Was sind die größten Vorteile des Vereinslebens?

9 Antworten

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  • Mich stört Vereinsmeierei auch immens. Alles recht kleingeistig und regelversessen, viele Möchterne und Wichtigtuer in der Vereinsleitung, wenig Pragmatismus und gesunder Menschenverstand, "wichtige" Leute nur weil sie lange dabei sind, wenig Flexibilität und quasi gar keine Wandlungsfähigkeit, oftmals Intrigen und Querelen. Vom Image der Kanickelzüchter kommen Vereine auf so gut wie keinen Gebiet wirklich weg.
  • Trotzdem bieten sie eben auch Vorteile. Tanzsport zum Beispiel geht nur mit Verein, Leistungssport aller Art ebenfalls nur mit Verein, und viele regelmäßige gemeinsame Aktivitäten mit vielen Teilnehmern lassen sich auch nur durch die rechtlichen Rahmenbedingungen von Vereinen ausreichend sicher gestalten.
  • Das Internet hat mit Optionen wie Meetup und dergleichen aber den Vereinen schon viel Wasser abgegraben und bietet auf vielen Gebieten gute Alternativen. Ich schätze, dass dies in Zukunft mit stark steigendem Interesse verfolgt wird und Vereine schrittweise weniger werden -- im ehrenamtlichen Bereich und im Sport werden sie aber wohl noch sehr, sehr lange erhalten bleiben.
  • Nicht alle Menschen scheuen sich zudem vor regelmäßigen Terminen. ich kann deine ablehnende Haltung zwar persönlich nachvollziehen, aber ganz viele sind im Gegenteil froh über "Struktur im Alltag" und raffen sich überhaupt nur auf, weil sie feste Termine haben. Für diejenigen sind Vereine eine sehr gute Möglichkeit, nicht zuhause zu versauern.
  • Vereine bieten zudem auch eine gute Möglichkeit der Partnesuche. Man lernt sich persönlich kennen bei Aktivitäten, die einem wirklich Spaß bringen, erst einmal steht die Aktivität und nicht das Kennenlernen im Vordergrund, was das ganze leichter, unkomplizierter macht und mehr auf innere Werte statt auf Oberflächlichkeit setzt. Sehr viele Menschen lernen ihre Partner beim Sport und in Vereinen kennen.
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Du hast ja immerhin auch positive Seiten der Vereine aufgeführt. Der erste Absatz kann aber nicht unwidersprochen bleiben.

Eine derartig pauschale Verunglimpfung von Vereinen ist geradezu eine Beleidigung für die vielen in den Vereinen tätigen, überwiegend ehrenamtlichen und engagierten Personen und letztlich auch derer Mitglieder. Woher nimmst Du das Recht zu so einem Pauschalurteil? In wie viele Vereine hast Du denn Einblick gehabt, um Dir dieses Urteil erlauben zu dürfen? Es gibt mehr als sechshundert-tausend Vereine in Deutschland, jeder zweite Deutsche ist Mitglied in einem Verein und ein Rückgang dieser Anzahl ist nicht zu erkennen.

Das "Image der Karnickelzüchter" ist lediglich eine herabsetzende Beurteilung von Menschen, die selbst Vereinen nichts abgewinnen können und daher fast immer auch gar keine Erfahrung mit Vereinen haben oder vielleicht gerade mal eine schlechte.

Natürlich gibt es alles was Du aufgeführt hast, das ist aber leider immer so, wenn Menschen gemeinsam organisiert tätig sind, nicht nur in Vereinen. sondern auch in Firmen, Verbänden oder der Politik.

Ich bin persönlich nicht von Deinen Aussagen betroffen, aber in unserer Stadt gibt es mehrere Vereine mit vielen tausend Mitgliedern, sehr viele kleinere und sicher auch einen Karnickelzüchterverein. In einigen bin ich Mitglied, habe bisher weit überwiegend positive Erfahrungen gemacht und bewundere die Menschen, die sich, selbst in größeren Vereinen meist ehrenamtlich engagieren.

Auch wenn sich einmal menschliche Schwächen zeigen, nehme ich diese gern in Kauf, überwiegen doch bei weitem die positiven Seiten, die einem meist erst bewusst werden, wenn es für diese "Vereinsmeier" mal keinen Nachfolger gibt, weil keiner "Bock" auf die viele Arbeit hat, sondern zuerst fragt "was bekomme ich dafür?".

