Was sind die Vorteile einer geringen Inflation?

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11 Antworten

Der theoretische Ansatz einer Inflation ist Geldentwertung, mithin ein wirtschaftlicher Treiber.
In der Praxis sieht das anders aus.
Auch in den Jahren mit hoher Inflationsrate und damit hohen Zinsen, wie in den 1970er/1980er Jahren lag der Grenzwert der Inflation bei nahe 0, wie heute.

Otto-Normalsparer erhielt eben 5% Zinsen auf dem Sparbuch und freute sie wie Bolle, während der Leitzinz der Bundesbank bei 4,5% lag.

Eine Defaltion bedeutete Geldaufwertung.
Neben anderen Aspekten ist die eigentliche Funktion des Geldes, dass es ein Wertspeicher sein sollte, mithin nicht willkürlich entwertet werden sollte.

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Draghi will ja keine Inflation wie in den 1920ern, sondern einen Wert dicht unter zwei. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe. Erstens ist die Inflationsmessung fehlerhaft. Man geht davon aus, dass die tatsächliche Inflation von der Statistik überzeichnet wird. Zweitens kann die Zentralbank die Inflationsrate nicht direkt steuern. Peilt sie null an, besteht immer die Möglichkeit, dass man in die Deflation rutscht und dann ist die Wirksamkeit der Geldpolitik oft ungewiss. Der leicht positive Wert dient also auch als Sicherheitsabstand.

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Am Ende ist es einfach eine Frage der Höhe. Wenn die Wirtschaft wachsen soll, ist dafür auch ein Geldmengenwachstum erforderlich, mit der das Wachstum finanziert wird. Genau das ist das Ziel der EZB. Eine moderate Inflation, mit der das Wachstum, insbesondere in den südlichen Staaten Europas finanziert wird.

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1988Ritter 21.06.2016, 10:26

....und wo kommt Herr Draghi gleich nochmal her ?

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archibaldesel 21.06.2016, 10:36
@1988Ritter

Und trotzdem kriegt er es nicht hin. Dass ausgerechnet ein Italiener die Inflation nicht angeschoben bekommt, ist schon eine Posse.

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Was für Nachteile siehst du denn? Eine geringe Inflation ist eigentlich das beste, was der Wirtschaft passieren kann. Starke Inflation wäre nachteilig, weil dann radikal die Preise in die Höhe schnellen. Und Deflation schmälert das Wirtschaftswachstum. Und wenn man an die 4 Konjunkturphasen denkt, die ja wie in einem Kreislauf auftreten, ist doch das Ziel, daß man in der Boomphase ordentlich zulegt und während der Depression nicht zu stark abfällt. Und auch der Außenhandel hat ja eine enorme Bedeutung für die Wirtschaft. Ohne das jetzt ausführlich in die Tiefen der Volkswirtschaftslehre abtauchen zu wollen. Eine leichte Inflation ist das optimale Ergebnis des langsamen und stetigen Wirtschaftswachstums, eines der Ziele des magischen Vierecks in der Wirtschaft.

Übrigens, was du mit den 20er Jahren ansprichst. Das war schon keine geringe Inflation mehr! Das kannst du nicht als Beleg dafür anführen, daß eine geringe Inflation nur schadet.


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Du weißt aber, dass in den 1920er Jahren keine geringe Inflation war, sondern eine Hyperinfaltion? Ein Brot kostete gestern 500.000 Mark, heute 1.000.000 Mark und schon morgen 2.000.0000 Mark. Genau darin liegt der Unterschied zwischen damals und heute.


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mp9500 21.06.2016, 08:22

Das ist mir bewusst. Demnach sollte eine geringe Inflation trotzdem nicht vorteilhaft sein.

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Jewi14 21.06.2016, 08:32
@mp9500

Sollte nicht? Ist aber vorteilshaft! Schau dir Japan sein den 1990er Jahren an, die kämpfen seit dem mit einer Dauer-Deflation. Die Preise fallen und fallen, die Kunden warten mit dem Kaufen, weil sie denken, es wird noch billiger. Also Folge wird immer weniger gekauft.

Eine geringe Inflation bedeutet auch, dass der Hersteller weiß, er wird einen Gewinn mit seinen Waren machen und das auch in der Zukunft, eben weil die Preise leicht steigen.

PS: Wenn die Preise nicht steigen, sondern fallen, werden die Löhne irgendwann auch nicht mehr steigen, sogar fallen. Findest du das auch vorteilhaft?

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niedrige Inflation = Geldstabilität

hohe Inflation = mangelhafte Geldstabilität

Dieser Draghi ist einfach auf dem Geldmarkt bezogen eine Katastrophe.

Mit seiner Null-Zins-Politik hat er schon Milliarden vernichtet, jetzt macht er weiter in dem er die Infaltion anschiebt.

Im Klartext:

Du bekommst für Dein Geld keine Zinsen, und wenn Du Pech hast zahlst Du über die Bankgebühren sogar noch einen Strafzins weil Du Geld hast. Zusätzlich wird das dann noch durch eine Inflation entwertet.

