Was passiert wenn man eine psychische Behandlung boykottiert?

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7 Antworten

Wie hier schon mehrfach gesagt: Wenn der Patient über eine ganz normale "Verordnung von Krankenhausbehandlung" eingewiesen wurde, also nicht zwangsweise per Gerichtsbeschluss, würde dieser Patient wohl höchst wahrscheinlich einfach wieder gehen. Sollte der Patient ein derartiger Querulant sein, dass er zwar bleiben möchte aber die Behandlung ablehnt, würde die Klinik ihn entlassen.

Anders stellt es sich bei einer Zwangseinweisung dar. Wobei eine ZE seltener nach dem schon genannten PsychKG stattfindet. Der überwiegende Teil der ZW finden nach dem Betreungsrecht nach BGB statt. Hier bekommt der Patient einen "Betreuer". Dieser ist berechtigt, die notwendigen Entscheidungen im Namen des Patienten zu treffen. Der Betreuer muß dabei Formaljuristisch immer dem "Mutmaßlichen Willen" des Patienten entsprechen. D.h., er muß immer bemüht sein die, Entscheidungen so zu treffen, wie der Patient selber entscheiden würde, wenn er die Situation im gesunden Zustand zu entscheiden hätte.

Sonderfall: Der Patient kommt erst mal freiwillig, will dann wieder gehen oder der Patient verweigert trotz freiwilligen kommen jede therapie aber die Ärzte sehen eine Fremd- oder Selbstgefährdung, Dann würden sie ihn nicht gehen lassen, sondern sofort die Zwagnsbehandlung beim zuständigen Amtsgericht beantragen.

Inwieweit es dem Betreuer tatsächlich möglich ist, den Mutmaßlichen Willen zu ermitteln, hängt immer von sehr vielen Faktoren ab.

Wenn der Betreuer also bei der Ermittlung von dem Mutmaßlichen Willen des Patienten, zu dem Ergebnis kommt, dass der Patient im psychisch gesundem zustand essen würde, kommt es dann auch zur Zwangsernährung. Wenn der Betreuer aber zu dem Ergebnis kommt, dass der Patient ein politischer Aktivist ist, der bewußt seinen Tot riskiert, weil im das Ziel höher erscheint, müßte der Betreuer die Zwangsernährung ablehnen, die Entlassung veranlassen, und sogar die Aufhebung der Betreuung veranlassen.

Fazit: das ganze ist doch etwas individueller zu betrachten, als es hier in diesem Forum möglich ist.

Wenn keine Zwangseinweisung oder ein Notfall vorliegt, kann diese Person sich jederzeit selbst entlassen und einfach gehen. Das kann niemand verhindern. Im Fall einer Zwangseinweisung ist man zur Mitarbeit verpflichtet und in der Psychiatrie können auch Zwangsmaßnahmen angeordnet werden. Das ist dann wie im Kanst.

Kommt auf die Situation an. Eigen- oder Fremdgefärdung vorhanden oder nicht? Beschluss vorhanden oder nicht?

Es kann ja eben auch Teil des Störungsbildes sein. Als Symptome kann sowas "einfach" zu den zu behandelnden Dingen gehören. Je nach dem ob offen oder geschlossen kann es von zwangsentlassung bis zur Sondierung (essen durch schlauch in den magen aber das nur bei lebensgefahr) und Fixierung gehen.

Wenn keine Einweisung nach PsychKG bzw keine Hinweise auf akute Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt, wird der Patient idR (es sei denn andere medizinische Gründe sprächen dagegen) entlassen, denn es besteht ja ganz offensichtlich kein Behandlungsvertrag.

Christlich 05.12.2013, 00:00

Die wenigsten Zwangseinweisungen finden nach PsychKG statt. Siehe meine Antwort.

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MSPriv 05.12.2013, 06:56
@Christlich

Interessanter Punkt. War mir so nicht klar, weil ich während meiner Psychiatrietätigkeiten nur eine Handvoll Fälle mit Betreuung hatte. Hast du da mehr Infos? Wäre mir halt neu, intreressiert mich daher sehr.

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Christlich 05.12.2013, 07:39
@MSPriv

Die rechtlichen Grundlagen kannst du einfach ergooglen. "Betreuungsrecht BGB" eingeben. In der Abwägung ob Betreuungsrecht oder PsychKG anzuwenden ist, spielen auch einige grundsätzliche juristische Erwägungen immer eine Rolle. Bundessrecht bricht Landesrecht ! Da die PsychKGs Landerechtliche Instrumente sind, hat hier das Betreuungsrecht Vorrang. Außerdem gilt das Betreuungsrecht als die mildere Maßnahme die ebenfalls grundsätzlich den Vorrang haben sollte.

Aber das führt hier schon sehr weit von der Frage weg. Wenn du weitere Fragen hast, sollten wir uns da auf anderen Wegen austauschen.

LG

Hans

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MSPriv 05.12.2013, 08:02
@Christlich

Ich meinte auch gar nicht so sehr der juristische Hintergrund (kenne ich rudimentär), sondern eher, wie viele nach BetreuungsR statt PsychKG eingewisen werden (dauert ja nach meiner Erfahrung relativ lang, bis eine Betreuung eingerichtet ist). Dass Patienten (nach meiner Erfahrung insbes in der Gerontopsychiatrie) eingewiesen werden (nach meiner Erfahrung auch nicht so selten vom Notarzt nach PsychKG) und dann während des Aufenthaltes schnell vom Sozialarbeiter ein Betreuungsverfahren angeregt wird, ist mir dann wieder bekannt. So oder so liegt ja eine Situation vor, in der angenommen wird, dass der Patient (derzeit) nicht (mehr) in der Lage ist, Entscheidungen für sich zu treffen. Aber dass mehr Einweisungen im Rahmen BetreuungsR stattfinden als nach PsychKG, ist mir halt neu, daher die Frage, ob du über dieses Verhältnis mehr Infos hat, weil mich das eben interessiert. Dass dies künftig im Bereich der Gerontopsychiatrie zunehmen könnte, würde mir einleuchten, aber insgesamt auf die Allgemeinpsychiatrie bezogen irritiert es mich und wüßte darüber gern mehr.

