Was sind die Ursachen der anwachsenden Kinderarmut in Deutschland?

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9 Antworten

Also erstmal habe ich ein Problem mit dem Begriff "Kinderarmut" an sich, den es in dieser Form überhaupt erst seit ca. 10 Jahren gibt. Der Begriff suggeriert nämlich, dass es unter Umständen auch innerhalb einer Familie bzw. eines Haushaltes Einkommens- oder Wohlstandsunterschiede geben könnte.

Früher hat man - was eigentlich wesentlich realistischer ist - auf das verfügbare Haushaltseinkommen und die Haushaltsgröße abgestellt.

Und wenn man jetzt mal auf Haushaltseinkommen schaut, dann sieht man, dass es in der Zeit von ca. 2000 bis ca. 2011 keine Realeinkommenszuwächse beim Haushaltseinkommen gegeben hat.

Was mal ebenfalls sieht: Beschäftigung (also Arbeit als primäre Einkommensquelle) in Deutschland ist heute anders verteilt als vor 20 Jahren. Wir haben Rekordstände bei der Zahl der Arbeitnehmerverhältnisse, d. h. es arbeiten so viele Menschen wie nie zuvor. Gleichzeitig liegt die Gesamtzahl der geleisteten Stunden unter(!) dem Niveau von 1991 (was seinerzeit ein Rekordjahr war, was die Stunden-Arbeitsleistung betrifft).

Bedeutet im Klartext: immer mehr Menschen arbeiten zwar, aber sie arbeiten weniger lange. Und wir hatten in dem Betrachtungszeitraum einen Bevölkerungszuwachs (primär durch Migration).

Man kann grob abgeschätzt sagen, dass die von den Mitgliedern eines Durchschnittshaushaltes gearbeiteten Stunden in 2016 ca. 5-10 % unter dem Niveau von 1991 liegen. (Dabei lasse ich bewußt mal außen vor, ob nun eine, zwei oder x Personen arbeiten. Sondern ich betrachte nur die Gesamtzahl an Arbeitsstunden auf den Haushalt bezogen.)

Weiterhin ist im Betrachtungszeitraum das Realeinkommen pro geleisteter Arbeitsstunde nur um ca. 5 % gestiegen - über mehr als 20 Jahre betrachtet.

Das bedeutet, dass wir heute ggü. den frühen 90ern effektiv bis zu 5 % weniger Realeinkommen in einem Durchschnittshaushalt haben.

Diese ca. 5 % können im unteren Lohnsegment durchaus darüber entscheiden, ob jemand als "arm" gilt oder nicht.

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Politisch so gewollt. Schlicht und ergreifend. 

Tatsächlich sind Kinder nun mal nicht systemrelevant. Um mal diesen unmöglichen Begriff zu nutzen. Dass Adenauer schon dieser Auffassung war steht ja in einer anderen Antwort. 

Adenauer war aber nur eine Einzelperson. Die gesamte Gesellschaft aber weigert sich bis heute hartnäckig, auch nur die rechtlichen Grundlagen unseres Gemeinwesens zur Kenntnis zu nehmen und danach zum Leben zu erwecken. 

Daraus resultiert die Möglichkeit für Politik, viele Maßnahmen zu schaffen, die vor allen Dingen unsere einzige nachwachsende Ressource - Bezeichnung hier Absicht - schlechtmöglichst zu behandeln. 

Es fängt damit an, dass 2002 das letzte Kinder-Konzentrationslager in Westdeutschland geschlossen wurde. 

Es zieht sich über die schlichte Tatsache, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich im Rahmen der Wiedervereinigung weigerte, dass in Ostdeutschland durchaus bessere System bezogen auf Minderjährige übernehmen zu wollen. 

Diese Tatsache ermöglichte es Politik in vielen Bereichen, männliche Verantwortungsverweigerung zu fördern. Was zu immer mehr Ein-Elterrn-Familien führte. 

