Was passiert eigentlich bei einem medizinischen notfall im flugzeug?

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4 Antworten

Doch, Krankheitsfälle oder Zusammenbrüche kommen durchaus vor, wenn auch selten. 

Nach einer Lufthansaumfrage ist bei rund 70 % aller Flüge ein Arzt an Bord. Ärzte können sich an einem speziellen Programm beteiligen und bekommen dann auch Unterricht in die Grundlagen der Flugmedizin und die Besonderheiten für Erste (und Letzte) Hilfe an Bord eines Flugzeugs. 

Außerdem wird die Besatzung in Erster Hilfe geschult und dieses Training muss, im Gegensatz zur Ersten Hilfe beim Führerschein, regelmäßig wiederholt und der Luftfahrbehörde nachgewiesen werden. Es gibt auch Spezialkurse z. B. für die Hilfe bei Babies und Kleinkindern oder den Umgang mit Behinderten.
Dann gibt es an Bord Sauerstoffflaschen, Erste-Hilfe-Kits (für die FB), Doctor's-Kits (nur für Ärzte), Defibrillatoren und auch ein Handbuch für medizinische Notfälle. 

Sollte das alles nicht reichen, bleibt nur eine Ausweichlandung, wobei die Cockpitcrew in Verbindung mit dem Arzt und/oder leitendem Flugbegleiter einen Ausweichflugplatz sucht, der a) vom benutzten Flugzeugtyp auch angeflogen werden kann und b) die bestmögliche Versorgung des Kranken ermöglicht - und das ist ja nicht unbedingt der nächstgelegene Platz.
Die EU-OPS 1, die Vorschrift für den gewerblichen Luftverkehr, sagt z. B. in der "Anlage 1 zu OPS 1.1015 - Wiederkehrende Schulung 

a) Der Luftfahrtunternehmer hat sicherzustellen, dass wiederkehrende Schulungen durch entsprechend qualifiziertes Personal durchgeführt werden. 

b) Der Luftfahrtunternehmer hat sicherzustellen, dass das Programm für die praktische Schulung alle 12 Kalendermonate Folgendes umfasst: 

5. Medizinische Aspekte und Erste Hilfe, Bordapotheke, medizinische Notfallausstattung, ihr Inhalt und medizinische Notfallausrüstung, ..."

Und weiter in der
"Anlage 3 zu OPS 1.1005/1.1010/1.1015 - Schulung zu medizinischen Aspekten und in Erster Hilfe
Die Schulung zu medizinischen Aspekten und in Erster Hilfe muss folgende Themen umfassen:

- Physiologie des Fluges einschließlich Sauerstoffanforderungen und Sauerstoffmangel

- Medizinische Notfälle auf Flügen einschließlich:

i) Asthma

ii) Erstickungsanfälle

iii) Herzanfälle

iv) Stressreaktionen und allergische Reaktionen

v) Schockzustände

vi) Schlaganfälle

vii) Epilepsie

viii) Diabetes

ix) Luftkrankheit

x) Hyperventilation

xi) Magen-Darm-Erkrankungen und

xii) Geburten

Praktische Unterweisung jedes Flugbegleiters in kardiopulmonaler Reanimation in Flugzeugumgebung mit einem speziellen Dummy

Grundlegende Erste Hilfe ... einschließlich Versorgung von:
- Bewusstlosen
- Verbrennungen
- Wunden und
- Knochenbrüchen und Weichteilverletzungen
Reisegesundheit und -hygiene einschließlich:
- Hygiene an Bord
- Todesfälle an Bord
- Umgang mit klinischen Abfällen ..."
Du siehst, dass Du bei einer europäischen Airline in ziemlich guten Händen bist.

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Kommentar von Mermaid1996
13.02.2016, 23:23

Vielen dank für deine Mühe :)

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Kommentar von Bestie10
03.03.2016, 14:48

war da vor 3 Tagen nicht ein Bericht in den Medien

Zwischenstopp - hat dem Mädchen aber nichts mehr geholfen - tot

und ein Arzt war übrigens auch nicht an Bord

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Wenn so etwas passiert, wird die Crew erste Hilfe leisten und falls es was Ernstes ist, auch eine Durchsage machen, ob ein Arzt an Bord ist. Was du natürlich nicht erwarten kannst, ist eine Bordapotheke, die für alle möglichen Fälle gerüstet ist.

Aber wenn wirklich so ein schusseliger Diabetiker an Bord wäre, dann könnten die ja immer noch eine Durchsage machen, ob jemand Insulin bei sich hat. Mit etwas Glück würde sich ein weniger schusseliger Diabetiker finden, der welches dabei hat.. 

In ernsten Fällen (also bei einem Herzinfarkt) gibt es eine Notlandung. Und wenn man gerade mitten über dem Atlantik ist - dann nicht. Restrisiko. Kann man nichts machen.

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„Ist ein Arzt an Bord?” - Wenn es in einem Verkehrsflugzeug zu einem ersten medizinischen Notfall kommt, ist das Kabinenpersonal bemüht, möglichst optimale Hilfe zum Patienten zu bringen. Demzufolge sind Flugbegleiter umfassend in Erste-Hilfe-Maßnahmen geschult, und da sich in sehr vielen Fällen auch Ärzte und medizinisches Assistenzpersonal unter den Reisenden befinden, wird bei renommierten Airlines auch Material für die professionelle Hilfe vorgehalten. Dazu gehört beispielsweise ein „Doctor’s Kit”, also eine Arzttasche mit Medikamenten, Infusionen, Material zur Sicherung der Atemwege und sogar für chirurgische Eingriffe. Denn im Fall des Falles kann die Zeitspanne, bis das Flugzeug selbst nach erklärter Notlage am Boden und der Patient rettungsdienstlicher Hilfe zugeführt ist, sehr lange werden.

https://www.austrianwings.info/2013/09/kurzstrecken-lebensretter-verzichtbar-defis-im-flugzeug-nicht-ueberall-selbstverstaendlich/

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Du hast Angst, dass Du beim Fliegen nicht rechtzeitig in medizinische Behandlung kommst?

Ich glaube, ich würde den Herzinfarkt lieber im Flugzeug bekommen, als wenn ich nachts allein zuhause bin. Da dauert's sicher länger, bis mich jemand findet.

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Kommentar von Mermaid1996
13.02.2016, 20:49

Haha ne, angst hab ich nicht. Es war eine rein theoretische frage. :D

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