Was sind Tagessätze für Freiberufler im Bereich Unternehmensberatung und Marktforschung?

... komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Hallo Dina2011,

da Du ja bereits bei einer Beratungsfirma gearbeitet hast, wirst Du ja sicherlich wissen, dass die Tagessätze von der Tätigkeit abhängen. Und hier gibt es so ziemlich große Spannen, da ja auch viele Freelancer, viele kleine Firmen und viele bekannte Firmen als auch viele edle Firmen unterwegs sind. Was mich etwas verwundert, dass Du die internationalen Verrechnungssätze anscheinend doch nicht kennst, obwohl Du bei einer Beratungsfirma gearbeitet hast. Frage hier bitte Deinen alten Chef, der muss Dich ja "verkauft" haben und kennt sicherlich auch Deinen Tagessatz. Aber was Du erstmal genau wissen solltest: Wo sortierst Du Dich denn ein? Wo warst Du einsortiert?

Ein Ansatz: Du willst in Marktforschung aktiv sein, Ist das richtig? Hier gibt es: Business Analysts, Trend Scouts, Benchmark Officers, Strategy Analysts, Strategy Advisors (Portfolio, Programs), Marketing & Go-to-Market Consultants usw. usw. Und zusätzlich die Seniorität: Junior, Associate, Senior, Principal, Partner und eventuell noch ein paar spezielle Einstufungen. Wo siehst Du Dich hier? Die genaue Kennzeichnung wird dann Dir helfen. Dann: Ich welcher Branche bist Du tätig? Industrie, Chemie, Handel, Healthcare, Automotive, Energy usw. Dann: Ich welchen Themen bist Du ausgeprägt? Personal (Change, Development), Unternehmensprozesse (M&A, CRM, PLM, SCM, Outsourcing usw.), Finanzen (IFRS, Finanzanalyse, Steuern, Länder, Finanzierungsmodelle usw.), Produktmanagement (Entwicklungszyklen, Pricing, Go-2-Market, Produktranking usw.)... Dann: Welche Methoden musst Du anwenden? Sind Methoden anzuwenden, zu denen man eine Zertifizierung benötigt (Projektmanagement, Six Sigma, PSDM, NLP um nur einige zu nennen) und vielleicht sogar eine jahrelange Schulung voraussetzt?

Beispiel: Ein Junior Business Analyst ist zum Beispiel ein besserer Zahlentipper, der Erhebungen durchführt, Reports zusammenstellt und Sie dann dem Strategy Consultant zur Verfügung stellt. Er ist sicherlich ein im unteren Preis-Segement bei 30-40 EUR/Std. wiederzufinden, entspricht z.B. einen Projektmanagement-Assistenten im PMO. Ein Consultant, der jedoch selbständig mit qualifizierten Ergebnissen dem Kunden zu strategischen Lösungen verhilft, wird sicherlich mehr verlangen können. Hier ist dann abhängig, ob normaler Consultant (60-100 EUR Std.), Senior Consultant (70-150) oder Principal (130-300) oder Partner (200-1000). Ich habe bewusst die Grenzen weit gesetzt. Da alle o.g. Faktoren mit einspielen. Ein Senior Partner bei Debevoise verdient z.B. durchaus 1000 EUR/Std - war zu entnehmen aus der Presse als Siemens die großen Compliance Probleme hatte. Da dieser nicht nur berät, sondern ganz klare Unternehmensvorgaben ausarbeitet, die dann für das ganze Unternehmen gültig sind.

Da also die Spanne ziemlich weit ist, musst Du genau festlegen, welche Rolle Du anbieten kannst. Gut ist, wenn Du irgendetwas kannst, was andere nicht können bzw. nur sehr wenige können. z.B. Sei Dir bewusst, dass eine SWOT-Analyse sehr viele können. Aber zum Beispiel zu wissen, mit welchen Voraussetzungen und Methoden eine Firma X z.B. den Turnaround geschafft hat (Finanzzahlen, Marktzahlen, Strategieansätze, Verprobung der Strategie, Dauer des Projektes, Culture Change) usw. usw. dann kannst Du schon mal mit Fakten und Erfahrungen glänzen, die andere sicherlich nicht haben.

Kurzum würde ich Dir raten, beim ersten Projekt mit einem niedrigen Stundensatz anzufangen. Mit den Tätigkeiten, die Du oben beschrieben hast vielleicht um die 50 EUR/Std - also 400 EUR Tagessatz bzw. 8000 EUR monatlich. Hiervon musst Du dann Steuern zahlen, soziale Absicherungen bezahlen und die unproduktive Zeit, z.B. Aquisitionszeit, Krankheit, Urlaub, eventuell unbezahlte Reisezeiten usw. auch noch bezahlen. Bei Langzeitprojekten muss im Übrigen der Kunde eventuell Sozialversicherungsabgaben für Dich leisten, wenn es sich um eine Scheinselbständigkeit handelt - sicherlich wird der Kunde dann den Tagessatz dann um diese Zahlungen heruntersetzen.

Leider kann ich Dir keine besseren Angaben machen, weil Deine Angaben sehr ungenau sind, wie vielleicht nun selber erkennst.

Ein kleiner Tip: Wenn Du Dich hier in DE selbständig machen möchtest... Welche Kunden sollten Dich beauftragen? Mache Dir darüber viel mehr Gedanken und gehe auf diese Kunden zu und teile Ihnen mit, warum diese gerade Dich nehmen sollten. Lege alle Argumente auf den Tisch - vor allem solche, die nicht nur stichhaltig sind, sondern wenn möglich nur mit Deiner Person zu verbinden sind (z.B. Deine Erfahrungen in England). Viel Erfolg!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von cptfuture
05.07.2011, 10:48

Ich muss mich korrigieren. Da Du ja 5 Jahre bereits Erfahrungen hast, kannst Du sicherlich mehr als die 400 EUR Tagessatz verlangen. Weiterhin habe ich Deine Frage auch nicht ganz beantwortet. Du solltest ca. 30-40& Deines Gehaltes abrechnen für Sozialabsicherungen und alle Leerlaufzeiten. Viele machen den Fehler, das Geld erstmal komplett auszugeben, sicherlich auch für Investitionen, müssen dann jedoch vielleicht 20 oder 30 TEUR Steuern im nächsten Jahr zahlen. In diesem Fall schlechtes Finanzmanagement für einen, der andere berät.

1

Was möchtest Du wissen?