Was sind die Vorraussetzungen einer wissenschaftlichen Theorie?

 - (Schule, Ausbildung und Studium, Philosophie und Gesellschaft)

11 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Die Evolutionstheorie ist ebenso wie die Theorien der Geschichtswissenschaft keine naturwissenschaftliche Theorie im strengen Sinne, weil wir ja in keinem dieser Fälle wiederholt die Umgebungsvariablen auf einen definierten Anfangszustand setzen können und dann regelmäßig sehr ähnliche Ergebnisse beobachten (ggf. auch mehrere, aber mit reproduzierbaren Wahrscheinlichkeiten).

In der Geschichtswissenschaft arbeitet man v. a. mit Aussagen von Zeitzeugen, wobei man Interessen (gefärbte Berichterstattung) und allgemeine Glaubwürdigkeit dieser Zeugen abschätzen muss (ähnlich wie bei Zeugen vor Gericht).

In der Forschung nach der Herkunft des Lebens müssen wir notgedrungen "rückwärts" argumentieren: wir finden Leben vor und wir finden Zeugnisse vergangenen Lebens vor. Daneben haben wir noch Erkenntnisse aus den Erfahrungswissenschaften (Physik, Chemie und besonders Biologie). Es geht jetzt darum, eine Erklärung zu finden, auf welche Weise das Leben entstanden ist, und zwar eine Erklärung, die möglichst gut mit allen anderweitigen Erkenntnissen übereinstimmt.

Aber nicht nur das - aus einer "guten" Theorie kann man auch folgern, dass andere denkbare Szenarien als das Beobachtete unmöglich bzw. sehr viel unwahrscheinlicher sind.

In diesem Sinne ist (zumindest in diesen Jahrzehnten) die Evolutionshypothese die "beste" Erklärung, sodass man sie zur Theorie erhebt.

(Irgendwelche Schöpfungslehren - einschl. unsere Welt als (Computer-)Simulation - sind, so bestechend und plausibel sie auch sind, in diesem Sinne sehr schlechte Theorien, eben weil sie viel erklären - sie erklären viel zu viel, insbesondere erklären sie auch problemlos sehr viele Dinge, die wir eben nicht beobachten. Z. B. völliges Fehlen von Zwischenformen, ein Minimum oder ein Maximum an verschiedenen Arten.)

schade ich finde die "beste Antwort" Funktion nicht mehr. Sehr logische nachvollziehbare Antwort. Danke

Ich würde gerne von Ihnen erfahren, sofern sie sich Zeit nehmen, was sie von der "Intelligent Design" Geschichte halten und zwar rein vor der wissenschatlichten Seite von "Intelligent Design". Ich werde noch verrückt, wie die Erkenntnisse in diesem Gebiet klein geredet werden. Was sagen sie dazu.

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@DahnsenWahnsen

Als vor einiger Zeit die Vertreter des Intelligent Design (ID) versucht haben, ID als Unterrichtsfach in Schulen der USA einzuführen, ging das bis vors höchste amerikanische Gericht. Dort wurde der Vertreter des ID nach wissenschaftlichen Belegen gefragt und musste dann allerdings unter Eid zugeben, dass es keinen einzigen wissenschaftlich anerkannten Beleg für das ID gäbe. Die anschließende Entscheidung war klar, ID wurde als Unterrichtsstoff abgelehnt.

Insofern gibts da gar nichts klein zu reden, es ist erst gar nichts da außer bloßen Behauptungen und Lügen.

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@Hamburger02

und du kannst dir nicht vorstellen, warum die Regierung viel lieber ein materialistisches Weltbild in den Schulen gelehrt haben will ?

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@DahnsenWahnsen

Die USA? Vor nicht einmal 100 Jahren war dort genau das Gegenteil der Fall und auch heute sind die USA sehr religiös.

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@DarkSepia

Religiöse Fundamentalisten oder Materialisten ob die eine Seite erstarkt oder die Andere ist den Regierenden egal sind schließlich beide manipulierbare Massen. Bei "Intelligent Design" bekommen sie es aber mit der Angst zu tun.

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@DahnsenWahnsen

(Bleiben wir beim "du", wie in Internet-Foren üblich.)

Die Leute bei http://www.wort-und-wissen.de/ können da viel schneller und viel mehr zu sagen als ich.

(Allerdings bin ich da mit ein paar erkenntnistheoretischen Rückfragen ebenso auf Unverständnis gestoßen wie bei der "Gegenseite". Immerhin sind sich die Leute bei "Wort und Wissen" ihrer religiösen/metawissenschaftlichen Voraussetzungen bewusst, im Gegensatz zu den allermeisten Leuten in diesem Spannungsfeld, egal ob "Kreationisten" oder "Evolutionisten".)

