Was passiert wenn ein Genozid anerkannt wird?

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3 Antworten

Eine Entschädigung gäbe es wohl wenn überhaupt, wenn die Türkei als mutmaßliche "Täterin" den Genozid anerkennen würde.

Wenn Deutschland den jetzt anerkennt, ist das in meinen Augen erstmal nur 'ne nette Geste gegenüber den Armeniern (klingt unpassend, ich weiß), aber es hilft ihnen faktisch nicht.
Klar, man könnte jetzt sagen, dass es den Druck auf die Türkei erhöht, aber ob das reicht, ist hier die große Frage.

Eventuell könnte auch ein Urteil aus Straßburg angestrengt werden, aber ob Herrn Erdogan das nennenswert interessiert, möchte derzeit nicht einschätzen ... auch wenn die Entscheidung in dem Fall theoretisch bindend wäre.

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Es könnte sehr wohl sein, dass bei Anerkennung des Völkermords an den Armeniern, begangen durch die Türkei, Armenien Wiedergutmachung dann beantragen könnte. Selbst wenn dies per Straßburg nicht möglich sein sollte, moralisch stünde dann Ankara so unter Druck, dass es nicht einfach nur sorry-sorry dann sagen könnt.

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Von wem anerkannt?




„Wir rebellierten gegen die Türken. Um den Frieden zu sabotieren, haben wir gekämpft. Im Herbst 1914 bildeten wir im Südkaukasus Einheiten aus freiwilligen Armeniern. In ein paar Wochen nahm die Partei Daschnaksutiun an den Operationen gegen die Türkei aktiv teil. Wir kämpften gegen die Türken. Wir töteten und auch von uns starben viele.“Im Sommer und Herbst 1915 wurden die Armenier in der Türkei zur Deportation gezwungen. Die Türken wussten, was sie taten, und es gibt nichts, was sie heute zu bereuen hätten. Diese Methode war die endgültige und angebrachte Lösung. Die Gründe unserer Katastrophen außerhalb von uns selbst zu suchen, ist eine der krankhaften Besonderheiten unserer Nation.“ (Quelle: „Für die Daschnakzutjun gibt es nichts mehr zu tun: Bericht zur Parteikonferenz 1923/ Hovhannes Katschaznouni“.)


Verfasser:Ministerpräsident der demokratischen Republik Armenien, Hovhannes Katschaznounim 1923

Die bisherigen Vorfälle zeigen, dass diverse Gruppierungen immer und immer wieder die Türkei angreifen und angegriffen haben, bisher jedes Mal mit dem Ende, dass sie die Konsequenzen tragen mussten - selbst heute.

Fakt ist, dass gegenwärtig Positionen vertreten werden, die sehr wohl wohlwollend gegenüber bestimmten Positionen sind, an Objektivität mangelt es. Was damals passiert ist, war keineswegs eine einseitige Handlung. Das auf jede Reaktion eine Gegenreaktion folgt, ist schlüssig.

Ich möchte keineswegs die eine oder andere Handlung legitimieren, aber hierbei mangelt es an Objektivität. Selbst wenn irgendwer dies wie zuvor beschrieben beurteilt, die Türkei vertritt eine andere Position und muss sich dem auch nicht beugen.


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Walterwhite1111 17.05.2016, 22:14

Was hat dieser kopierte Text mit meiner Frage zu tun ?

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Akainuu 17.05.2016, 22:16
@Walterwhite1111

Ganz einfach: Inwiefern soll man sich für eine einseitige Darlegung historischer Gegebenheiten derart rechtfertigen?

Solche Belege sind sehr wohl von Belang, wenn man derartige Anschuldigungen erhebt.

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Akainuu 17.05.2016, 22:19
@Akainuu



Ob und wie eine Entschädigung auszusehen hat, ist fraglich. 

Deutschland hat sich lange Zeit mit dem Genozid in Namibia zurückgehalten, gerade wegen solchen Ansprüchen.

In diesem Fall wird von einer Seite ja sogar der Genozid abgelehnt.

Insgesamt wird es nicht dazu kommen, da bin ich mir relativ sicher.



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surfenohneende 17.05.2016, 22:50

Das soll also die Türkischen Vernichtungslager ( Death-camps), Konzentrationslager & Todesmärsche "Rechtfertigen" ? ...  https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5c/Armenian\_Genocide\_Map-en.svg/2574px-Armenian\_Genocide\_Map-en.svg.png -> Schwarzer Punkt = Vernichtungslager ... je größer der Kreis, desto mehr ermordete Armenier

So könnten die Neo-Nazis auch die Taten des "3. Reich" "rechtfertigen"

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Akainuu 17.05.2016, 22:55
@surfenohneende

Falsch. Ich habe in meiner Antwort extra erwähnt, dass ich keineswegs irgendetwas legitimiere (siehe Antwort), also dränge mich bitte nicht in eine Ecke, von der ich mich eindeutig distanziert habe. Ich persönlich weiß auch einfach nicht genug, um mich genau zu den Dingen zu äußern, doch habe ich mich insoweit mit der Thematik beschäftigt, dass ich verschiedene Standpunkte gesehen habe, die schlüssig sind. 