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@Zappzappzapp

Nun, ich habe einen negativen und vier positive Absätze geschrieben und ich halte sie alle fünf für wahr. Du ereiferst dich unbotmäßig und unfair über meine Kritik.

Ich habe bisher jeden Verein, in dem ich war, wieder verlassen, weil die Wichtigtuer und die Intrigen einen den Spaß verderben. Es gibt immer viele Mitläufer, die die Vorteile abgreifen und selbst wenig beitragen, das ist richtig und ein weiterer Kritikpunkt. Aber die ach-so-ehrenamtlichen Wichtigtuer und Möchtegerne tun das weit überwiegend nicht der "guten Sache wegen", sondern ziehen darauf eigene Befriedigung und leben Machtinteressen aus, die sie im "realen Leben" nicht erreichen konnten.

Die allermeisten Vereine sind reaktionär, altmodisch und eben durchzogen von diesen Strukturen, an denen sich frische Mitglieder mit guten Ideen einfach nur die Zähne ausbeißen.

Das Beste, was man tun kann, wenn man drauf angewiesen ist, ist, den Mitläufer zu spielen, die Dinge zu nutzen, die man braucht und fertig. Mir liegt diese Mentalität aber leider nicht.

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@Kajjo

Ich bleibe bei meinem Kommentar, ausdrücklich auf Deinen ersten Absatz bezogen. Unbotmäßig und unfair sind allein Deine Angriffe, die alle pauschal beleidigen, leider eine Krankheit unserer Zeit.

Z.B.

Die allermeisten Vereine sind reaktionär, altmodisch ...

Ich fasse es nicht, wie kann man so etwas behaupten, selbst wenn man schon in vielleicht fünf von 600.000 Vereinen Mitglied gewesen ist ....

Alles wird mit Schlagworten über einen Kamm geschoren, ganz falscher Weg.

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@Zappzappzapp

Ach, dieses Allerwelt-Totschlagargument mit angeblicher Pauschalisierung... ich kann es nicht mehr hören. Jeder begreift, dass es um Mehrheiten, um Grundprinzipien geht und "die allermeisten" ist extra schon nicht schwarzweiß formuliert ("alle"), sondern macht eben nur eine Aussage über die Mehrheit.

Wenn man das Grundprinzip von Vereinen begriffen hat, kann man schon auf diese Art extrapolieren. Ich bin sicher, dass es zutrifft.

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@Kajjo

Ja eben, auch "die allermeisten" (also weit mehr als die Hälfte), ist eine (m.E. auch völlig falsche) pauschale Behauptung. Die kann niemand beweisen, auch nicht das Gegenteil, kann man also sehr bequem mal so einfach in den Raum stellen, so etwas kann ich nicht mehr hören.

So hat halt jeder seine Meinung. Belassen wir es vielleicht mal dabei.

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Hallo!

Da denke ich unweigerlich an einen meiner Lieblingswitze.

"Was ist das Motto des Jagdvereins? Lernen Sie schießen und treffen Sie neue Freunde."

So makaber der Witz klingt - Sinn und Zweck der Vereine ist, dass man neue Leute kennen lernt und Freundschaften schließt. Im Heimat- und Kulturverein, wo ich momentan noch im Vorstand sitze (aber nur noch wenig mache, weil was nach meinem Dafürhalten Untragbares vorfiel) habe ich Freunde gefunden.

Auch die Vermittlung von Wissen unter Gleichgesinnten ist hilfreich oder die Förderung sportlicher Talente ggf. im Messen beim Wettbewerb sowie das Erlernen eines Musikinstruments, das im Musikverein günstiger und häufig auch leidenschaftlicher als in der überlaufenen kommunalen Musikschule möglich ist - so habe ich durch öffentliche Vorträge vom Siedlerbund, allerdings nur als freundschaftlich dem Verein gesonnener Bürger, mehr als einen guten Tipp für meine Tätigkeit als Hausmeister mitnehmen können und lernte da nette Leute kennen, mit denen ich gut auskomme und in der Freizeit auch schon ein Bierchen mit ihnen trinke.