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@PWolff

zum gegebenen Zeitpunkt werde ich mir die Seite mal näher anschauen. Danke

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@PWolff

diese Seite  http://www.wort-und-wissen.de/ ist ein jämmerlicher Versuch "Intelligent Design" einen kreationistischen Anstrich zu verpassen. Wer betreibt sie und wer finanziert sie? Etwa vielleicht die selben Leute die auch ANTIFA unterstützen ? Wenn dieses Land nicht langsam aus diesen materialistischen Alptraum erwacht, dann sieht es für uns alle bald ganz düster aus.

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wie kann es sein, dass die Darwinistische Evolutionstheorie und ihre modernen Ableger als "wissenschaftliche Theorien" gelten wenn sie doch nicht die Voraussetzungen erfüllen?

Diese Behauptung ist schlichtweg falsch. Sie erfüllen sogar bestens die Kriterien, die eine wissenschaftliche Theorie ausmachen.

Nach meinen Erkenntnisstand müssen naturwissenschaftliche Theorien auf Tatsachen beruhen…

Das ist insofern korrekt, wenn unter „Tatsachen“ konkrete, nachvollziehbare und reproduzierbare Messungen bzw. Beobachtungen zu verstehen sind, die für die Theorie sprechen und dass es keine solchen gibt, die dagegen sprechen.

Im erweiterten Sinne gehören innerhalb wissenschaftlicher Theorien auch nachvollziehbare Erklärungen auf der theoretischen Ebene hinzu, die auf Logik im weiteren Sinne bzw. auf Mathematik im engeren Sinne beruhen. Auch hier darf es nur Belege geben, die dafür sprechen, aber keine Widerlegungen.

Soweit ich das erblicken kann wurde die sogenannte "Selbstorganisation", die eine tragende Säule innerhalb dieser Theorie ist, jedoch noch nicht bewiesen und ist somit keine Tatsache.

Zunächst mal kann eine wissenschaftliche Theorie prinzipbedingt nie bewiesen werden, sie kann nur belegt (verifiziert) oder widerlegt werden. Wobei der wissenschaftliche Begriff „belegt“ gleichbedeutend mit dem Alltagsbegriff „bewiesen“ ist.

Was die Selbtsorganisation betrifft, ist das zunächst ein Überbegriff, der verschiedenen Theorien umfasst. Die wichtigste Grundlage dafür, dass inzwischen von der Selbstorganisation als Fakt gesprochen werden kann bzw. muss, ist die Theorie dissipativer Strukturen, die 1977 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde und die sowohl theoretisch als auch praktisch die Mechanismen der Selbstorganisation belegbar und nachvollziehbar darstellt und für die es bislang auch keinerlei Messung, Beobachtung oder theoretisch begründete Widerlegung gibt. Insofern gilt die Selbstorganisation im wissenschaftlichen Sinne durchaus als „bewiesen“ und muss als Tatsache gesehen werden.

Der Alternativentwurf zur Evolutionstheorie bzw. zur Biogenese im Rahmen der Selbstorganisation wäre z.B. das Intelligent Design bzw. die verschiedenen Formen des Kreationismus. Hier musst aber ein Vertreter dieser Spekulationen vor dem obersten amerikanischen Gericht zugeben, dass es dafür keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg gibt, weshalb hier auch keines falls von einer Theorie, noch nichteinmal von einer Hypothese, sondern allenfalls von unbelegter Spekulation bis hin zur wissenschaftlichen Lüge gesprochen werden muss.

Müssten diese Theorien nicht eher den Status eine Hypothese erhalten?

Eindeutig nein, da sie inzwischen weit über den Status der Vermutung, Annahmen oder gar Spekulationen hinausgekommen sind und tausendfach belegt, aber noch kein einziges mal widerlegt werden konnten.

"Was die Selbtsorganisation betrifft, ist das zunächst ein Überbegriff, der verschiedenen Theorien umfasst. Die wichtigste Grundlage dafür, dass inzwischen von der Selbstorganisation als Fakt gesprochen werden kann bzw. muss, ist die Theorie dissipativer Strukturen, die 1977 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde und die sowohl theoretisch als auch praktisch die Mechanismen der Selbstorganisation belegbar und nachvollziehbar darstellt und für die es bislang auch keinerlei Messung, Beobachtung oder theoretisch begründete Widerlegung gibt. Insofern gilt die Selbstorganisation im wissenschaftlichen Sinne durchaus als „bewiesen“ und muss als Tatsache gesehen werden."

Dieser Sache werde ich auf den Grund gehen.

