Was sind Ideologen?

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Wikipedia: "Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Ideologie ein System von Ideen, Vorstellungen, Werturteilen und Begriffen und kann synonym zu „Weltanschauung“ Verwendung finden". Demgemäß tritt anstelle der Realität eine Idee, eine Anschauung an den Ausgangspunkt der Erklärungen (Siehe Idealismus). Der Ideologe interessiert sich nur eingeschränkt für die Welt, wie sie ist. Ihn interessiert stattdessen voreingenommen die Welt, soweit sie sein "System von Ideen, Vorstellungen, Werturteilen und Begriffen" stützt. Er trägt seine Vorurteile so an die Erkenntnisgegenstände heran, dass das Ergebnis vorweg genommen wird. Ideologien sind verbreitete Systeme interessierter Fehler, mit denen die Realität nicht als Folge zufälliger, unbeabsichtigter Fehlerabweichungen irgendwie "vernebelt", sondern systematisch fehl gedeutet wird. Ideologien, die keine Herrschaftsinteressen stützen, haben mangels Gefälligkeit schlicht keine Karrierechance. Deshalb ist es grundsätzlich nicht nötig oder zweckmäßig, Untertanen eine passende Ideologie aufzusetzen.

In diesem Sinne bildet die Ideologie des „dialektischen und historischen Materialismus“ als Staatsdoktrin einen Grenzfall: In der ehemaligen DDR beispielsweise wurde die ideologische Deutung der aktuellen Herrschaftsinteressen nicht dem freien pluralistischen Markt der Philosophen überlassen, sondern institutionalisierten „Chefideologen“ übertragen (Vergl. hierzu Wolfgang Leonhard, "Die Revolution entlässt ihre Kinder"). Die dort seinerzeit propagierte „Materialistische Weltanschauung“ ist eine contradictio in adiecto, insofern sich Materialismus und Weltanschauung per se ausschließen.

Die Vielfalt der Ideologien wirft die Frage nach deren Gültigkeit auf. Nach dem Satz vom ausgeschlossenen Dritten muss schließlich von mehreren widersprechenden Theorien mindestens eine davon fehlerhaft sein. Das ist generell durch gedanklichen Nachvollzug entsprechender Theorien zu prüfen. Dieser Mühe entziehen sich moderne Ideologen, indem sie methodische Vorschriften erfinden zur Wahrheitsprüfung, sog. „Wahrheitskriterien“. Als wahr wird anerkannt, was der jeweiligen Erkenntnismethode gerecht wird. Damit ist das Ergebnis der Wahrheitsprüfung wieder vorweg genommen: Die vorgefassten Urteile über die Welt werden in die Erkenntnismethode verpackt.

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