Was sagt der kategorische Imperativ genau

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Der kategorische Imperativ ist von Immanuel Kant in seinen Werken „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" und „Kritik der praktischen Vernunft" in mehreren Varianten formuliert worden. Eine Fassung heißt: "Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."

Ein kategorischer Imperativ ist ein unbedingt allgemeingültig und enthält ein Gesetz als sittliches Gebot.

Kant sieht eine Pflicht, als vernunftbegabtes Wesen dem Sittengesetz zu folgen, weil dies die Achtung vor dem mittels der Vernunft eingesehenen Gesetz gebietet. Das moralisch Gute existiert nur als guter Wille. Entscheidend ist die Handlungsabsicht (eine Maxime ist ein dem Vernunftinteresse entnommener subjektiver Grundsatz), nicht die tatsächlich eingetretene Handlungsfolge (eine ausreichender Einsatz der praktischen Vernunft bliebt aber trotzdem geboten).

Wichtig ist die Anforderung einer Verallgemeinerbarkeit der Maxime (kann ich wollen, dass alle, immer und überall, so handeln sollen?). Nur das, was ein allgemeingültiges Gesetz sein kann, wird als gut anerkannt. Gut ist ein Handeln aus einem Pflichtgefühl gegenüber dem vernünftigen Sittengesetz, nicht ein durch Neigungen motiviertes.

Der kategorische Imperativ ist eine formale Überprüfung. Wäre es in meiner Vorstellung in Ordnung, wenn alle so handeln würden, kann ich dies als allgemeines Gesetz wollen und anerkennen. Wenn in der Überprüfung Widersprüche auftreten, ist die überprüfte Maxime kein kategorischer Imperativ.

Das Vorhanden in der Anwendung ist:

1) Beschreibung einer überlegten Handlungsweise

2) Formulierung der Handlungsweise als allgemeiner Grundsatz (Maxime des Willens)

3) Überprüfung dieses Grundsatzes auf widerspruchsfreie Verallgemeinerbarkeit zu einem Gesetz

4) Ausführen einer Handlung, deren Grundsatz dem kategorischen Imperativ entspricht/Unterlassen einer Handlung, deren Grundsatz ihm widerspricht Ein Beispiel ist die Handlungsweise, sich von jemand Geld zu borgen mit dem Versprechen, es nach einiger Zeit wieder zurückzuzahlen, aber in der Absicht, dieses Versprechen nicht einzuhalten. Als allgemeines Gesetz kann dies nicht gewollt werden, weil es nicht mit sich selbst zusammenstimmen kann, sondern ein Widerspruch auftritt. Ein solches allgemeines Gesetz würde Versprechen und den mit ihnen verfolgten Zweck unmöglich machen. An die Erfüllung von Versprechen kann ja dabei vernünftigerweise nicht geglaubt werden. Menschen würden dabei auch zu bloßen Mitteln gemacht, obwohl sie als vernunftbegabte Wesen auch Zweck an sich selbst sind.

Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit der sogenannten Goldenen Regel: "Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu!". Sie kann aber dem kategorischen Imperativ nicht gleichgesetzt werden (Kant erklärt dies auch selbst „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" BA 68 in einer Fußnote). Es geht um den Grundsatz bei der Handlung, nicht die Tat selbst. Eine äußerlich ähnliche Tat kann in ihrem Grundsatz anders sein (auf der Grundlage eins Tuns könnte mit der goldenen Regel auch ein Verbrecher gegen einen ihn verurteilenden Richter argumentieren). Die goldene Regel enthält in einer direkten Aussage nur ein Vermeiden. Sittliche Pflichten gegen sich selbst, andere und untereinander fehlen. Was jemand für Neigungen hat, kann Bedeutung bekommen (nicht für alle ist genau das Gleiche störend).

Ich soll so handeln, dass mein Handeln zur allgemeingültigen Maxime werden könnte... das geht an den realen Lebenszusammenhängen vorbei. Wenn man das mal konkret auf Situationen bezieht. Es gibt nur sehr wenige Situationen, in denen das wirklich sinnvoll ist. Die meisten Situationen im Leben sind doch Dilemmata, in denen man einfach Entscheidungen treffen muss. Da kann ich ja nicht von ausgehen, dass alle anderen das genauso machen sollen. Das Leben ist zu komplex für so eine "einfache" Lösung. Nee, nee... Selbst bei so Sachen wie "nicht lügen" passt der Satz schon nicht, wär ja schon manchmal schlimm wenn alle komplett ehrlich wären...

Maxime= subjektive Beweggründe "Handle so, dass jeder die subjektiven Beweggründe deines Willens als seine eigenen übernehmen könnte (=Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung)."

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