Parallel dazu wurde das Lohnniveau auch dank gewerkschaftlicher massiver Mitarbeit immer weiter gesenkt. 

Selbstverständlich brauchen wir heute weniger arbeiten als noch vor 20 Jahren. Aber schon vor 20 Jahren wurde uns von Fachmenschen dargestellt und vorgerechnet, dass wir durchaus sehr gut von einer 20-Stunden-Woche für alle leben könnten. Diese Idee kommt mittlerweile trotz aller Hetzereien in den Medien wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung. 

Auffallend ist, dass zeitgleich zur realen Lohnsenkung über viele Jahre die steuerliche Subvention von Arbeit bzw. die Subvention von Arbeit durch das Arbeitsamt rapide zugenommen hat. 

Parallel dazu sind die Statistikfälschungen der ARGE so auffällig, dass sie mittlerweile vom Bundessozialgericht zumindest teilweise infrage gestellt wurden. 

Wir zahlen in diesem Staat den weltweit dritthöchsten Steuerbetrag für Kindererziehung. Dass das Geld aber nur zu einem auffallend kleinen Teil bei den Betroffenen ankommt wird uns weltweit seit Jahren vorgeworfen. 

Die OECD, die Europäische Kommission für Menschenrechte können Dir in ihren Archiven manche detaillierte Auskunft zur Thematik geben. Nutze die Suchfunktion des Browsers. Dann kannst Du von Fakten lesen, die Dir den Magen umdrehen können. 

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  • Hartz-IV
  • mangelnde Sozialabsicherung z.B. zu geringes Kindergeld
  • fehlende und zu teure Kindergrippen, -und Kitaplätze
  • fehelnde Anpassung der Kita,- und Krippenöffnungszeit an Arbeitszeit
  • fehlendes Entgegenkommen der Arbeitgeber
  • fehlende kindgerechte Wohnungen
  • mangelnde Wertschätzung kinderreicher Familien in der Gesellschaft
  • Mentalität das Kinder ein Ballast und Kostenfaktor seien
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Die Antwort sehe ich als banal an, und ist in einem gleichwertigen Unwort wie dem begriff Kinderarmut zu definieren. 

Hartz IV 

Bei der Einführung von Hartz IV hat man krampfartig die psychologischen und langfristigen Auswirkungen, auf Familien oder Einzelpersonen missachtet. 

Hartz IV beruht auf der Annahme, man könnte eine Integration erreichen, in dem man Leute die am untersten Ende der Bevölkerungsschicht stehen, durch die Ausübung von Druck, in eine Beschäftigung gedrängt werden.  

Psychologisch gesehen ist das jedoch ein grundlegendes Diaster, die Menschen welche am untersten Ende der Bevölkerung stehen, fehlt meist die Motivation bzw. das Selbstvertrauen, in die eigene Persönlichkeit oder der Lebensweise.

Wie man solche Menschen, im einzelnen Motivieren kann ist nicht einfach über einen Kamm zu scheren, was ich ich aber mit Gewissheit sagen kann, das die Methodik durch Hartz IV hervorgerufen nicht anschlägt.

Menschen in einer solchen Situation mit gleichgesinnten unter zwang, in Kursen welche zwar Pädagogische Hintergründe besitzen sollten, zu integrieren, und dabei einen positiven Effekt erzielen, ist daher aus mehrerlei Hinsicht nicht möglich. 

