Was sind die Pro und Kontra´s des Staatlichen Grundeinkommens?

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8 Antworten

Ich bin grundsätzlich sehr für ein Grundeinkommen in Form einer negativen Einkommenssteuer, allerdings sehe ich bei der praktischen Umsetzungen ein paar Probleme. Meiner Meinung nach ist es neben der Sicherstellung der Effizienz des Wirtschaftssystems eine der zentralen Aufgaben des Staates, dafür zu sorgen, dass die grundlegendsten(!) Bedürfnisse aller Bürger befriedigt werden. Aus diesem Grund halte ich ein Grundeinkommen für sinnvoll.

Der ganze Spaß ist zumindest bei der Einführung auch finanzierbar (siehe z.B. Ulmer Modell). Das Problem besteht nun darin, dass man gegenwärtig keine verlässlichen Aussagen über die Auswirkungen eines solchen Modells auf Löhne, Arbeitslosigkeit, Preise usw. treffen kann und somit auch nicht sicherstellen kann, dass die Finanzierbarkeit dauerhaft erhalten bleibt. Ein weiteres Problem besteht darin, dass man das hochkomplizierte deutsche Steuersystem dafür etwas auf den Kopf stellen müsste, was sicherlich keine leichte Aufgabe ist.

tl;dr: Idee gut, Finanzierbarkeit gegenwärtig gegeben, nach Einführung aber unsicher, daher gestaltet sich die Umsetzung als äußerst schwierig.

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Kommentar von Interesierter
23.02.2016, 23:44

Wenn wir das Staatliche Grundeinkommen bedingungslos gestalten, wird es unsozial. 

Stell dir einfach mal vor, jeder Millionär hätte Anspruch auf das Grundeinkommen, da es ja bedingungslos ist. Wird jedoch das Grundeinkommen an die Bedürftigkeit geknüpft, ist es nicht mehr bedingungslos und wir sind letztlich bei einem System, ähnlich dem heutigen ALG II.

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Bin sehr stark dafür, weil ich nicht glaube, dass unser heutiges Wirtschaftssystem praktikabel ist und der Mensch sich nicht nur auf Grund seiner Produktivität wertschätzen sollte, wie es heute ist.

Mit der nächsten industriellen Revolution in 20 oder 30 Jahren wird es keine Notwendigkeit mehr für Vollzeitarbeit in der heutigen Form geben und demnach auch keine Möglichkeit mehr, von seiner Arbeit so leben zu können, wie dies heute der Fall ist.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen halte ich demnach für unumgänglich.

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Kommentar von Interesierter
23.02.2016, 23:36

Nur mal so als Frage in den Raum geworfen: Woher sollen die Gelder zur Bezahlung des Grundeinkommens denn genommen werden, wenn es schon für die Menschen keine Möglichkeit mehr gibt, zu arbeiten und damit ihren Lohn zu verdienen. Wenn keiner mehr arbeitet, verdient keiner was. Dann werden auch die Steuern und Sozialabgaben einbrechen und ein Grundeinkommen ist nicht mehr finanzierbar. 

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In Ausnahmefällen, wo Menschen unverschuldet in Not geraten, begrüße ich es. Mit der Mindestsicherung haben wir da doch aber schon, oder? Wobei man über die Höhe natürlich streiten kann.

In zahlreichen Fällen, wo Leute schon jetzt, als Sozialadel in dritter Generation, glauben, das Geld käme doch ohnehin vom Staat, wäre noch mehr Missbrauchsgefahr gegeben.

Mit welchem Recht bekommt ein Faiulpelz und Asozialer, der sich ein Leben lang um jegliche sinnvolle Arbeit gedrückt hat, genau so viel wie ein Mensch, der Jahre vor der Rente unverschuldet arbeitslos wurde und keinerlei zumutbare Arbeit mehr findet?

Außerdem würde es höchstwahrscheinlich noch viel mehr Wirtschaftsflüchtlinge anziehen.

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Kommentar von LC2015
24.02.2016, 12:10

Mit welchem Recht bekommt ein Faiulpelz und Asozialer, der sich ein Leben lang um jegliche sinnvolle Arbeit gedrückt hat, genau so viel wie ein Mensch, der Jahre vor der Rente unverschuldet arbeitslos wurde und keinerlei zumutbare Arbeit mehr findet?