Ich persönlich habe einfach den Eindruck, dass wir die Dinge nicht mehr aus der Sicht der Objektivität beurteilen, sondern uns oberflächlich Meinungen bilden, die wir von anderen aufschnappen und das ist gefährlich. 

Einen Menschen zu töten, ist niemals legitim: Weder von der einen Seite, noch von der anderen Seite. Und das lehne ich strikt ab.

Mit dem dritten Reich hat das dahingehend nichts zu tun, dass die Juden niemals derart (so durch Gruppierungen) in die Offensive gegangen sind: Zumindest bis kurz vor Ende des 2. Weltkrieges nicht, denn daraufhin waren Partisanen etc. auf Rache gesinnt und haben auch gezielt Nazis ermordet. Die Ideologie des dritten Reiches beruht auf der allgemeinen Auffassung, es müsse als Herrenrasse alle niederen Völker versklaven und vernichten.

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voayager 18.05.2016, 00:59
@Akainuu

Einen Menschen zu töten kann durchaus legitim sein. Hätte z.B. die Bombe Stauffenbergs Hitler getötet, dann wäre das mehr als rechtens gewesen.

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surfenohneende 18.05.2016, 18:15
@voayager

Einen Menschen zu töten kann durchaus legitim sein. Hätte z.B. die Bombe Stauffenbergs Hitler getötet, dann wäre das mehr als rechtens gewesen.

Korrekt

Auch Terrorismus kann legitim sein

Stauffenberg war ein Terrorist, aber Einer für die Gute Sache & er hätte vielen Menschen das Leben retten können

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Maxieu 18.05.2016, 02:32

Man kann doch hier nicht diese ganze Geschichte aufrollen.
Dass du das auch nicht ernsthaft vorhast, zeigt die Auswahl deiner von dir überhaupt nicht eingeordneten Quelle.

Da du diese Quelle so in den Vordergrund rückst, hättest du auch Angaben dazu machen können, aus welcher Ausgabe des Textes du zitierst, damit man sich über den Zusammenhang der Aussagen ein eigenes Bild machen kann.

Es fängt ja schon bei Äußerlichen wie einer Jahreszahl an:
Wer sich nicht so auskennt, muss denken, hier spreche 1923 ein Ministerpräsident eines exisitierenden armenischen Staates. Die Demokratische Republik Armenien gab es zu dieser Zeit aber schon nicht mehr. Sie hatte, in militärische Dauerkonflikte verwickelt, nur von 1918 bis 1920 bestanden. 

Unklar ist in der Rede, wer dort mit "wir" angesprochen wird. Anfänglich (Herbst 1914) geht es ja nur um die zugleich sozialistisch wie nationalistisch motivierten Daschnaken, also zu dem Zeitpunkt eine kleine aktivistische Minderheit.
Die späteren Opfer der türkischen Mordoperationen zählen aber nach Hunderttausenden (glaubwürdig geschätzte 1,5 Millionen).

Was du nicht erwähnst, ist, dass die Haltung der Armenier zum Osmanischen Reich natürlich wiederum eine Vorgeschichte hat.
Auf die vielfältigen Drangsalierungen über Jahrhunderte kann man hier nicht eingehen, aber zur jüngeren Vorgeschichte vor dem 1. WK gehören die Massaker von 1894-1896, bei denen es auch schon, wie Wikipedia schätzt, 80.000 bis 300.000 Ermordete gab.
Dass sich da bei Kriegsausbruch die Sympathien der Armenier für die Osmanen in Grenzen hielten, ist wohl leicht einzusehen. Der Argwohn der Türken hinsichtlich der Loyalität der Armenier war schon verständlich, rechtfertigt aber in keiner Weise die Ausdehnung der 20 Jahre zuvor begonnenen Mordaktionen auf die gesamte Bevölkerung. Die vielleicht nur resigniert-zynische Bemerkung des gescheiterten Ministerpräsidenten ändert daran nichts.

Trotz meiner Einschätzung bin ich aber gegen eine Resolution des Bundestages in dieser Angelegenheit. Es ist m. E. in keinem Fall die Aufgabe politischer Gremien über so etwas wie die
"historische Wahrheit" zu entscheiden und dann am Ende die Leugnung dieser "Wahrheit" unter Strafe zu stellen - eine Unsitte, die
in Frankreich mit den "lois mémorielles" weiter gediehen ist als bei uns. Dort ist z. B. auch die Leugnung der Sklaverei (natürlich nur der westeuropäischen gegenüber Afrikanern) strafbar.

Wenn allerdings aus Rechtsverstößen (und massenhafte Morde zählen sicherlich dazu) deren Opfer Rechtsansprüche an den deutschen Staat herleiten würden, müssten zumindest Gerichte über deren Begründetheit befinden.
In diesem Sonderfall könnte eine allgemeine politisch-rechtliche Einordnung der Vorgänge durch den Gesetzgeber den Gerichten eine grobe Orientierung geben. Das ist nach meinem Kenntnisstand aber nicht der Hintergrund für die geplante Resolution. Sie müsste sonst ja wohl auch in eine Gesetzesform gekleidet werden. 
Es geht wohl eher einmal mehr darum, sich durch späte - und in diesem Fall praktischerweise sogar kostenlose - Reue (wegen des deutschen Militärbündnisses mit den Osmanen) moralisch zu profilieren.

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