  • Wohl die meisten finden sich sich in eine Umfeld aus gleichgesinnten, mit ihrer Situation aufgrund von fehlenden Anreizen oder schlicht der Demütigung ab, oder geben sich vollkommen auf. Und verlieren somit gänzlich den Anschluss in einen Normalen Alltag und/oder Leben.
  • Setzt man Menschen unter zwang, ist es eine vollkommen natürliche und teils verständliche Reaktion, sich gegenüber der zwang ausübenden Partei zu sperren, was wiederum jeden pädagogischen Effekt von angebotenen Kursen gänzlich zerstört.
  • Bei Menschen die bereits unter geschwächten Selbstbewusstsein leiden, ist durch einen zwang, der hier durch Sperren von Unterstützungsleistungen resultiert, ein weiteres herabgleiten in einen Lethargischen zustand vorprogrammiert. Welche sich wiederum zwangsweise auf Menschen im näheren Umfeld, oder der Familie auswirken. 
  • Grade Familien welche durch Hartz IV abhängig sind, werden nicht selten durch die Öffentlichkeit in ihrer Situation zusätzlich denunziert, was wiederum zur Ausgrenzung insbesondere in der Schule, Vereinen oder im sonstigen Alltag führt  
  • Hartz IV lässt zusätzlich kaum bis keine Chancen aus einem vollkommen Finanziell überwachten Alltag zu entkommen, da die nötigen Sprünge zu groß wären, oder durch Regelation der Behörden zu stark beschränkt werden.

Um das ganze kurz zusammen zufassen, leider die meisten Menschen die in Armut geraten, vererben diese auch weiter.    

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Kommentar von felixuser
06.10.2016, 17:34

Was ich noch gänzlich vergessen habe zu erwähnen, ist natürlich die Billiglohnpolitik der öffentlichen Ämter und der Regierung. 

Gänzlich nach dem Motto "Hauptsache raus aus der Staatlichen Finanzierung, egal um welchen Preis".

dies führt seit Jahren zu Dumping löhnen mit Staatlicher Unterstützung im hohen ausmaß, die Zahlen von unterstützender Hilfe durch den Staat, trotz Arbeit, haben sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. 

Was finanziell gesehen, zu einem Leben auf Hartz IV Niveau führt. 

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Die Frage kannst Du vertrauensvoll an CDU und SPD stellen.
Die SPD hat mit Hartz IV die Armut per Gesetz erfunden.

Schon Konrad Adenauer (CDU) weigerte sich Kindergeld einzuführen, mit seiner senilen Ansicht "Kinder kriegen die Leute immer".

Nach dem Urteil des Bundesverfasungsgerichtes, vom Februar 2010, "...der Staat hat das Existenzminimum jederzeit zu sichern und Teilhabe zu ermöglichen", stelle sich von der Leine, ähm von der Leyen hin und erfand den 10€ Bildungsgutschein, welch eine "Großtat".

Dem konnte oder wollte Andrea Nahles (SPD) nicht nachstehen und erfand der Begriff "sozialwidriges Verhalten" (besser bekannt aus dem III.Reich, dort hieß es noch asoziales Verhalten).

Angeblich sei kein Geld da, man mußte ja die verarmten Banken retten, mit hunderten Milliarden €, da reichts natürlich für Kinder nicht mehr.

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Es liegt daran dass heutzutage sehr viele mehr wert auf Studieren und Arbeit legen.

Damals ist ja der Mann immer Arbeiten gegangen und die Frau hat auf die Kinder aufgepasst. Heute würde man das ganze garnicht mehr finanziert bekommen wenn nur einer arbeiten gehen würde...

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Barolo88 hat die eine - im Prinzip, wenn auch vielleicht nicht in der Formulierung - richtige Antwort gegeben.

Die andere:

die Zuwanderung. Die Kinder der Zuwanderer werden zwar - wie ihre Eltern - deutlich reicher, als sie vorher waren. Sie ordnen sich hier aber in der Einkommensskala unten ein.

Auf diese Weise lässt sich eine individuelle Steigerung des Lebensstandards von Experten für Armut statistisch als Verarmung und als anwachsender Umfang ihres speziellen Aufgabengebietes verkaufen.

Mit deiner Titelfrage liegt eigentlich schon ein nächster Forschungsauftrag
für diese Experten vor. Sie jedenfalls verarmen auf diese Weise nicht.

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Kommentar von Busverpasser
06.10.2016, 16:02

Recht kurzsichtig gedacht, aber da nimmt wenigstens das Weltbild keinen Schaden...

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Hartz 4. Es ist verlockend aber auch eine Falle. 

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