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@DahnsenWahnsen

ich bin der Sache auf den Grund gegangen, dissipativen Strukturen erklären überhaupt nicht eine rätselhafte Selbstorganisation die im Stande wäre weniger entwickelte Lebewesen zu höheren zu evolvieren. Die Märchenstunde ist vorbei

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@DahnsenWahnsen

Ja Wahnsinn. Da surfst du mal ein paar Stunden im Internet, wer weiß wo, und bist dann schlauer als die versammelte Wissenschaftsgemeinde, da kann man nur staunen. Und ob du da irgendwo Grund erreicht hast ist eh zweifelhaft. Da hast du höchstens irgendwo an der Oberfläche gekratzt, womöglich noch bei Kreationisten oder anderen Volksverdummern.

Hier zur Hilfe mal ein paar Links auf unterschiedlichem Niveau, die dir den Zusammenhang zwischen dissipatven Strukturen und Evolution vieleicht etwas klarer werden lassen:

http://www.zeit.de/1977/44/leben-als-zerstreute-struktur/seite-2

http://www.spektrum.de/lexikon/physik/dissipative-strukturen/3202

http://alloqui-hominem.net/Systeme_Dissipative_Strukturen.PDF

http://www.bertramkoehler.de/Universum.htm

https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-322-94778-9_10

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@DahnsenWahnsen

Zeit, Spektrum, Erich Jantsch oder Springer-Verlag ergeben da keinen Anfangsverdacht. Dann nenn du doch mal eine Quelle, wo du dich informiert hast. Dann werden wir ja mal sehen, ob die zu den wissenschaftlich seriösen gehört oder lediglich eine religiöse Propagandaseite ist.

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@DahnsenWahnsen

Gut, dass Biologen so kluge Leute, wie DahnsenWahnsen haben, die mithilfe ihres Vakuums im Herzen Jahrhunderte alte Irrtümer aufklären.

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@DarkSepia

naja die Herzintelligenz wird Heute nicht mehr allzu ernst genommen. Die rechte hälfte des vorderen Stirnlappens dafür umso mehr.

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perfekte Antwort, da kann ich mir einen eigenen Beitrag sparen, da ich nur wiederholen könnte was du bereits gesagt hast :) DH und weiter so!

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Grundsätzlich gilt: alle wissenschaftlichen Theorien können potentiell widerlegt werden durch neue Erkentnisse. Das ist ihre Schwäche, gleichzeitig aber auch ihre Stärke. Darwins Schriften sind mittlerweile 200 Jahre alt und die moderene Evolutionsbiologie hat große Schritte gemacht. Die aktuelle Forschung ist also immer nur eine Momentaufnahme.

Hier ein Artikel, was von Darwins Theorie heute noch zu gebrauchen ist: http://www.zeit.de/2008/42/ST-Darwin

sehr gut. Nach diesen Maßstäben wäre "Intelligent Design" auch eine "wissenschaftliche Theorie" ? Im Grunde genommen ging es mir eigentlich um diese Frage ;))

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@DahnsenWahnsen

Nach diesen Maßstäben wäre das so, jedoch sind das nicht die Maßstäbe, die innerhalb der Wissenschaften gelten.

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@stephandub

und wer hat festgelegt, dass die Wissenschaft nach diesen Maßstäben funktioniert? Etwa Gott ? Versteht mich nicht falsch, aber ich kann einfach nicht akzeptieren, dass "Intelligent Design" als Pseudowissenschaft abgetan wird oder man sie in eine neo - kreationistische Schublade steckt nur weil irgend wer mal bestimmt hat, nach welchen Maßstäben Wissenschaft zu funktionieren hat. Ich fühle mich von der Wissenschaft verraten.

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@DahnsenWahnsen

Um es mal in ein Bild zu fassen (denn Christen lieben Sprachbilder): Du gehst mit einem Tennischläger auf den Volleyballplatz, willst damit mitspielen und wenn man Dir freundlich sagt, dass hier Volleyball gespielt wird, fragst Du wer das festegelegt und die Volleyballregeln erfunden hat - das könntest Du so nicht akzeptieren. Bitte spiel weiter Tennis und lass die Volleyballer in Ruhe, die haben Dir nichts getan. Die nehmen Dir nicht Dein Weltbild weg, die wollen Dir nicht Deinen geliebten Tennisschläger wegnehmen, sie machen Dich lediglich darauf aufmerksam, dass es einen Platz für Tennis und einen Platz für Volleyball gibt.

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@stephandub

Ich bin nicht religiös aber deine Antwort werde ich mir ausdrucken und in meine Mappe heften. Endlich hat mal ein Materialist die Eier auszusprechen wie Jeder von euch denkt. Danke sehr. Ich warte schon lange auf so eine Antwort.

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