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Christlich 05.12.2013, 11:31
@MSPriv

Ich sende dir eine Freundschaftsanfrage. Dann können wir uns über PN weiter austauschen. Das führt hier zu weit weg vom Thema der Frage.

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Wenn er per Überweisung vom Arzt da ist, kann er einfach gehen, wenn er nicht mehr bleiben will. Bei einer Einweisung auf richterliche Veranlassung, wird man ihn früher oder später per Magensonde ernähren, verhunger lassen wird man ihn nicht.

Das ist ja der Unterschied der Psychiatrie zu einem normalen Krankenhaus, dass jemand in letzterem einfach die "Behandlung" verweigern kann, natürlich gibt es auch Ausnahmen. In der Psychiatrie ist das nicht so, es kommt auch auf die Psychiater und das Personal an.

Es werden nicht nur Menschen mit Eigen- oder Fremdgefährdung zwangseingewiesen. Man kann da Dinge mitbekommen, die man selber fast nicht glauben kann, in einem angeblich freien Land.

Dann würde ich die Menschen nicht als Patienten bezeichnen. Es sind Menschen in Not. Natürlich kann sein, das sie Dinge gemacht haben, die nicht gerade gut sind. Allerdings berechtigt das auch nicht, sie schlimmer wie Schwerverbrecher zu "behandeln", zu fixieren, spritzen ... .

Wir haben in unserem Land keine Körperschädigungs- und keine Todesstrafe, also dürfte man nicht einmal Schwerverbrecher so "behandeln". Die Medikamente vielleicht auch insgesamt diese "Behandlung" haben viele Krankheiten und sogar Todesfälle verursacht. Wann setzen sich endlich viele gegen das Unrecht ein.

Dann leuchtet das jedem Kind ein, wenn man jemand, wo sehr traurig ist, so "behandelt", dann geht es ihm noch schlechter.

Jeder sollte das Recht haben, diese "Behandlung" zu verweigern. Zudem, wenn einmal an den Tag kommt, wie viele Menschen durch diese "Behandlung" gestorben sind, hat die Psychiatrie keine Überlebenschance mehr. Allerdings ist das tragische, dass das viele wissen und der Profit leider in unserem Land mehr zu zählen scheint, als ein Menschenleben. Ich bitte alle aufrichtigen Menschen zusammenzustehen gegen dieses furchtbare Unrecht.

Wenn er sich weigert zu essen wird er fixiert und das Essen wird intravenös verabreicht also via Tropf! Und genauso können auch die Medis verabreicht werden! Verweigern kann man nicht lange!

xMonsterEnergy 04.12.2013, 15:08

Aber das ergibt doch gar keinen Sinn. Ich meine erstens seine Freiheit wurde geraubt, und dann wird er auch noch fixiert und künstlich ernährt. Da ist es sogar besser ihn hinzurichten als ihn so leiden zu lassen.

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bigsur 04.12.2013, 15:11
@xMonsterEnergy

damit jemand zwangseingewiesen wird, muß eine strafbare Handlung vorausgehen oder eine akute Selbstmordgefährdung, bzw. eine akute Gefährdung anderer vorliegen. Einfach so wird niemand eingewiesen.

Die allermeisten Menschen in Psychiatrischen Krankenhäusern sind dort freiwillig, auf Veranlassung/Überweisung ihres Arztes.

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SnowWhite76 04.12.2013, 15:12
@xMonsterEnergy

Die dürfen den Patient auch nicht verhungern lassen! Die sind VERPFLICHTET alles zu tun damit ein Patient isst und dafür darf man ihn fixieren weil er sich den Tropf garantiert nicht freiwillig setzen lässt und das wäre keine Freiheitsberaubung weil es ja quasi der Lebensrettung dient!

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charis0110 04.12.2013, 15:14
@xMonsterEnergy

Seine Freiheit wurde nur deswegen "geraubt" weil sich die Person in einem Zustand befindet, wo sie eine Gefahr für sich selber oder für Dritte darstellt. Ich könnte mir vorstellen, dass Zwangsmaßnahmen (Zwangsernährung, Zwangsmedikation) richterlich angeordnet werden müssen, bin mir aber nicht sicher.

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charis0110 04.12.2013, 15:15
@SnowWhite76

So schnell verhungert man nicht, das haben uns genügend Hungerstreiks zuvor gezeigt. Und Gefangene im Hungerstreik dürfen hierzulande auch nicht mehr zwangsernährt werden, meines Wissens.

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SnowWhite76 04.12.2013, 15:16
@SnowWhite76
Da ist es sogar besser ihn hinzurichten als ihn so leiden zu lassen.

Leiden lassen? Langsam kriege ich das Gefühl das es sich bei dem Patienten um DICH handelt! Das ist doch kein Leiden lassen sondern man rettet ihm das Leben! Die dürfen es nicht zulassen das er das Essen verweigert sonst kommen die Pfleger wegen fahrlässiger Tötung dran!

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