Was sind die Essens-/ und Kleidungsvorschriften von den Buddhisten?

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4 Antworten

Ich bin Buddhist und helfe dir gerne weiter.

Der Buddhismus hat keinen Gott, daher gibt es keine göttlichen "Gebote" deren Nichtbeachtung eine "Sünde" wäre, die Strafen nach sich zieht.

Jede Regel im Buddhismus soll also entweder das richtige Verhalten des einzelnen Menschen fördern, mit dem er möglichst wenig Leid verursacht, oder stellt eine Regel für die Gemeinschaft dar.

Buddhistische Laien

Für buddhistische Laien gibt es keine allgemein verbindlichen Regeln im Bezug auf Kleidung, oder Mahlzeiten.

Gerade außerhalb Asiens sind Buddhisten häufig Vegetarier - eine allgemeine Pflicht zum Vegetarismus lässt sich aus den Lehrreden des Buddha aber nicht ableiten.

In späteren Formen des Mahayana-Buddhismus tauchten dann Schriften auf, in denen teilweise sehr drastisch die Einhaltung des Vegetarismus gefordert wurde - allerdings entstanden diese Schriften nachweislich erst in China, haben also nichts mit Buddhas ursprünglicher Lehre zu tun.

Buddhistische Mönche

Für buddhistische Mönche gibt es sowohl Vorschriften im Bezug auf die Kleidung, als auch für die Mahlzeiten.

Im älteren Buddhismus, dem Theravada, müssen Mönche 227 und Nonnen 311 Regeln befolgen, die auch Kleidung und Speisen betreffen.

Kleidungsregeln für Mönche

Ursprünglich trug der Mönch ein Gewand aus drei Tüchern - ein Haupttuch, ein Lendentuch und einen großen Überwurf. Diese Gliederung ist in den Ländern Südostasiens wie Thailand, Laos und Kambodscha weitgehend erhalten geblieben.

Neben einer Bettelschale waren dies seine wichtigsten Besitztümer.

Als der Buddhismus nach China kam, gab es Probleme - das Klima war kühler, die Mönche konnten nicht allein vom Betteln leben und mussten für ihre Klöster Landwirtschaft betreiben und zudem wäre es sozial in China unangebracht gewesen, nur in Tüchern rumzulaufen.

Also begann man dort den großen Überwurf symbolisch als "Gewand Buddhas" zu verehren und trug diesen Überwurf künftig wie eine Art Toga über der sonstigen Kleidung.

Angeblich aufgrund von Buddhistenverfolgungen wurde diese große Robe (Sanskrit "Kasaya", jap. "Kesa") weiter verkleinert und zu einem latzartigen Stück Stoff, das in Japan "Rakusu" genannt wird.

Diese "Mini-Robe" stört nicht bei der Arbeit und konnte unter anderer Kleidung verborgen werden. Heutzutage tragen auch einige buddhistische Laien, wenn sie das Bodhisattva-Gelübde abgelegt haben, so ein Rakusu.

Die Farbe der Robe weicht sowohl bei den Ländern, als auch bei verschiedenen buddhistischen Gruppen ab.

In der Regel sind es aber keine leuchtenden Signalfarben, sondern "gebrochene" Farben - lehmbraun, ockerfarben, bordeaux, dunkelgrau.

Das geht auf das Gewand des Buddha zurück, der es sich aus Leichentüchern, Menstruationsbinden und anderen Lumpen zusammengenäht und mit dem Lehmboden gefärbt haben soll.

Die Tonsur, also das Scheren des Kopfes, ist zwar nicht gerade eine Besonderheit der "Kleidung" stellt aber eine Besonderheit dar.

Insbesondere Mitglieder hoher Kasten des Hinduismus fielen durch ihr sorgfältig gepflegtes Haar und ihre Frisuren auf. Dadurch, dass der Buddha sich alle Haare abschnitt, wie es die Mönche heute noch tun, wandte er sich bewusst von Statussymbolen und Diskriminierung durch Aussehen und Kastensystem ab.

Speiseregeln für Mönche

Traditionellerweise dürfen Mönche in Südostasien ab 12:00 keine festen Mahlzeiten mehr zu sich nehmen. Nachmittags wird aber zB in einigen thailändischen Klöstern dort Kakao ausgeschenkt.

Mönche mussten als Speise alles akzeptieren, was ihnen beim Bettelgang gespendet wurde. Ursprünglich war ihnen lediglich Fleisch von Tieren, die extra für sie geschlachtet wurden, als Speise untersagt.

