Galilei: Beobachtungen der Jupitermonde, die ihn vom heliozentrischen Weltbild überzeugen; Experimente zum freien Fall...

Werkzeug der Naturwissenschaft: Überlegungen über die Natur ergeben sich aus Beobachtungen; um geeignete Beobachtungen zu machen,führe Experimente aus, die aussagekräftige Beobachtungssituationen erzeugen

2) Kepler: Versuchte jahrzehntelang seine Vorstellungen über harmonische Planetenbahnen mit den Beobachtungen seiner Zeitgenossen in Einklang zu bringen; verwarf seine Idee, als ihm das nicht gelang und leitete die heute noch gültigen Kepler-Gesetze (Ellipsenbahnen etc) aus den Beobachtungsdaten empirisch ab

Werkzeug der Naturwissenschaft: Wenn Deine Vorstellungen diese Beobachtungsdaten nicht richtig beschreiben: Verwirf die Idee. Nur, was die Natur gut beschreibt, kann richtig sein.

3) Newtons Verdienst ist die Verheiratung von Naturwissenschaft und Mathematik. Das ist weit bedeutender, als es zunächst klingt. Denn mit der Formulierung mathematischer Modelle führt Newton die Begründung einer Beobachtung ein: Er stellt mit mathematischen Modellen alle vorher logisch unverknüpften Beobachtungen in einen gemeinsamen Kontext: als Folge eines in der Natur ablaufenden Prozesses, den er versucht, mathematisch exakt zu beschreiben. Letztlich entwickelt Newton hier also den Theoriebegriff der Naturwissenschaft.

Werkzeug der Naturwissenschaft:: Überlege, welche Kräfte wirken können; erstelle ein mathematisches Modell, das diese Prozesse, Kräfte und ihre Wirkungen exakt beschreibt - also alle(!) vorhandenen Beobachtungen zu diesem Thema erklärt. ("Erklärwert einer naturwissenschaftlichen Aussage")

4) Edmund Halley: Nahm Newtons Formeln der Gravitation und sagte damit als erster Mensch erfolgreich die Rückkehr des später nach ihm benannten Kometen voraus.

Werkzeug der Naturwissenschaft: Benutze das Modell, um exakte Vorhersagen des Modells zu errechnen; benutze diese Vorhersagen als aussagekräftige Tests für das Modell; bedenke bei nIchtübereinstimmung Punkt 2)

Und das ist, was seit Ende des 18. Jahrhunderts die Astronomie von der davor unterscheidet: Das stetige Wechselspiel von Modellentwicklung und Test der Modelle an der Beobachtung, die zu einer steten Verbesserung und Vertiefung des Verständnisses der Natur führen. Naturwissenschaft ist deswegen heute nicht mehr pluralistisch: Es stehen bei allen Fragen, die wir eindeutig an Beobachtungsdaten entscheiden können, keine sich widersprechenden "Schulen" mehr gegenüber. In der Naturwissenschaft wird klar an den Daten (und nicht an der Person) entschieden.

Natürlich ändert sich mit der Zeit, welche Beobachtungstechniken wir einsetzen. Ab dem 17. Jahrhundert zum Beispiel das Teleskop, hundert Jahre später die Spektralan@lyse, heute auch Neutrinoastronomie oder Gravitationswellenastronomie oder Beobachtungen in ganz anderen Wellenlängenbereichen, was zum Teil erst über Satelliten außerhalb der Atmosphäre möglich ist. Das ist aber eben nur die Frage "wie" man nun bestimmte Aussagen am besten testet: Der wesentliche Unterschied zu früher ist die Erkenntnis, dass man sie an der Natur testen muss...

Grüße

Da gibt es keine "Unterschiede" oder "Gemeinsamkeiten"! Die Astronomie ist die Lehre der Entwicklung des Universums und wird mit jeder Moderne immer tiefer und besser erkannt! Daraus folgt, dass alte oder überholte Vorstellungen revidiert werden müssen!

Früher, also in der Antike, beschränkte sich die Astronomie auf das Beobachten und Messen der sichtbaren Sterne, Planeten, Sonne und Mond sowie von Sonnen- und Mondfinsternissen und bestimmten Konjunktionen. Daraus wurden Regelmäßigkeiten abgeleitet und versucht, diese mathematisch zu beschreiben und zu erfassen, sodass letztlich Vorhersagen ermöglicht wurden.

Die Astronomie stellte dabei eine wissenschaftliche Einheit mit der Mathematik, Astrologie und Religion dar.

Heute wird das gesamte Universum beobachtet und gemessen und im Vordergrund steht die Erklärung, wie was im Universum funktioniert bzw. passiert ist und noch passieren wird.

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