Wenn das so weitergeht, dann können wir gleich das Geld abgeben.

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Naja die ganze Welt ist ja irgendwie verschuldet. Und durch die Inflation werden die Schulden automatisch geringer, da das Geld an Wert verliert . Aber bei einer Deflation gewinnt ja das Geld an wert. Und dies wäre für die ganzen Schuldner katastrophal und es würden viele von ihnen pleite gehen oder sie müssten mehr Geld für die Zahlung der Kredite benutzen, was ja die Gewinne der meisten Unternehmen schmälern würde. Auch die Staaten wären davon betroffen, schaut man sich deren Schuldenberge an. Also wäre eine Deflation schlimm, weil dadurch die Schulden größer werden. Bei einer Inflation hingegen verringern sich die Schulden. Aber die Inflation sollte auch nicht zu hoch sein. Laut Maastricht sind ja 2% Inflation perfekt. Und die möchte z.B. Draghi erreichen und hilft da auch soweit er kann mit.
Lg John152

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archibaldesel 21.06.2016, 10:20

Die Argumentation hat leider Logiklöcher.

Es gibt einem direkten Zusammenhang zwischen Inflation und Höhe der Zinsen. Je höher die Inflationsrate, desto höher der Zins. Den Überschuss nennt man auch Realzins. Bei einer hohen Inflationsrate zur Schuldenreduzierung schießt sich der Schuldner selbst in Knie, weil sein Zinslast stärker ansteigt, als der Kaufkraftverlust seiner bestehenden Schulden sinkt.

Auch das Thema Deflation ist fehlerhaft beleuchtet. Das Problem der Deflation ist nicht der Anstieg des Schuldenwertes, sondern dass eine Deflation die Wirtschaft abwürgt. Fallende Preise führen zu Verschiebung von Konsum. Die Menschen warten auf weiter sinkende Preise. Der Absatz geht zurück, Unternehmen entlassen Angestellte, die ebenfalls weniger konsumieren, die Preise fallen wegen sinkender Nachfrage weiter. Ein Spirale, aus der nur schwer ein Ausweg zu finden ist.

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JapaneseGeneral 21.06.2016, 11:19
@archibaldesel

Eine Inflation setzt einen Anreiz zu kaufen, da man weiß, dass man zu einem späteren Zeitpunkt mehr Geld für das selbe Produkt bezahlen müsste. Die Politik der EZB ist es doch aber die Inflation zu erhöhen indem man den Leitzins senkt und somit die Geldmenge erhöht(indirekt)? Generell ist das einzige Ziel von Inflation das Wirtschaftswachstum, was eine Menge verschiedener Komponenten bedingt(geringe Arbeitslosigkeit, meher Innovation...). Das Ziel der Geldpolitik ist es nicht wie in den 1920ern eine extrem hohe Inflation, sondern ein festgelegte Inflation zu gewährleisten (2% gilt als Ideal).

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john152 21.06.2016, 11:26

Aber der in meiner Antwort genannter Grund spielt auch eine gewisse Rolle

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john152 21.06.2016, 11:44

Und auch deine Argumentation ist richtig, doch ich wollte nicht nur andere wiederholen, somit habe ich einen weiteren Grund genannt. Natürlich stellt das Konsumverhalten durch eine Deflation den größten Schaden für die Wirtschaft dar.

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bei einer geringen inflation sparen die leute nicht mehr und geben ihr geld aus. das soll damit erreicht werden

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Ein Vorteil aus einer (hohen) Inflation ziehen nur die Banken, die ihre Schulden für Lau los werden.


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archibaldesel 21.06.2016, 10:33

Schulden machen ist das Geschäftmodell der Banken. Zudem werden auf der anderen Seite die Kreditnehmer ihre Schulden nach deiner Logik auf für lau los. Eine Bank gewinnt also gar nichts durch Inflation, weil sie Einlagen einsammelt und Kredit ausgibt. Was auf der einen Seite verloren geht, geht auch auf der anderen Seite verloren.

Es ist aber auch sonst falsch, weil Zinsen mit der Inflation ansteigen. Die Zinsen liegen üblicherweise über der Inflationsrate, den Überschuss nennt man Realzins. Und wenn der Zins höher liegt, als die Inflationsrate, steigt die Zinslast für eine Bank stärker als die Inflation die Schulden entwertet. Ein klassisches Eigentor.

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azmd108 21.06.2016, 10:39
@archibaldesel

Klar gehört das zum Geschäftsmodell. Mir geht es da mehr um die Schulden resultierend aus der Finanzkrise und der Bankenrettungen.

Aber du scheinst dich besser auf dieser Thematik als ich auszukennen. Wenn ich falsch lag, nehme ich mein Kommentar natürlich zurück. Danke für die Richtigstellung.

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Ich denke mal die ist notwendig, um die Wachstums-, Zins- und Zinseszinsblase des modernen Kapitalismus mit einer Geldentwertung zu kompensieren, da dieses System nur mit Schulden funktioniert.


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