Was sagt Kant zur Willensfreiheit?

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3 Antworten

Hi,- Kant unterscheidet zwischen "praktischer" und "transzendentaler" Freiheit des Menschen.

Ersteres ist (m.E.) als Kants Feststellung eines real existierenden Determinismus in einem Ursache-Wirkungszusammenhang menschlichen Handelns und Verhaltens und damit als Anerkennung realer Begrenzungen von Handlungs- und Erfahrungs- und Erkenntnisspielräumen zu sehen.

Das macht ihn aber nicht zu einem "Psychologisten". Im Gegenteil: hier entsteht quasie gerade der Urgedanke zum >Kategorischen Imperativ<, da die Schlußfolgerung unter anderem nur lauten kann, dass deshalb alle durch eigenes Verhalten in gegenseitiger Garantie die gleichen größtmöglichen Spielräume im Rahmen von Sozietät schaffen und gewährleisten müssen weil das Recht auf einseitig bevorteilende Konditionierung der Lebens- und Erkenntnismöglichkeiten des jeweils Anderen logisch nicht formulierbar / begründbar ist. Und das kann der Mensch als vernunftfähiges Wesen wissen.

Der Mensch kann also wissen, wann er zu seinem eigenen Vorteil einen anderen Menschen durch Machtmißbrauch ausschließlich einem Zweck nach Eigeninteresse unterwirft.

Denn der zweite Aspekt bedeutet die grundsätzliche Fähigkeit des Menschen zur Vernunft als kategorielle Rationalität, welche ihn grundsätzlich befähigt, "Psychologismen" in seinem Verhalten als externe Programme konditionierter Unfreiheit zu erkennen und zu verstehen und damit auch Fehlverhalten im Vergleich zur o. g. Maxime. 

Inwieweit man diese "Fehlsteuerung" der "Unterwerfung" des Anderen im Impuls des eigenen Handelns in einem psychologischen Sinne nach neuerer Deutung dann als "krank" oder forensisch als schuldfähig oder nicht bewerten möchte ist eine andere Frage und verweist wieder auf die "praktische" Dimension der Freiheit bei Kant.

Insofern entsteht bei / für Kant kein Widerspruch aus beiden Spähren konkreter menschlicher Existenz sondern die Tatsache, daß der Mensch grundsätzlich als willenfreies Wesen zur Verantwortung fähig ist und es damit auch seine Entscheidung ist, diese Willensfreiheit als Zweckfreiheit aufzugeben oder anderen Menschen abzusprechen. Inwieweit die Einschränkung dieser Grundsätzlichkeit dann z. B. forensisch zu bewerten oder anzuerkennen ist ist eine Frage der Psychologie als angewandte Wissenschaft des Bereiches, den Kant eben als den >praktischen Bereich menschlicher Freiheit< und den darin herrschenden Determinismen beschreibt.

Gruß

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In seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten behauptet Kant, dass der Mensch eine Vernunft hat, mittels derer er imstande ist, einen Guten Willen hervorzubringen. Also geht er davon aus, dass der Mensch Willensfreiheit hat. Allerdings gibt Kant zu, dass der Mensch nicht nur ein vernünftiges Wesen ist. Aber davon, dass dadurch seine Willensfreiheit eingeschränkt sei, habe ich bei ihm nichts gelesen.

Zu Alice Miller kann ich in diesem Zusammenhang leider nichts aussagen. 

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Ich habe Alice Millers 'Das Drama des  begabten Kindes' gelesen und war tief erschüttert über die Erkenntnis, dass alle Menschen im Grunde genommen von den Eltern, besonders aber der Mutter, stillschweigend und unbeabsichtigt darauf 'programmiert' werden, ihren (also der Mutter) Willen und ihre psychischen Bedürfnisse zu erfüllen - und das alles, ohne dass je darüber gesprochen wurde. 

Das geht so weit, dass später das Kind Dinge tut, von denen es gar nicht weiß, warum es sie tut - es hat in einem so frühen Alter dieses 'Programm' in sein Wesen übernommen und verinnerlicht.
Man könnte es auch Fernsteuerung nennen. Dies kommt genauso in dem Band 'Am Anfang war Erziehung', ebenfalls von Alice Mller, zum Ausdruck (das Buch will ich noch lesen). Wieso werden Menschen zu Diktatoren und Despoten ?

In den Augen Alice Millers ist ein wirklich freier Wille Fiktion, da er aufgrund der mütterlichen Konditionierung  schon vorher 'verwandelt' war, bevor er sich  frei entfalten konnte.

Was immer Kant zum freien Willen sagt - es steht im Widerspruch dazu.

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