Später dazukommende Verbote betrafen dann bestimmte Tiere, wie beispielsweise Raubtiere.

In China, wo die Mönche arbeiten mussten, waren solche Regeln nicht haltbar - weder konnten sich die großen Klostergemeinschaften durch Bettelgänge ernähren, noch waren solch geringe Mahlzeiten ausreichend.

Also wurden diesbezüglich die Regeln gelockert - dafür wurde aber der Vegetarismus wichtiger, als er es zuvor in Südostasien war und es tauchten besagte Schriften auf, die das sogar von Laienanhängern forderten.

Ich hoffe, diese Antwort war hilfreich.

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Enzylexikon und authumbla haben Deine Frage viel besser beantwortet, als ich es je könnte!

Deshalb möchte ich nur ergänzen, dass unterschiedliche buddhistische Glaubensrichtungen natürlich für ihre (Sub-)Gemeinschaft eigene Empfehlungen aufstellen können, die unterschiedlich konkret und unterschiedlich "bindend" sein können.

(Bei uns Nichiren-Buddhisten ist es bspw. ganz besonders streng:

Du musst unbedingt anziehen:

a) was Du gut findest oder

b) was in Deinem Kleiderschrank ist oder

c) was Du Dir leisten kannst.

Manchmal auch alles 3 auf einmal!)

Mit dieser zugegebenermaßen nicht ganz ernst gemeinten Antwort wollte ich verdeutlichen, dass es aus buddhistischer Sicht wenig sinnvoll ist, strenge Regeln für unser Leben "im Außen" aufzustellen und dann auch noch deren Einhaltung von anderen zu Verlangen.

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du musst unterscheiden: es gibt ne ganze Reihe von Regeln, die nur den Orden betreffen und von den Mönchen einzuhalten sind, die also das Zusammenleben, den Bettelgang und das Verhältnis zu den nichtmönchischen Anhängern regeln. Diese Regeln stehn im "Korb der Ordensdisziplin" und sind für Laien nicht so wichtig.

Die nichtmönchischen Anhänger haben keinerlei Vorschriften einzuhalten; es gibt nur die 5 Verhalts-Ratschläge, die so ne Art moralische Faustregeln sind; also zb "sich der Lebensberaubung enthalten", "sich der Nicht-Wahrheit enthalten", "sich ungedeihlicher Sexbeziehungen enthalten", "sich eines ungedeihlichen Lebensunterhalts enthalten".

Aber so ne extrem kleinliche einzelne Vorschriften wie in Torah, Talmud und Hadith gibt es für Buddhisten nicht - es gilt sogar als Hindernis für die spirituelle Befreiung, wenn sich einer zu skrupelhaft an äussere Vorschriften klammert (sīlabbatūpādāna - Das Festhalten an der Ansicht, daß man durch bloße Sittenregeln und Riten Heiligung erlange, das gilt als das Anhaften an Regeln und Riten« (Vis. XVII) ». . . was da solcherart an Ansichten besteht . . . an verkehrten Auffassungen, das bezeichnet man als das Anhaften an Regeln und Riten)

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Es geht beim Buddhismus nicht um solche überflüssigen Rituale. Das ist zwar schön und gut für solche Länder, in denen die einfache Bevölkerung sowas braucht, weil es immer einfacher ist, sich an Kleidungsvorschriften zu halten ( und auch nach außen sichtbarer!).

Aber viel wichtiger ist für den Religionsgründer die richtige Gesinnung gewesen:

Der edle achtfache Pfad

1. Richtige Sichtweise

Wissen, was gut und was schlecht für uns ist und die Folgen unserer Taten kennen.

2. Richtige Absicht

Das, was wir tun, mit der richtigen Einstellung tun, nicht um etwas zurückzubekommen oder anerkannt zu werden.

3. Richtiges Sprechen

Durch Worte andere nicht verletzen.

4. Richtiges Handeln

So handeln, dass man dabei an alle denkt.

5. Richtige Lebensweise

Keine Drogen verkaufen oder nehmen, keine Tiere töten, nicht stehlen.

6. Richtige Anstrengung

Sich anstrengen, ein gutes Leben zu führen und nicht alle Anstrengung daran setzen immer mehr zu haben.

7. Richtige Achtsamkeit

Aufpassen, dass wir in Gedanken und Taten in Harmonie mit der Welt leben.

8. Richtige Konzentration

Meditieren und Gutes tun, damit wir Erleuchtung finden.

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