Ähnlich ging es mir in der Alt-Mercedes-Szene. Da habe ich von ein paar netten Fachleuten schon Tipps erfahren, die wirklich halfen. Auch hier bin ich aber in keinem Club, zumal das bei alten Autos und gerade Mercedes sowieso oft an Zurschaustellung der eigenen Autos grenzt und Statusdenken à la "bäh, mein 230E hat weniger Rost und ist außerdem viel besser ausgestattet als deiner und mein Beryll-Metallic ist viel seltener als dieses blöde langweilige Barolorot von deinem" (das war ein fiktiver Dialog, aber so kommt es mir oft vor) von selbsternannten "Kennern", die für alles eine Werkstatt brauchen und am Ende noch mit Werkstattrechnungen prahlen, wer mehr ausgibt und den mutmaßlich besseren, weil teureren Fachbetrieb an der Hand hat, einfach nicht mein Ding ist. Ich fahre alte Benz, weil es mir Spaß macht, weil ich damit aufwuchs, ich an den Dingern gern schraube und weil es ein für mich ideales Hobby ist - aber bestimmt nicht weil ich am Stammtisch mit anderen Benzfahrern debattieren will.

Da ich auch noch einen alten Omega habe, bin ich auch ein wenig im Opelbereich aktiv - dort ist es übrigens deutlich schöner als bei Mercedes, weil hier der Spaß am alten Opel im Vordergrund steht, mit spontanen Ausfahrten am Abend, die gegenseitige Hilfe selbst am Wochenende beim Schrauben/Ausbessern und das Empfehlen von Teilequellen ("du, guck' mal bei dem, der hat noch original verpackte Zierleisten für den E-Kadett vor dem Facelift Anfang 89 irgendwo, grüß' ihn von mir, dann gibt er sie dir billiger" und so ist es dann auch) maßgebend sind und der Kadett-Fahrer genauso gern gesehen ist wie der, der drei Senator, zwei Omegas und einen Commodore hat.

Aber das ist auch in anderen Vereinen so: Oft will man sich brüsten, andere übertrumpfen, sein soziales Gewissen beruhigen, Status raushängen indem man sich vordergründig "engagiert", den guten Menschen/tollen Christen repräsentiert, und viele machen das Engagement nicht für den Verein, sondern um sich einen Namen zu machen und in die Presse zu gelangen.

Bestes Beispiel: Flüchtlingshilfe. So habe ich 2015/16 die Pressearbeit für den hiesigen Hilfszirkel Ehrenamtlicher übernommen - und eines Tages wurde mir ein Dokument zugespielt, dass die absolute Mehrzahl der "Ehrenamtlichen" fürstliche "Aufwandsentschädigungen" bekam, die über dem Salär von jemandem liegen, der im Pflegeheim, in einem Haushalt oder in der Gebäudereinigung irgendwo hilft. Sorry, veralbern kann ich mich selber und die, die am ehesten als "Ehrenamtliche" und "Kirchliche" auf den Pressefotos grinsten, standen ganz oben. Ein einziger Mann, ein pensionierter Bundler, war der echte Ehrenamtler - und das war auch der, der weder in der Zeitung erwähnt werden wollte (O-Ton "mein Name sollte, wenn denn, nur am Rande ganz klein erscheinen") noch auf den Fotos stehen musste. Okay, alles klar. Die Frau, die am schlimmsten war, hat damals die Flüchtlingshilfe als Sprungbrett in einen Job beim Landratsamt benutzt, die hat also Asylbewerber zum eigenen Vorteil genutzt. Da hört der Spaß auf.

Es gibt genügend Wichtigtuer-Poser-Klemmis in diesen Bereichen, das kleinkarierte Image mit Satzung, starren Terminen usw. haftet den Vereinen ebenso an - und das Image von alten Opas mit beigen Westen und Schiebermützen, die zwar immer "die Jungen" wollen, aber "die Jungen" spätestens ausbremsen, wenn sie eigene Ideen haben, die den "Alten" nicht passen, weil es Arbeit wäre oder was verändert werden müsse, ist oft die Wahrheit. Nicht zu vergessen das "Pöstchengeschacher". Im Heimat- und Kulturverein etwa spekulierte jemand jahrelang in feinster "A...kriecher-Manier" und unübersehbar stark auf einen Vorstandsposten, den dann eine junge, hübsche und zudem noch zugezogene Frau bekam - und diese arme Frau wird von dieser Person und einem Befürworter der "Nichtgewählten" unter dem völligen Wegsehen der anderen Vorstandsmitglieder so subtil und eklig gemobbt, dass ich als der, der immer zu ihr stand/steht, das nicht mehr vertreten kann und wie sie aus dem Vorstand trete, um ein Zeichen zu setzen. Egal was andere denken, da ging es um Neid, um "die Jungen" und sonstiges.

