Was passiert mit den Sehnen im Huf bei der Hufrehe?

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3 Antworten

Na ja im Huf selbst ist ja mit Sehnen nix mehr. Im betroffenen Bein kommt es auf die Schwere der Rehe an. Die Gefahr ist aber immer, das die Sehnen überlastet werden, weil der Huf durch die Rehe zu flach wird. Teilweise macht man deshalb akut einen Keilbeschlag drauf - das verschiebt aber die Gefahr weil die Sehnen sich dadurch verkürzen können und beim Umstellen auf Barhuf überlastet werden. Deshalb sollte eine Rehe immer von einem richtig guten Tierarzt in Zusammenarbeit mit einem richtig guten Huforthopäden behandelt werden.

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ponyfliege 21.01.2016, 16:06

ich glaub, sie meint den begriff "hufbeinrotation".

könnte man beim menschen mit einem akuten gichtschub vergleichen. wenn da nichts unternommen wird, hat man hinterher die handgelenke krumm und hände, die aussehen wie hünhnerfüsse... nur dass der mensch eben keine hufe an den fingerkuppen hat und daher die schwellung nicht die fingernägel rausdrücken kann.

beim pferd heisst der hufverlust "ausschuhen" - und dann ist ende gelände.

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Aristella 21.01.2016, 16:24

Im Huf gibt es sehr wohl Sehnen, wenn auch nur den untersten Anteil der TBS (aber die ist in dem Bereich ein 3cm breites und 5mm dickes Kabel).

Die Keile werden nicht montiert, weil die Sehnen leiden könnten, sondern (und diese Meinung ist mittlerweile Gott sei Dank umstritten) damit die TBS nicht mehr so viel Zug auf das Hufbein bringen und es damit zum Rotieren bringen kann. Was aber Blödsinn ist, weil Sehnen eine gewisse Grundspannung brauchen und wenn man die verringert indem man unten hochpackelt, spannt von oben einfach der Muskel nach und die Sehne hat ihre Grundspannung wieder, nur dass jetzt das Hufbein noch steiler steht als es bei einer Rotation eh schon tut und die Hufbeinspitze noch mehr Druck abbekommt, die sie nicht verträgt...

Im akuten Reheschub sollte man übrigens jegliche Manipulation am Huf unterlassen, weil jede Berührung scheußlich weh tut. Wenn es geht, einen dicken Polsterverband drauf, wenn nicht, dann das Pferd in 20cm dicke Sägespäne stellen und immer kühlen, was nur geht.

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Mit den Sehnen passiert nicht viel.

Im Huf hast du ja nur mehr den untersten Teil der tiefen Beugesehne (TBS), die unten/hinten am Hufbein ansetzt. Die Sehne selbst ist von der Erkrankung ja nicht betroffen, und dass sie zur Verschlechterung beiträgt, ist zwar eine allgemein anerkannte These, aber nicht bewiesen.

Bei Hufrehe konkret betroffen ist ja der Hufbeinträger, also die aus Lamellen bestehende Verbindung zwischen der Hufwand und dem Hufbeinknochen. Aufgrund von Durchblutungsstörungen in diesem Bereich löst sich die feste Verbindung zwischen den Lamellen, so als würde ein Klettverschluss nicht mehr richtig schließen. Da die Lamellen insbesondere an der Zehe ja das "Widerlager" zum Zug der TBS sind, gibt es eben die These, dass der Zug der TBS dazu führt, dass das Hufbein rotiert.

Nachdem es aber viele Pferde gibt, die an Hufrehe leiden und dennoch kein rotiertes Hufbein haben, bin ich da doch sehr skeptisch, dass das die ganze Wahrheit ist. Vielmehr rotiert die Wand vom Hufbein weg, da die Anbindung kaputt ist. Wenn man nun am Röntgenbild einen Winkel zwischen Wand und Hufbeinrücken sieht, wird leider oft eine Hufbeinrotation diagnostiziert und das arme Vieh auf Keile gestellt, obwohl das Hufbein in genau der Position zu den Knochen darüber steht, die es haben soll...

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ponyfliege 21.01.2016, 17:23

nachfrage: das ist also ungefähr so, als wenn man einen menschen bei bestimmten krankheitsbildern in schuhe steckt, die hinten 3cm höher sind. da würden sich auch die sehnen verkürzen und die ganze statik verändert sich. da wo vorher dann die belastung war, ist keine mehr. dummerweise verkürzt sich im laufe der zeit die achillessehne...

die belastung - oder überlastung  - wird an eine andere stelle verlagert. ich kann mir ebenfalls nicht vorstellen, dass das gesund sein kann.

meiner hatte die hufbeinrotation komplett - ohne vorerkrankung akut innerhalb von etwa 16 stunden (soviel zeit lag zwischen dem verlassen des noch gesunden tieres, dem nächsten aufsuchen und der verständigung des tierarztes) - bis rauf zum fesselträger. nicht laut röntgenbild - er war nicht transportfähig und mobiles röntgen war damals noch unbekannt - sondern laut stellungsdiagnose.

der tierarzt hat cortison und schmerzmittel gespritzt und zu einem nervenschnitt vor ort geraten. wir haben zugestimmt. alternative wäre ein "liegendtransport" und die schnellstmögliche tötung gewesen.

an der stellung und am huf haben wir gar nichts machen lassen - der war lebenslanger barhufer.

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Aristella 22.01.2016, 09:56
@ponyfliege

Jein. Die Sehnen verkürzen sich kaum, die haben dazu nicht die Kapazitäten. Genauso langsam wie sie heilen verändern sie sich auch in jede andere Richtung. Was aber passiert: Wenn man der Sehne ihre Grundspannung nimmt, stellt der an der Sehne hängende Muskel diese wieder her. Dafür muss er sich verkürzen (=anspannen), und diese Stellung auch halten. Und wie weh ein dauernd angespannter, sprich VERspannter Muskel tut, und wie lange es dauern kann, das wieder wegzukriegen, weiß jeder der schon mal einen Hexenschuss hatte. Und jetzt stell dir vor, du musst auf diesem Hexenschuss stehen... zu kurze Sehnen im tatsächlichen Sinn gibt's entweder nach Sehnenverletzungen, wenn die Sehne falsch heilt (zB recht häufig bei alten Reining-Pferden an der OBS der Hinterhand oder bei Springpferden an der OBS der Vorhand), als Geburtsfehler (da hilft dann nur eine schnelle OP) oder bei zu schnell hochgemästeten Fohlen, wo die Knochen schneller wachsen als die Sehnen das schaffen können.

Und ja, du hast da was sehr richtiges festgestellt: Die Belastung kann nur verlagert, aber nicht vermindert werden. Ist halt dann immer die Frage, welche Struktur kann das jetzt aushilfsweise übernehmen, ohne selbst (zuviel) geschädigt zu werden...

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Hast du ein Pferd,dass den Verdacht auf Hufrehe hat,oder fragst du das nur aus Interesse?

Sonst könntest du auch den Tierarzt fragen,wenn der mal da ist:-)

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