Warum sollte die Person, die vor der Rente arbeitslos wird, in der Zeit, in der sie arbeitslos ist, mehr bekommen? Sie leistet ab diesem Zeitpunkt genau den selben Beitrag wie der Asoziale. In der Zeit, in der sie einen Beitrag geleistet hat, wurde dies mit einer höheren Bezahlung honoriert.

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Contra!

Ein bedingungsloses staatliches Grundeinkommen setzt die falschen Anreize. Der Normalfall sollte sein, dass jeder von seiner eigenen Arbeit leben kann. Die staatliche Alimentierung sollte der Ausnahmefall in sozialen Härtefällen sein. Durch das Grundeinkommen würde dieses Grundprinzip auf den Kopf gestellt.

Ziel von Sozialpolitik sollte die weitestgehende Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen sein. Wo diese nicht umgesetzt werden kann, kommt der Sozialstaat zum Tragen. 

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Dafür, in Länder wo dies schon experimentell versucht wurde gaben die Menschen mehr für ihre Gesundheit, Bildung... aus. Die Menschheit entwickelt sich so schneller, besser und es gibt weniger Konflikte da keiner Hungern muss.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen

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Nein, ich bin dagegen. Die Idee hört sich zwar gut an, setzt jedoch völlig falsche Anreize. Sie erweckt nämlich die Illusion, ein Einkommen sei ohne Leistung zu haben. Wer soll die Löhne bezahlen, die nicht durch Arbeit erschaffen wurden? Diese einfache Frage zeigt, wie irreführend der Gedanke in Wirklichkeit ist.

Geld, welches wir als Lohn bekommen, entstammt nicht einfach einer Druckerei, sondern unserer Wertschöpfung. Ohne Wertschöpfung kann es kein Einkommen geben – eine Binsenweisheit. Ein bedingungsloses Grundeinkommen setzt voraus, das andere als ich selbst für mich Wertschöpfung generieren. Wenn alle so denken, wer arbeitet dann noch?

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Kommentar von Sonnenstern811
23.02.2016, 23:57

90% Zustimmung, aber leider entstammem unsere heutigen Beträge nicht mehr allein der Wertschöpfung, sondern zu einem durchaus relevanten Teil künstlich geschaffenem Geld der Zentralbanken. Mit nicht absehbaren Folgen. Oder doch. Solche Schuldenmacherei ist noch niemals gut gegangen, und auch diesmal und auch hier, ist nicht alles anders als früher.

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Dagegen. Es ist in Deutschland aus verfassungsrechtlichen Gründen kaum machbar. Tatsache ist, um ein BGE zu finanzieren, müsste man nahezu alle anderen Sozialleistungen- außer Krankenversicherung, Pflegeversicherung und einige Familienleistungen- abschaffen, die ja auch alle durch das BGE ersetzt werden.

Problem dabei: Das hieße, auch die Rentenversicherung abzuschaffen. Das geht aber nicht so ohne weiteres, da die Anwartschaften der Rentenversicherung unter den Eigentumsschutz des Grundgesetzes fallen. Deshalb müssten die bestehenden Anwartschaften weiter gezahlt werden.

Dadurch würde es zu einer jahrzehntelangen Übergangsphase kommen, in der die doppelte Belastung des Steuerzahlers- einerseits durch das Grundeinkommen, andererseits durch das die Rente, die nicht mehr durch Rentenkassenbeiträge finanziert werden könnte- nicht tragbar wäre. 

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Kommentar von Interesierter
23.02.2016, 23:38

Du triffst jetzt nicht unbedingt meine Meinung, aber ich muss sagen, sie ist sehr gut durchdacht und begründet. Deswegen: Mein Dankeschön!!

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So lange es kein Recht auf Arbeit gibt, ist ein bedingungsloses Grundeinkommen erforderlich. Ein gesunder Egoismus sollte bei Allen Lohnabhängigen vorhanden sein. Ist er noch unterentwickelt, gilt es ihn zu wecken.

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Kommentar von Interesierter
23.02.2016, 23:41

Wie schon erwähnt, suggeriert ein BGE die Möglichkeit von Einkommen ohne Wertschöpfung. Das lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad realisieren. Dies kann aber nur der Ausnahmefall sein. Wird dieses Modell zum Regelfall, bricht es mangels Finanzierbarkeit in sich zusammen, da dem Einkommen keine Wertschöpfung mehr gegenübersteht. 

Ohne Wertschöpfung werden die letzten Werte verfrühstückt und das System ist pleite.

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