Vereine haben genau deswegen solche Nachwuchssorgen: Keiner reißt sich auf, um am Ende noch angek... zu werden, weil es irgendwem nicht gepasst hat - ich sagte letzte Sitzung, als ich meinen Rücktritt ankündigte, dass ein "Dankeschön" mich gefreut hätte - keine Flasche Wein, kein Sekt, kein Gutschein, aber ein nacktes "Dankeschön". Und das kam allenfalls von Leuten, die gar nicht im Vorstand sind.

Da gehe ich lieber zum Opel-Klassiker-Stammtisch, an dem mir letztens jemand zum Dank für eine ganz kurze Hilfestellung bei der Beschaffung eines seltenen Radkappensatzes sogar ein edles vom Werk herausgegebenes Buch über die Entwicklung des Omega schenkte, und freue mich auf die Opels und ihre netten Fahrer, als dass ich mich in meinem "eigenen" Verein als Spielball einsetzen und noch blöde anbabbeln lassen muss, warum ich "diese nix schaffende junge Frau mit dem kurzen Röckchen" auch noch unterstütze. Also dann!

Woher ich das weiß:
Hobby
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Diese Kindergartengehabe Alla: "meins ist besser" geht mir sowas von auf den senkel und habe ich oft im Modellbau erlebt. Statt ein Hobby gemeinsam zu betreiben wird ständig versucht sich gegenseitig zu übertrumpfen.

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@schlappeflicker

Und genau das geht mir zuwider. Im Siedlerbund sind nette Leute, aber auch solche, die nur ihren Garten pflegen, damit er schöner ist als der vom Nachbarn.

Obwohl ich kein sonderlich geselliger Mensch bin, gehe ich gerne an den Alt-Opel-Stammtisch: Egal ob du einen kleinen 1,4-Liter-Kadett hast oder mehrere große Modelle besitzt, du bist gern gesehen und wirst mit Respekt behandelt - klar, wie man in den Wald ruft kommt es auch wieder raus, aber in dieser Gruppe kann man sich wohlfühlen. Ich war vom ersten Besuch an bei allen akzeptiert, obwohl ich "nur" einen der letzten Omega von 2003 fahre.

Bei Mercedes war/ist das ein Treffen selbsternannter, oft freiberuflich arbeitender "Kenner" in Poloshirts, die zwar nicht schrauben können, aber sich permanent gegenseitig darin ausstechen wollen, wer den schöneren W124 hat - und wer im 190er, im W202, im W123, W210 oder im W140 kommt, ist pauschal mal weniger wert oder eine Art Loser, bei dem es zu mehr nicht gereicht hat, obwohl man offiziell doch für alle alten Benz offen wäre.

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Was soll denn "Vereinsmeierei" sein?

Vereine jeder Art gibt es, weil ein Verein Gleichgesinnte in Kontakt bringt und u.a. Treffen, Veranstaltungen und Wettbewerbe organisiert, was für Einzelpersonen ungleich mühsamer, wenn nicht unmöglich wäre.

Wer Leistungssport betreiben möchte, findet in einem passenden Verein ausgebildete Trainer und Trainingsmöglichkeiten.

Auch Termine sind nun mal notwendig, wenn Menschen sich zu Veranstaltungen, Wettbewerben oder auch "nur mal so" treffen wollen. Wenn jeder kommt, wann er will und wann er gerade Lust hat, wie sollte so etwas denn organisiert werden?

Wer "in der Freizeit keine Termine mag", muss eben selbst organisieren und hoffen, dass wenigstens die anderen in ihrer Freizeit Termine mögen, sonst wird es schwierig und man bleibt eben allein.

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