was sind Nahrungsbeziehungen? (Ökosystem)

1 Antwort

Das wird etwas länger :-))

Die physikalische Grundlage für den Aufbau von Nahrungsketten bildet die Nutzung der Sonnenenergie zur Umwandlung anorganischer in organische Substanzen durch die grünen Pflanzen. Die so gebundene chemische Energie stellt sodann die Basis für die weitere Nutzung durch alle Organismen dar. Dabei nimmt die Glucose als Produkt dieser Synthese eine zentrale Stellung ein. Sie bildet nicht nur die Grundlage für viele Lebensprozesse, sondern dient auch als Ausgangspunkt für die Synthetisierung weiterer organischer Stoffe.

Als (primäre) Produzenten organischer Substanz stehen die grünen Pflanzen am Anfang aller Nahrungsketten, deren erste Trophiestufe sie darstellen. Ihnen folgen auf der zweiten die heterotrophen Organismen als Konsumenten der von den Primärproduzenten erzeugten organischen Substanz. Sie nutzen entweder als Biophage (Pflanzenfresser, Räuber, Parasiten) lebende oder als Saprophage abgestorbene Biomasse. Auf der dritten Trophiestufe sorgen schließlich die Destruenten für den Abbau der toten Biomassereste zu anorganischen Ausgangsmaterialien. Drei Nahrungsketten lassen sich unterscheiden: die Episiten- oder Weidekette, in denen ein Pflanzen- oder Fleischfresser, und die Parasitenkette, in der ein Parasit als Endkonsument auftritt. Beide sind jeweils mit der Detrituskette als dritter verbunden, die sie zu Ende führt. Während in den Weideketten die Körpergröße der aufeinanderfolgenden Konsumentengruppen (Pflanzenfresser, Räuber) im allgemeinen zu- und ihre Reproduktionsrate abnimmt und bei den Endkonsumenten keine Spezialisierung auf eine bestimmte Nahrung vorliegt [grüne Pflanzen - herbivore Insekten (Blattläuse) - carnivore Insekten (Laufkäfer) - Erdkröte - Fuchs (Endkonsument)], werden die Vertreter der Parasiten kette auf den höheren Trophiestufen kleiner, ihre Reproduktionsrate steigt und sie erfahren eine fortschreitende Spezialisierung, beispielsweise:

Wirbeltier - Flöhe – Darmparasiten der Flöhe (Leptomonas-Arten) oder: grüne Pflanze — in Pflanzenteilen minierende Insekten - Flagellaten im Darm dieser Insekten. Dabei nehmen Herbivore und Pflanzenparasiten in Weide- und Parasitenketten vergleichbare Positionen ein, während die tierischen Parasiten in oder an Tieren den Carnivoren in der Weidekette entsprechen. Die Nahrungsketten können unterschiedlich lang sein. Im einfachsten Falle brauchen sie nur aus zwei Trophiestufen, Produzenten und Destruenten, zu bestehen. Meist enthalten sie mehrere Trophiestufen, in der Regel drei bis fünf. Einzelne Konsumentenarten können auch auf verschiedenen Trophiestufen wirksam werden, was insbesondere für Omnivore oder verschiedene Entwicklungsstadien bzw. die beiden Geschlechter einer Art zutreffen kann, wenn sie verschiedenen Konsumententypen zugehören.

Die Tachiniden (Diptera) z. B. leben als Larven parasitisch, die Imagines hingegen sind Blütenbesucher. Die Weibchen der Bremsen (Tabanidae, Diptera) saugen das Blut von Säugetieren, die Männchen ernähren sich von Nektar. Viele Wirbeltiere gehören während ihrer Entwicklung verschiedenen Trophiestufen an, wie das Beispiel des Hechtes verdeutlicht. Da bei den Gliedern der einzelnen Trophiestufen von Weidekettenoftmals Polyphagie herrscht und die verschiedenen Weideketten dadurch miteinander, außerdem aber auch noch mit Parasitenketten verknüpft sein können, kommt es zur Ausbildung von Nahrungsnetzen. Bei den Endkonsumenten laufen dann häufig mehrere netzartig verflochtene Nahrungsketten zusammen bzw. münden schließlich in Detritusketten.

  • Quelle: (Buch) Ökologie von Hans Joachim Müller: ISBN 3334001636 von 1988

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