Was sagt Nietzsches moralischer Imperativ der Natur aus?

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du kannst, wenn du nach dem moralischen Imperativ von Nietzsche handelst, auch nach einem gesetz handeln, der im widerspruch zum kategorischen imperativ steht. denn der moralische imperativ verlangt gehorsam während der kategorische gewissen verlangt. Sie gleichen sich in dem punkt, dass nach einem grundsatz gehandelt werden soll, dessen ursprung aber im kategorischen die moral, aber im moralischen imperativ eine andere instanz ist.

der moralische imperativ wertet ein handeln nicht wie der kategorische aufgrund der allgemeintauglichkeit deines handlungsgrundsatzes, sondern aufgrund seiner fähigkeit, ihn auf etwas zurückführen zu können. Das heißt, ein handeln ist für den moralischen imperativ dann "gut", wenn dieses innerhalb vorgegebenener grenzen geschieht, das heisst also, man kann beiden imperativen gleichzeitig folgen, wenn diese vorgegebenen grenzen dem kategorischen imperativ entsprechen.

Nietzsche wollte sich eben nicht auf den kategorischen imperativ beschränken, und "sein imperativ" basiert dazu noch teilweise auf der lehre des epikur (eudaimonie) und hat utilitaristische züge. Der Kategorische Imperativ dagegen basiert nur auf dem wunsch, eine gerechte gesellschaft aufzubauen, und eben diese gerechtigkeit wird im moralischen imperativ in seiner reinform nicht berücksichtigt, aber durch gesetzgebung könnte sie gewährleistet werden.

Eine Schrift „Umwertung aller Werte“ gibt es nicht von Nietzsche. Der zitierte Satz steht in der Schrift „Jenseits von Gut und Böse“, Nr. 188. Er bedeutet lediglich eine Zusammenfassung der Gedanken, die Nietzsche über die „Tyrannei solcher Willkür-Gesetze“ äußert, die er in einem Gegensatz zum Prinzip des „Laisser aller“ sieht. „Das Wesentliche ’im Himmel und auf Erden’, wie es scheint, ist, nochmals gesagt, dass lange und in einer Richtung gehorcht werde“. Dazu zählt Nietzsche z.B. die künstlerische Arbeit, die „fern vom Gefühl des Sich-gehen lassens“ (laisser aller) geschehe: „das freie Ordnen, Setzen, Verfügen, Gestalten in den Augenblicken der ’Inspiration’, - und wie streng und fein er (der Künstler) gerade da tausendfältigen Gesetzen gehorcht...“ Nietzsche scheint zu beklagen, dass es „die Natur“ jeder Moral sei, den Hass auf das „Laisser aller“, „die allzu große Freiheit“, zu lehren, womit sie „das Bedürfnis nach beschränkten Horizonten...pflanzt.... und also in gewissem Sinne die Dummheit als eine Lebens- und Wachstumsbedingung lehrt.“ Jetzt kommt die schlussfolgernde Zusammenfassung: „Du sollst gehorchen, irgendwem, und auf lange, sonst gehst du zugrunde und verlierst die letzte Achtung vor dir selbst – dies scheint mir der moralische Imperativ der Natur zu sein.“

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